Dirk Nieter hat ausgerechnet, wie viel Unterricht ihn die Coronakrise bis jetzt gekostet hat: „Unter dem Strich etwa vier Wochen“, sagt der Leiter der Bruno-Bürgel-Oberschule in Weißwasser. Seit Anfang dieser Woche sind alle Klassen wieder da. Aufholen werden Nieter und seine Kollegen den verpassten Stoff allerdings kaum - denn der Unterricht ist auf die Kernfächer verschlankt: Mathe, Deutsch, Englisch und Sachkunde. Das ist die schulische Notration bis zum Sommer.
Nieter ist 60 und erinnert sich nur an eine Phase in seiner Laufbahn, die mit der Corona-Pandemie vergleichbar war. Das war die Wendezeit. „Da kam man früh zur Arbeit und wusste nicht, welche Entscheidungen gefällt wurden.“ Damals war er schon Schulleiter. Das Haus war eine von fünf Oberschulen in Weißwasser und benannt nach dem DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Heute ist es die einzige verbliebene Oberschule und benannt nach dem Schriftsteller Bruno H. Bürgel.
Wegen Corona lernen die 380 Schüler nun in zwei Schichten. Nieter sieht das mit der Gelassenheit von einem, der für alles gewappnet ist. „Wir haben hier viel Platz“, sagt er. Und vieles machen sie in dem soliden 60er-Jahre-Bau sowieso schon so, wie sie es wegen der Hygienebestimmungen jetzt müssen.

Gute Technik, aber kein Online-Unterricht

Als die Coronapause über die Bürgel-Schule kam, wollte Nieter die Schüler nicht unter Druck setzen. Leistungsdruck in der Homeschool „sorgt am Ende nur für Stress in den Familien“. Er stellte Lernaufgaben auf die Homepage und vertraute darauf, dass sich die Schüler schon melden würden, wenn sie Probleme damit hätten. Er selbst verwaltet die einzige E-Mail-Adresse der Schule. Was dort einläuft, leitet er an die Lehrer weiter.
Auf einen ausgefeilten Online-Unterricht verzichtete die Schule vorerst - eine Krise sei nicht die rechte Zeit für Experimente, sagt Nieter. Die sächsische Schulcloud Lernsax erscheint ihm nicht praktikabel. „Wir haben eine Klientel an Schülern, die sind nicht mal online.“ Technisch ausgestattet sei man als Schule zwar gut, aber ein belastbares WLan-Netz fehle noch.
So werden auch die nächsten Wochen knifflig, denn bis zum Sommer gilt für Sachsens Oberschulen ein Wechsel an Präsenzunterricht und häuslicher Lernzeit. Das kurze Verbindungen nötig - auch für die Zukunft. „Schule, wie wir sie kennen, wird in ein paar Jahren so nicht mehr existieren“, ist Nieter überzeugt. Jedenfalls nicht als ein permanentes Vor-Ort-Sein von Schülern, die mit Papier arbeiten. Bleiben soll aber der Geist von Schule. Ihm ist wichtig, dass sich „Schüler und Eltern als Teil dieses Gefüges sehen, in dem sie relativ gleichberechtigt mitarbeiten können“.
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