Rica Otto macht sich Sorgen um ihre 7. und 8. Klassen. Denn die wird sie erst in einigen Wochen wiedersehen. Diese Klassen können erst weit nach dem 11. Mai wieder zum Unterricht, weiß die Leiterin der Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz. Nach sechs Wochen Homeschooling ist für einige Schüler sowieso die Luft raus. Die jüngste Entscheidung aus dem Potsdamer Bildungsministerium könnte die Motivation nun vollends einschläfern, fürchtet Otto: „Wir dürfen keinerlei Bewertung vornehmen.“

Das hat das Bildungsministerium so festgelegt: Noten gibt es für Brandenburger Schüler nur auf Leistungen, die vor dem 18. März erbracht wurden, heißt es in einer Weisung, die vorige Woche an die Schulen ging. Damit ist für das Zeugnis alles irrelevant, was seit der Schließung der Schulen geleistet wurde - oder auch nicht.

Schulleiterin Otto hält das für falsch. „Wir hatten als Schule unseren Weg gefunden, die Leistungen der Schüler zu bewerten“, sagt sie. Das kann sie nun nicht mehr. „Die Entscheidung ist gut kommuniziert an alle Schüler und Eltern, damit werden einige nicht mehr einsehen, warum sie sich bemühen sollen.“ Denn allen Schülern und Eltern ist nun klar, dass das Lernen in der Corona-Zeit für sie praktisch umsonst ist. Es gibt keine Noten und keine Bewertung. Ein zentraler Zweck von Schule fällt damit weg.

Sachsen: Bewertung in Verantwortung des Lehrers

Für die Lehrer in Goyatz ist es so schon schwierig, ihre Schäflein aus der Ferne zum Lernen zu tragen. Online-Lernen ist wegen der löchrigen Internetverbindung kaum möglich. Gut drei Dutzend Schüler haben keinen Anschluss oder kein Endgerät. Die sind nur per Post erreichbar. Das sind oft auch jene, die besser keinen Tag Unterricht versäumen sollten.

Aber es gibt auch die anderen Schüler, die daheim Besonderes geleistet haben. Die will Rica Otto auch würdigen. Momentan geht das nur über die Bewertung des Sozialverhaltens - also Kopfnoten. Unter all den schwierigen Bedingungen seien doch herausragende Arbeiten entstanden. In Englisch etwa, da gab es eine Projektaufgabe, die hätten die Schüler auch ohne Coronafrei selbständig machen müssen. Oder in Bio, wo Blattsammlungen aufgegeben waren. „Einige haben eine tolle Arbeit abgeliefert“, sagt Otto.

Sachsen löst das Leistungsproblem in der Coronakrise anders. Hier liegen Bewertungen in der pädagogischen Verantwortung des Lehrers. Trotz Corona sollen Lernaufgaben laut sächsischem Kultusministerium generell bewertet werden - und zwar „wertschätzend und ermutigend“. Das Ministerium empfiehlt den Lehrern, „die pädagogischen Beurteilungsspielräume wohlwollend auszulegen“.

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