Neulich schreckte ich nachts aus dem Schlaf und dachte: „Mein Gott, Mathe!“ War in unserer Homeschool noch nicht dran. Gut, die Kolleginnen haben das gemacht, die Mütter also, mit denen ich mir die ehrenvolle Aufgabe des Aushilfslehrens teile. Trotzdem schlief ich danach unruhig weiter. Schule daheim heißt macht mich zur Hauptverantwortlichen für alles: Deutsch (viel zu viel), Sachkunde (kapier ich nicht), die Stunden (zu lang), die Pausen (zu kurz), das Mittagessen (nur mit Soße). Ich möchte nicht wehklagen, aber ich bin doch dankbar, dass sich in der Krise um die Covid-19-Pandemie endlich jemand mit uns befasst: den Eltern.

Raphaela Porsch hat dazu eine Untersuchung gestartet, was Homeschooling mit den Eltern macht. Die Erziehungswissenschaftlerin von der Universität Magdeburg befragt dafür Eltern von Grundschülern, wie sie mit den Belastungen klarkommen, vor denen sie jetzt stehen. Porsch sitzt selber zurzeit im Homeoffice und beschult nebenher eine Tochter im Grundschulalter. Als gelernte Lehrerin kann sie das. Beim Homeschooling kommt es auf den Austausch mit den Kindern an, sagt sie. „Die Eltern müssen ein Auge darauf haben, was die Kinder tun.“ Man soll sie also nicht einfach vor Aufgaben setzen und warten, dass sie fertig sind. Ich gebe zu, das war am Anfang meine naive Vorstellung von der Heimlehrerinnenrolle.

Eltern wünschen sich flexiblere Unterrichtszeit

Neben den Problemen, die mit den Schulschließungen verbunden sind, stellt Porsch den Eltern auch Fragen zum familiären Hintergrund und zu ihrem Alltag. Die Resonanz ist überwältigend. Innerhalb von nur einer Woche haben 3000 Eltern mitgemacht und berichtet, woran sie als Homeschooler scheitern.

Eine Sache, die immer wieder auftaucht, ist die Lernzeit, die viele gern flexibler hätten. Ob Schule unbedingt morgens um 7.45 Uhr anfangen muss, wird schon lange hin und her diskutiert. Dass Kinder so früh noch nicht aufnahmefähig sind, ist durch etliche Studien erwiesen. Die Unterrichtszeit ist eher der Arbeitswelt der Erwachsenen angepasst: Kinder müssen zu festen Zeiten in die Schule, damit ihre Eltern zu festen Zeiten arbeiten können. Durch die Schulschließungen findet nun beides am selben Ort statt.

Eltern haben zudem ein Problem damit, dass sie nicht wissen, wie Pädagogik funktioniert. Viele haben von den Schulen nur Aufgaben bekommen haben, aber keine Hinweise dazu, berichtet Porsch. Das kann ich nachfühlen. Auch ich hätte mir Hinweise gewünscht, wie ich Mathe mache, wenn ich nicht glaube, dass ich das kann. An der Online-Studie der Uni Magdeburg können Eltern von Grundschulkindern aus ganz Deutschland teilnehmen. Erste Ergebnisse soll es im Mai geben.

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