In Goyatz im Spreewald hängt ein neuer Briefkasten. Der Hausmeister hat ihn vor kurzem an die Oberschule geschraubt. Man rechnet mit einer Bugwelle an Post, die in den nächsten Tagen heranschwappt. Goyatz ist ein dörfliches Kleinod, doch die Ludwig-Leichhardt-Oberschule hat kein Internet, das den Namen verdient. Im Herbst soll es kommen, hat die Schulleiterin sagen hören, doch das nützt ihr jetzt wenig.

Deshalb bekamen die Oberschüler für die Wochen der Corona-Pause dicke Aufgabenpakete geschnürt. Wenn erledigt, sind die Zettel auf geeigneten Wegen in die Schule zurück zu schicken. Das bedeutet nun Post. Sehr viel Post. Sackpost.

Von digitale Bildung, der vernetzten Schule, dem Online-Lernen ist schon lange die Rede. Aber jetzt, da die Schulen geschlossen sind, wird das ganze Ausmaß der Vernetzung offenbar: Es ist winzig.

Zigtausende Homeschooler lernen für die nächsten Wochen an Küchentischen. Ihre Lehrer sitzen derweil im Homeoffice. Man könnte leicht zueinander kommen. Aber es gibt kein Online-Lernsystem, das alle zu gleichen Bedingungen nutzen können. Und selbst wenn, was nützt es, wenn die Schule kein Internet hat? „Jetzt zeigen sich die Unterschiede deutlich“, sagt die Goyatzer Schulleiterin Rica Otto, „es wird Zeit, dass alle Schulen vergleichbare Standards haben.“

Brandenburg schenkt Lehrern eigene Mail-Adressen

Eine kleine digitale Revolution hat die Corona-Krise in Brandenburgs Schulwesen bereits bewirkt: Alle Lehrer haben neuerdings eigene Mail-Adressen. Die hat das Potsdamer Bildungsministerium in aller Eile eingeführt, damit die 21 000 Lehrkräfte im Land auf direkte Weise mit ihren Schülern kommunizieren können. Alle Schulen in öffentlicher Trägerschaft können ab sofort für jede Lehrkraft eine Standard-Adresse einrichten. Das gibt den 25 Lehrern der Leichhardt-Oberschule die Möglichkeit, wenigstens von daheim mit den Schülern in Kontakt zu stehen. Sie geben Tipps zum Lernen und beantworten Fragen.

Allen hilft das trotzdem nicht. „15 Prozent unserer Schüler haben keinen PC, an dem sie arbeiten können“, sagt Rica Otto. Da kommt das Homeschooling an Grenzen. Eine Schülerin rief an, weil sie eine Aufgabe nicht lösen konnte, in der sie drei youtube-Videos vergleichen soll. Sie hat zu Hause kein Netz. Für das Mädchen organisiere man jetzt ein Leihgerät mit Internet-Stick.

In meiner Homeschool werden dauernd youtube-Videos verglichen. Neulich sollten meine drei Viertklässlerinnen für Musik ihre Lieblingsband auf eine Plakat vorstellen. Sie googelten sich durch die Bildergalerien von Castingshow-Stars und klebten dann die ausgedruckten Bilder auf Karton. So führen alle digitalen Wege zurück zum Papier.

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