Bei Dagmar Hartge branden neuerdings viele Fragen an. Meist geht es darum, wie man in der Corona-Krise sicher kommunizieren soll. Hartge kann dazu als Brandenburgs Beauftragte für Datenschutz viele Ratschläge geben. Muss sie auch. „Wir müssen mehr Aufklärung leisten“, sagt die 57-jährige Juristin. „Gerade jetzt, wo es wichtig ist.“

Mit der Lahmlegung des öffentlichen Lebens ist die elektronische Kommunikation explodiert. Auch Lehrer und Schüler, die sich sonst täglich sahen, schreiben nun Dutzende Nachrichten hin und her. Schule muss irgendwie digital funktionieren, auch wenn nur wenige damit Erfahrung haben. Da können viele Fehler passieren. Auch folgenreiche, wenn man die falschen Anbieter nutzt. Einige sind regelrechte Datenkraken. Gerade erst wurden neue Vorwürfe gegen den Videokonferenz-Dienst Zoom laut, er nehme es mit der Datensicherheit nicht genau. Zoom wird in den USA von vielen Bildungseinrichtungen genutzt. Auch deutsche Schulen probieren in der Corona-Pause mit dem Konferenz-Tool.

Datenschützer wie Dagmar Hartge sehen derlei mit Schrecken. „Ich habe Angst, dass gerade viele Standards über Bord geworfen werden und es hinterher heißt: Es funktioniert doch.“ Viele Lehrer sind sehr engagiert, Schule auf neuen Wegen zu organisieren. Aber wie, wenn kein geeignetes Medium zur Verfügung steht?

Whatsapp ist beliebt, aber ein Graus für Datenschützer

Es droht ein Dammbruch, wenn in der Not alle auf schnelle Lösungen zurückgreifen - und sich niemand um die Daten schert, die damit praktisch in die Luft gepustet werden. Der Politik wurde das schlagartig klar, als wegen der Covid-19-Pandemie die Schulen schlossen. Also hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) die noch in Arbeit befindliche deutsche Schulcloud für alle Schulen geöffnet. Auch der brandenburgische Cloud-Ableger ist soll für alle Schulen nutzbar sein, statt bisher nur für die 51 Schulen im Modellprojekt,

Aber das könnte schon zu spät sein. Denn nach knapp Zwei Wochen Homeschooling sind viele Eltern und Schüler schon auf Anbieter wie Whatsapp ausgewichen, um Kontakt zur Klasse zu bekommen.

Dagmar Hartge beobachtet das mit Unbehagen. Whatsapp liest massenhaft private Kontaktdaten aus und gibt sie an den Facebook-Konzern weiter. Hartge ist skeptisch bei Anbietern, die Handynummern abfragen und Daten ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen. Das ist weder mit dem europäischen Datenschutz vereinbar - noch mit dem Schutz von Minderjährigen. „Jugendliche unter 16 Jahren brauchen die Einwilligung der Eltern, wenn sie solche Dienste nutzen wollen“, betont die Beauftragte.

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