Ella hat genug vom Homeschooling. Ihr ist langweilig, ihr fehlen die Freunde. „Ich würde gern in der Schule toben“, sagt die Neunjährige. Seit sieben Wochen hat Ella zu Hause in Uebigau ausgeharrt. Ihre Mitschüler sah sie so gut wie nie. Zum Glück hat sie ihre Hasen. Luna, Susi, Strolchi und Blitzi sind die Vertrauten, die das Mädchen durch die Covid-19-Pandemie begleiten.

Abgesehen von den Eltern, die die Aushilfslehrer spielen. Die geben sich Mühe, sagt Ella, aber sie können nicht richtig erklären.“ Vater Tino Veit weiß das wohl: „Wir sind eben keine Lehrer“, sagt der 41-Jährige. Bei Familie Veit ist die Luft raus. Homeschooling ist keine Freude, wenn man nebenher arbeiten muss - und noch der dreijährige Sohn dazwischen herumläuft und bespaßt werden will.

Zur Schule seiner Tochter hatte Veit in den zurückliegenden Wochen kaum Kontakt. Der Lernstoff kam per E-Mail. Ausgedruckte PDF-Anhänge liegen nun überall herum. „Die Aufgaben haben wir hingekriegt“, sagt der Homeschooling-Vater, „ich habe auch mein Schulwissen dadurch gefestigt.“ Aber jetzt kann er nicht mehr. Veit ist enttäuscht von den Lehrern und der Politik. „Ich habe nicht das Gefühl, dass sich irgendjemand kümmert, dass die Kinder zeitnah wieder in die Schule können.“ Für Drittklässler wie Ella hat das Bildungsministerium bislang kein Rückkehr-Szenario.

Aufgabenzettel als PDF

Kinder im Grundschulalter brauchen beim Lernen besonders viel Unterstützung. Aber gerade an Grundschulen bricht sich das digitale Lernen nur quälend langsam Bahn. Corona zeigt das: Über das Hochladen von Aufgaben auf der Website hinaus haben die wenigsten Einrichtungen Ideen, wie sie übers Internet Schule organisieren können. Das heißt: Für die Jüngsten findet so gut wie kein Unterricht statt.

Als die Schulen Mitte März schließen mussten, verordneten die meisten Grundschullehrerinnen ihren Kindern Übung und Festigung. Das Erlernte soll zu Hause wiederholt werden, damit es sitzt. Neues Wissen war dabei nicht vorgesehen.

Nun zieht sich das Lernen daheim hin. Bis zum Sommer ist kein geregelter Unterricht möglich. Familien müssen sich an ein Nebeneinander von Homeschooling und abgespeckter Schule gewöhnen. Da brauchen auch Grundschüler neuen Stoff.

Für die konzentriert sich Sachsen auf die Kernfächer. Priorität haben die „Grundlagen im Lesen, Schreiben und der Mathematik“, heißt es aus dem Kultusministerium. In Brandenburg hat Ella vor wenigen Tagen einen Stundenplan gekriegt. Eine Übersicht mit Aufgaben, eine bis zwei soll sie täglich erledigen. Der Plan fürs selbständige Lernen kam sieben Wochen zu spät.

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