Brandenburgs Kinder sind gut online unterwegs - aber nicht die, die es am nötigsten haben. Das hat Ludwig Bilz herausgefunden. Der Psychologe von der BTU Cottbus hat mehr als 3000 Brandenburger Schüler befragt für die internationale Studie „Health Behaviour in School-aged Children“. Sein Befund: Online kommunizieren ist für die meisten tägliche Routine.
Drei Viertel der Kinder in Brandenburg haben zu Hause mehr als zwei Computer zur Verfügung. Nur ein kleiner Anteil - nämlich 1,6 Prozent der Schüler - haben weder PC noch Laptop oder Tablet, das sie für Hausaufgaben nutzen können. Um diese Kinder macht sich Bilz Sorgen: „Wir gehen davon aus, dass es schon eine problematische Situation für ein Kind ist, wenn nur ein PC im Haus vorhanden ist“, sagt er. Das Homeschooling in der Covid-19-Pandemie ist für diese Kinder eine praktisch unlösbare Aufgabe. Sie können kaum oder gar nicht teilnehmen an Unterricht, der übers Internet stattfindet.
Bilz, 43, leitet das Fachgebiet Pädagogische Psychologie in Gesundheitsberufen der BTU. Seine Studie hat die Gesundheit der Schüler im Fokus - aber sehr schnell ging es dabei auch um die Faktoren, die den Schulerfolg bestimmen. Und da fällt auf: Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Schulformen.

Förderschüler haben oft keinen Computer

„Insgesamt haben Förderschüler die schlechtesten Bedingungen fürs Homeschooling“, sagt Bilz. Hier besitzen fast 22 Prozent der Familien kein oder nur ein Gerät. Unter den Gymnasiasten trifft das auf dreieinhalb Prozent zu. Diese Hierarchie zieht sich parallel durch fast alle Werte, die Bilz für seine Studie abgefragt hat: Angefangen beim Rauchen, womit Brandenburgs Schüler über dem bundesweiten Schnitt liegen. Der Tabakkonsum ist an den Gymnasien am niedrigsten (0,3 Prozent) und an den Oberschulen am höchsten (6,7). Ähnlich sieht es aus beim Obstessen - je höher der angestrebte Schulabschluss, desto höher die freiwillige Vitaminzufuhr.
Schließlich bieten die Voraussetzungen zum Lernen das gleiche Bild: Auch beim ruhigen Arbeitsplatz, den immerhin fast 96 Prozent der Schüler zu Hause haben, sind die am Gymnasium besser dran als Oberschüler und Förderschüler. Hinzu kommt die technische Ausstattung: „Wir haben festgestellt, dass auch hier eine Schieflage entsteht“, sagt Bilz, „bei den Kindern, die mehr Unterstützung brauchen, sind weniger Geräte vorhanden.“
Dabei zeige die Pandemie, wie stark wir auf digitale Medien und Geräte angewiesen sind. „Wichtig für die Schüler sind aber auch die damit zusammenhängenden Kompetenzen.“ Gerade, wenn es um die Bewertung der Verlässlichkeit von Informationen geht.
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