Neulich war Deutschstunde in der Homeschool. Die Anweisungen der Lehrerin sind kurz und präzise: „Buch S. 75 alle Aufgaben lösen zur Wiederholung und Festigung. Arbeitsheft S. 47-50.“ Die Arbeitshefte - so steht es noch dabei - „werden eingesammelt und kontrolliert.“

Mir war das zu zahlenlastig.Deutschunterricht läuft in einem Journalistenhaushalt anders: Wir lesen Zeitung, jeden Tag eine Stunde lang. Die drei Viertklässlerinnen sollen lesen üben und wollen wissen, wann ihre Schule wieder aufmacht. Zeitung leistet beides. Im Haus liegen sowieso viele herum, die Artikel kommen auch aufs Smartphone - das erleichtert die gemeinsame Lektüre in einer dreiköpfigen Klasse - selbst wenn man sich in Corona-Isolation befindet.

Die Covid-19-Krise für eine Rückbesinnung auf die etablierte Politik gesorgt - und auf verlässliche Nachrichten. In der Unsicherheit, die durch das Virus kam, wenden sich die Menschen den Institutionen zu, die für Sicherheit stehen. Das merken die Verlage. Das US-Magazin „New Yorker“ berichtete kürzlich, dass die Flagschiffe der Branche - New York Times, Washington Post und Wall Street Journal - mehr online gelesen werden als je zuvor.

Corona weckt das Informationsbedürfnis

In unsicheren Zeiten steigt das Informationsbedürfnis. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verzeichnet im März 80 Prozent mehr Zugriffe auf ihre digitalen Angebote. „Eine vergleichbare Steigerung der Zugriffe in so kurzer Zeit hat es noch nie gegeben“, heißt es aus dem Verlag. Der Boom reicht bis in die Lausitz, auch die RUNDSCHAU kann sich über mehr Visits freuen. Seit Mitte März haben sich die Besucherzahlen auf lr-online.de verdoppelt.

Diese Entwicklung will ich meinen Schülerinnen nicht vorenthalten. Mich hat Corona nebenher zur Homeschoolerin gemacht. Ich bringen ihnen das bei, was ich halt kann. Die Mädchen lesen den täglichen Corona-Aufmacher, in dem Infektionszahlen und das Ausmaß der Pandemie erläutert wird. Sie lesen der Reihe nach vor, hinterher stelle ich Fragen zu Inhalt und Quellen. Schon nach dem ersten Mal hatten sie Spaß daran. Homeschooling heißt auch, dass man sich freierer Lernformen bedienen kann. Wir machen also Deutsch und Medienbildung in einem - ist beides wichtig.

Meinen Schülerinnen hat ausgerechnet „Deutschland sucht den Superstar“ den Weg in die Zeitung eröffnet. Den Bericht über das Finale der Castingshow wollten sie unbedingt lesen. Wie der 26 Jahre alte Sachse Ramon Roselly die 17. Staffel gewann mit einem herzergreifenden Song von Dieter Bohlen. Zwei Mädels wussten schon Bescheid, sie hatten die Show gesehen. Sie wollten es nochmal schriftlich.

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