Die Homeschool ist kein Ponyhof. Hier wird nach Plan gelernt. „Suche Informationen zu Deinem Lieblingstier“, steht im Deutschbuch auf Seite 81. Die drei Viertklässlerinnen sollen Stichpunkte aufschreiben. Das Lieblingstier ist dreimal das Pferd. Ich sage, sie können doch ein spannendes, faszinierendes, außergewöhnliches Tier nehmen, das mag der Leser lieber. Die Lektion kommt an: Jetzt haben wir zwei Pferde und einen Narwal. „Sollen wir die Stichpunkte auf Papier schreiben“, wird gefragt. Ich sage: Ja, Papier, bitte schreibt eine halbe Seite voll. Erschrockene Kinderaugen schauen mich an. Ich lasse mich nicht erweichen. Ich fordere eine halbe Seite Stichpunkte bis zum Mittagessen.

Schule daheim hat den Nachteil, dass sie nicht wie Schule aussieht. Alles ist gemütlich und nett, das Spielzeug liegt zum Greifen nah. Da ist die Versuchung groß, morgen fertig zu machen, worauf man heute keine Lust mehr hat. Die improvisierte Heimschule wird schnell als Spaßveranstaltung missverstanden. Als Aushilfslehrerin, die ihre Aufgabe ernst nimmt, kann ich das nicht dulden. Unsere Homeschool hat deshalb das selbständige Lernen in der Dreiergruppe aufgegeben. Wir arbeiten jetzt straff nach Uhr.

Wie alles, das funktionieren soll, braucht auch das Homeschooling einen klaren Ablauf, einen festen Zeitrahmen, eine Routine, in der alle arbeiten können. Das sagen auch Profis.

Tipps für die Heimschule: Feste Zeit und Wochenpläne

„Vereinbaren Sie mit ihren Kindern Regeln für das häusliche Lernen“, rät etwa die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in einem Handout an die Eltern. Diese Regeln sollten feste Zeiten für das Lernen vorsehen, heißt es da, „aber nicht den Schulalltag imitieren“. Denn der richtet sich weniger nach dem Biorhythmus von Kindern, sondern nach den Routinen der Arbeitswelt von Erwachsenen.

Weil jetzt alle Welt Homeschooling macht, herrscht an guten Tipps kein Mangel. Man soll ein Wochenpensum festlegen, aber sein Kind nicht überfordern. Man soll Routinen einrichten, aber sich nicht zu strikt daran halten. Man soll Bildschirmzeiten fürs Kind begrenzen, aber praktisch alles online machen.

Man soll einen festen Startpunkt für den Unterricht setzen. In der Schule klingelt es zu Stunde und Pause. Zu Hause haben wir keine Klingel, nur eine alberne Uhr im Kinderzimmer, die jede Viertelstunde eine Tierstimme brüllen lässt. Ich wollte sie schon aus dem Fenster werfen, weil sie meinen Biorhythmus stört, aber beim Homeschooling leistet sie wertvolle Arbeit.

Der Narwal und die Pferde brauchen länger. „Schreibe mithilfe Deiner Stichpunkte einen Sachtext am Computer“, steht im Buche. „Präsentiere ihn.“ Ich lasse mir gern präsentieren. Reicht aber morgen.

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