Neulich war Englisch dran. Englisch kann ich. Ich habe als Journalistin englische Artikel geschrieben und Leute auf Englisch interviewt. Here we go: „Wenn möglich, sollte das Sprechen in kleinen Dialogen trainiert werden“, hat die Lehrerin auf den Zettel geschrieben. Also redete ich einfach los - und schaute in verständnislose Kinderaugen. Die Viertklässlerinnen können sich begrüßen, nach der Uhrzeit fragen und Gemüse aufsagen. Die ersten Gehversuche in einer neuen Sprache brauchen eine versierte Lehrkraft, damit es irgendwann flüssig wird. Ich stelle fest, ich bin keine.

Pädagogik ist eine knifflige Sache. Das merken jetzt viele Eltern, die wegen der Covid-19-Pandemie ihre Kinder zu Hause unterrichten. Die eigene Schulzeit ist lange her, das Wissen über Stochastik, Kinetik, Grammatik und Gotik liegt meist brach. Zeit und Geduld sind begrenzt, wenn man nebenher noch Dienstanrufe bekommt, denn frei hat man ja nicht.

Auf Twitter quellen die gängigen Weinecken für überforderte Eltern über von Berichten wie diesen: „So spektakulär wie ich gerade an der Hausaufgabe der Tochter gescheitert bin“, schreibt eine Mutter, „erwarte ich, dass jeden Moment mein alter Mathelehrer klingelt, um mein Abitur-Zeugnis zu zerreißen.“

Homeschooling: In den USA Usus, in Deutschland nicht erlaubt

Homeschooling war bislang etwas für renitente Eigenbrötler. In den USA gehört es zum Bildungssystem praktisch dazu, dass ein Teil der Bevölkerung seine Kinder daheim auf eigene Verantwortung unterrichtet. In Deutschland dagegen ist Heimunterricht nicht erlaubt. Es herrscht Schulpflicht. Wer sein Kind nicht zum regulären Unterricht schickt, muss mit Strafverfolgung und hohen Bußgeldern rechnen.

Trotzdem gibt es eine kleine Szene von sogenannten Freilernern, die ihre Kinder dem staatlichen Schulsystem entziehen und lieber zu Hause unterrichten. Etwa 80 Familien sind das in Deutschland. Sie finden etwa, dass die Schule zu viel Druck und Stress aufbaut und ziehen ein freieres Lernen vor, das sich an den Interessen ihrer Kinder orientiert.

Durch Corona sind nun praktisch alle zu Homeschoolern geworden. Aber der Unterricht daheim ist nicht gleich Heimunterricht - auf diesen Unterschied legen die Bildungsbehörden Wert. Denn trotz geschlossener Schulen herrscht weiterhin Schulpflicht. Die Schüler sind dem Einfluss des Lehrers und der Schule nicht entzogen. Was die Eltern machen, ist demnach eine Assistenz für den Lehrer, nicht aber ein Ersatz.

Da bin ich froh. Mein Debüt als Englischlehrerin blieb doch eher basic. Ich verlegte den Unterricht in die Küche, ließ die Mädchen ihr Alter und ihre Telefonnummern in Dialogen aufsagen. Dabei schnitt ich Gemüse fürs Mittagessen.