Vielleicht wird die Schule nach Corona nie wieder so, wie wir sie kannten. Erste Anzeichen gibt es schon. Denn ob nach den Sommerferien der Schulbetrieb wieder normal läuft, ist längst nicht mehr so klar, wie das viele glauben wollten. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) antwortete jüngst auf diese Frage mit einer Art „Kommt drauf an“. Man müsse „immer wieder damit rechnen, dass Schulen geschlossen werden müssen, wenn sich dort jemand infiziert hat", sagte die CDU-Politikerin in einem Interview.
Das klang recht kleinlaut und das hat seinen Grund: Wer nach einem Frühling mit geschlossenen Schulen in Aussicht stellt, dass es so im Herbst weitergeht, der gewinnt damit keine Blumentöpfe. Deshalb hatten die Länderchefs wochenlang getönt, dass nach dem Sommer wieder Schule zu sein habe. Sie taten das mit Rücksicht auf überforderte Eltern und auf Lehrer, deren Arbeitsalltag nur noch am Computer stattfand. Alle hatten genug vom Chaos des Homeschoolings und von der teils freiwilligen Schicht-Schule.
Doch nun müssen erste Schulen wieder schließen und man erinnert sich wieder, warum dieser ganze Zirkus überhaupt nötig war: Weil das Coronavirus umging, was es übrigens immer noch tut.
Der geordnete Regelbetrieb könnte weiter auf sich warten lassen. Aber ist das wirklich so schlimm? Es ist seltsam genug, dass sich nun Eltern und Schüler nach einem Alltag zurücksehnen, an dem es sonst viel zu bemängeln gab.

Pädagogik auf dem Prüfstand

Ein Shutdown bringt auch Gutes, nämlich eine Pause vom Alltagsgeschäft. So wurden in der Covid-19-Pandemie aus der Distanz Probleme sichtbar, die sonst unbemerkt durchrauschen. Die Probleme an den Schulen beschränken sich nicht auf dreckige Klos und klemmende Fenster. Dank Corona steht nun eine ganze Pädagogik auf dem Prüfstand.
Die deutschen Schulen laufen meist noch so, wie sie im 19. Jahrhundert ersonnen wurden. Es regiert ein Schulgeist, der die Kinder mit Wissen versorgt, das leicht abprüfbar ist, und sie nach Leistung in Schubladen sortiert - oder gleich in unterschiedliche Schularten. Von der ersten Klasse bis an Berufsschulen ist der Alltag darauf ausgerichtet, reibungslos zu laufen. Die Unterrichtszeiten etwa wurden gemacht, damit Eltern morgens ab acht Uhr arbeiten gehen können.
Das alles lässt wenig Raum für das, was im Umgang mit Kindern das Wichtigste sein sollte: Entdecken und Ausprobieren. Ein Missstand, den Bildungsforscher und engagierte Lehrer schon lange beklagen. Corona öffnet nun die Tür für Veränderungen am Fundament der Bildung. Diese Chance sollte nicht ungenutzt vorbeirauschen.
Alle Beiträge aus dem Homeschooling-Blog der Lausitzer Rundschau gibt es hier.