Hochwasser in Brandenburg
: Lage an Neiße und Spree – treten Lausitzer Flüsse über die Ufer?

Die Hochwasserlage in und um Dresden spitzt sich zu: Alarmstufe 3. Auch in der Lausitz sind die Pegel von Spree, Neiße und Seen gestiegen. Wie groß ist die Hochwasser-Gefahr in Spremberg, Forst, Guben und Cottbus?
Von
Nils Contius
Cottbus
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  • So heftig strömte das Wasser der Spree zuletzt im Sommer 2013 aus der Talsperre Spremberg.

    So heftig strömte das Wasser der Spree zuletzt im Sommer 2013 aus der Talsperre Spremberg.

    Mario Hambsch/dpa
  • 18. Oktober 2023: Erster Spatenstich für den nächsten Abschnitt der Hochwasserschutzmaßnahmen in Guben mit Bürgermeister Fred Mahro (CDU) und Staatssekretärin Anja Boudon.

    18. Oktober 2023: Erster Spatenstich für den nächsten Abschnitt der Hochwasserschutzmaßnahmen in Guben mit Bürgermeister Fred Mahro (CDU) und Staatssekretärin Anja Boudon.

    FOTO-Werner
  • Aufgrund der starken Regenfälle der vergangenen Tage weist die Spree wie hier in Sandow am 28. Dezember 2023 einen erhöhten Pegel auf. Der Anlagesteg am Eiscafé Greschke ist bereits Land unter.

    Aufgrund der starken Regenfälle der vergangenen Tage weist die Spree wie hier in Sandow am 28. Dezember 2023 einen erhöhten Pegel auf. Der Anlagesteg am Eiscafé Greschke ist bereits Land unter.

    Michael Helbig
  • Die Neiße in Guben am 28. Dezember 2023. Die Neiße-Terrassen sind abgesperrt.

    Die Neiße in Guben am 28. Dezember 2023. Die Neiße-Terrassen sind abgesperrt.

    Roswitha Werner
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Für die Lausitzer Neiße liegt eine Hochwasserwarnung vor. Von der Landesgrenze Sachsen bis zur Einmündung in die Oder bei Ratzdorf. Auch die Spree führt derzeit viel Wasser. Aber es ist noch viel Platz im Flussbett.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) in Brandenburg behält vor allem die Pegel der Elbe und der Schwarzen Elster im Landkreis Elbe-Elster genau im Blick. Hier gilt die Hochwasserwarnstufe 1. Mit Überflutungen von Straßen und Kellern muss also nicht gerechnet werden. Dennoch beobachten die Einwohner von Spremberg, Forst (Lausitz), Guben und Cottbus als Fluss-Anrainer die Lage teilweise skeptisch. Soviel Wasser hat es viele Jahre nicht gegeben.

Lage zwischen Spremberger Stausee und Spreewald

Milde Temperaturen, feuchte Luft und Niederschlagsmengen bis zu 80 Millimeter begünstigen einen Anstieg der Gewässer im südlichen Brandenburg, vor allem entlang der Neiße. Zu Wochenbeginn wurde von der Landesgrenze zu Sachsen bis zu den Forster Ortsteilen Klein Bademeusel und Briesnig Alarmstufe 1 ausgerufen. Weiter stromabwärts Richtung Guben blieb die Lage ruhiger. Während am Hochwassermeldepegel Klein Bademeusel der Wasserstand seit Mittwochabend (27. Dezember 2023) wieder sinkt, kann der Wasserstand der Neiße auf Höhe Guben/Gubin noch geringfügig ansteigen.

Blick auf die Neiße-Terrassen in Guben: Am frühen Nachmittag des 28. Dezember 2023 scheint hier der Hochwasser-Scheitelpunkt erreicht.

Roswitha Werner

Der Scheitel werde deutlich unter dem Richtwert für die Alarmstufe 1 erwartet, teilt das Landesamt für Umwelt mit. Die Ordnungshüter im Rathaus gehen auch nicht davon aus, dass die unterste Alarmstufe in Guben erreicht wird. Fast 50 Zentimeter sind noch Platz.

Gleiches gilt für die Spree: Niederschläge führten auch hier zu einem Anstieg der Wasserstände an deren Zuflüssen und in der Spree selbst. So wurde im Zuge amtlicher Hochwasserwarnungen die Abgabe der Talsperre Spremberg stufenweise erhöht. Darüber hinaus wird seit Mittwoch vor Weihnachten bis voraussichtlich 2. Januar 2024 die maximal mögliche Wassermenge von fünf Kubikmetern pro Sekunde in den Cottbuser Ostsee eingeleitet.

Der Cottbuser Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärt, dass Cottbus laut jüngster Pegelmessung buchstäblich „meterweit“ von Hochwasserschutz-Maßnahmen entfernt sei: „Da keine größeren Niederschläge erwartet werden, sind im Moment keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen geplant“, sagt er. Im Falle einer drohenden Hochwasserlage werde die örtliche Katastrophenschutzbehörde laut „Sonderplan Hochwasserschutz der Stadt Cottbus“ tätig.

Der Spreepegel an der Sandower Brücke in Cottbus Anfang Dezember 2023.

Michael Helbig

Alarmstufe 1 ausgelöst – was bedeutet das jetzt?

Alarmstufe 1 wird ausgelöst, wenn der in der Hochwassermeldeordnung festgelegte Richtwert des Wasserstandes am Richtpegel überschritten wird und aufgrund von Wetterlage und/oder Hochwasservorhersagen ein weiterer Anstieg zu erwarten ist. Sie ist gekennzeichnet durch das beginnende Ausufern der Gewässer.

Spremberg, die „Perle der Lausitz“, vor zehn Jahren: Einsatzkräfte der Feuerwehr beobachten das Hochwasser der Spree. Kurz vor dem Jahreswechsel 2023/24 ist die Hochwassergefahr hier wesentlich geringer.

Patrick Pleul/dpa

Zu den Maßnahmen, die die zuständigen Behörden der Landkreise, Städte und Gemeinden zu diesem Zeitpunkt ergreifen, zählen die Dokumentation und Meldung aktueller Wasserstände in regelmäßigen Intervallen, zusätzliche Pegelablesungen in Hochwasserabflussgebieten, die Überprüfung von Hochwasserschutzanlagen und die vorsorgliche Evakuierung von Nutztieren aus potenziell gefährdeten Gebieten.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt Bewohnern von Risikoregionen, sich bereits unmittelbar nach Bekanntgabe einer Hochwasserwarnung frühzeitig einen persönlichen Notfallplan aufzustellen.

Das BBK hat auf seiner Homepage (www.bbk.bund.de) zahlreiche Vorsorgemaßnahmen für den Schutz von Gesundheit und Leben, Hab und Gut, Haus und Auto bei Hochwasser-Gefahr veröffentlicht. Dazu gehören teilweise recht simple Dinge, die im „normalen“ Alltagsgeschehen oft nur noch selten benötigt werden oder überhaupt keine Rolle spielen.

An Lebensmittel-, Trinkwasser- und Klopapier-Vorräte denken viele. Wie aber sieht es mit einem batteriebetriebenen Radio und Taschenlampen im Haushalt aus? Sind ein Gaskocher oder eine mobile Chemie-Toilette, wie man sie vom Camping-Urlaub oder Caravan-Reisen kennt, vorhanden?

Entstehung von Hochwasser und Hochwasserkontrolle an Talsperren

Grafiken: dpa (Quellen: Umweltbundesamt/Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie)

Und wer hat schon jederzeit und wasserdicht verpackt alle möglichen persönlichen Dokumente griffbereit? Hier eine Auswahl: Geburts- und Heiratsurkunde, Sparbücher, Wertpapiere, Versicherungspolicen, Grundbuchauszug, Miet-, Pacht- und Leasingverträge, Patientenverfügung und sonstige Vollmachten, Renten- oder Einkommenssteuerbescheide, Zeugnisse und Qualifizierungsnachweise.

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