Es ist dunkel, das Licht geht langsam an und sichtbar wird: ein qualmender Schornstein. In der Lausitz ist dieses Bild so aktuell wie sonst kaum anderswo. Und es steht für das Thema, das seit einigen Monaten Tausende Jugendliche auf die Straße lockt: den Klimawandel.

Im neuen Stück „Greta“ am Piccolo-Theater in Cottbus bringt Regisseur Daniel Ratthei die Klimaproteste von „Friday for Future“ auf die Bühne und zeigt, wie schmal der Grat zwischen gelebtem Umweltbewusstsein und der eigenen Gemütlichkeit ist.

Worum es in „Greta“ geht

Die 16-jährige Annegret wird schon auf ihrer ersten Klimademo zur ganz eigenen Protest-Greta gemacht – eine Rolle, in die sie sich zunächst nur zögerlich und später immer bereitwilliger fügt. Im Verlauf der Geschichte lernt sie den engagierten Hannes kennen, verliebt sich in ihn und diskutiert mit ihrem Vater über klimafreundliches Leben. Der findet es zwar gut, Plastik einzusparen. Aber veganes Leben kommt für ihn nicht infrage – und auf die Flugreise zu verzichten schon ganz und gar nicht.

Die Balance zwischen Umwelt und Bequemlichkeit

Dabei wird deutlich, wie schwierig es ist, ein rundum umweltbewusstes Leben zu führen. Wie soll das auch gehen, wenn im Supermarkt fast alles in Plastik verpackt ist und die eigenen Klamotten aus Dritte-Welt-Ländern kommen? Diese Makel sind es, die „ältere Menschen, politisch rechts“, wie es im Stück heißt, nutzen, um den Klima-Protestanten jegliche Kompetenz abzusprechen.

Hannes und Greta vermummen sich, um in ihrer Stadt „FFF"-Symbole zu sprühen. Die Abkürzung steht für „Friday for Future".
© Foto: Michael Helbig

Als „heuchlerische und verwöhnte Schwachköpfe“ wird Annegret im Stück zum Beispiel von ihrem Sportlehrer bezeichnet. Unter einem Youtube-Video findet sie später Kommentare wie „die Behinderte aus Schweden“, „die sollen lieber gegen Migration demonstrieren“ und „die trägt selber eine Jacke aus totem Tier“.

Denkanstöße für Jung und Alt

Das Stück wird empfohlen für Zuschauer ab zwölf Jahren. Dennoch ist es harte Kost für ein Jugendtheater. „Diese Kommentare gibt es alle wirklich, die habe ich mir für das Stück nicht ausgedacht“, erklärt Regisseur Daniel Ratthei und betont, wie frustrierend es sei, diese Sätze im Netz zu lesen.

Die „alten Männer“ verirren sich eher weniger in das Stück, gibt Ratthei zu. Jugendliche seien von Anfang an die Zielgruppe gewesen. Umso bemerkenswerter war es, als zur Premiere nicht nur Vertreter von Green Peace und „Fridays for Future“ sondern auch der AfD da waren und das Stück sogar für „okay“ befunden hätten. Mit ihnen hat das Piccolo-Theater in der Vergangenheit schon andere Erfahrungen gemacht.

„KRG.“ war der AfD ein Dorn im Auge

2017 feierte das mittlerweile preisgekrönte Stück „KRG.“ Premiere am Piccolo. Darin geht es um die Frage, was passiert, wenn faschistische Diktaturen die Macht übernehmen und Oppositionelle in den Nahen Osten flüchten müssen. Der Spieß wurde, sozusagen, mal umgedreht. Der Brandenburgische AfD-Landtagsfraktionschef Andreas Kalbitz stellte daraufhin 2018 eine Kleine Anfrage an den Bundestag, weil er wissen wollte, wofür die Fördermillionen, die ins Cottbuser Piccolo Theater fließen, eigentlich genutzt werden.

Fraktion kratzt an der Kunstfreiheit AfD-Theater um das Piccolo

Cottbus

„Wir sehen uns als Brückenbauer und nicht als Spalter“, sagt Ratthei dazu. Dass sie mit „Greta“ ein nächstes Thema auf die Bühne bringen, gegen das sich die AfD deutlich positioniert, sei deshalb nicht als Provokation gedacht. „Wir sind ein Kinder- und Jugendtheater ,und das ist genau ihr Thema“, sagt er.

Eine deutliche Zukuntsvision

Dennoch wirkt gerade eine Metapher am Ende im Vergleich zum Rest des Stückes beinahe aggressiv. Das Bild: Annegret will sich abreagieren und macht einen spontanen Hürdenlauf auf der Aschenbahn des Sportplatzes. Die Hürden sind nicht nur irgendwelche Holz-Gerüste sondern stehen für Hasskommentare, verhärtete Fronten, Klimawandel-Leugner und vieles mehr. Annegrets Botschaft: „Wer beim Klimaprotest nicht mitmacht, wird einfach überrannt.“

„Greta“ am Piccolo-Theater in Cottbus


„Greta“ ist ein Schauspiel von Daniel Ratthei und eine Auftragsarbeit für ein Theater im niedersächsischen Celle. Im Februar und März arbeitete Ratthei sechs Wochen an dem Stück und produzierte etwa 50 Seiten Text. Während dieser Zeit war der Hype um die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg noch gar nicht so groß, sagt er, was das Schreiben des Stückes durchaus schwieriger machte.

„Greta“ ist für Zuschauer ab zwölf Jahren gedacht, soll aber auch der älteren Generation Denkanstöße zum Klimawandel geben. Gespielt wird das Stück von Tracy Neumann und Konstantin Walter, Kostüme und Ausstattung sind von Veronica Silva-Krug.

Wer das Stück sehen möchte, hat noch in der Woche vom 13. bis 16. November die Möglichkeit dazu, ehe „Greta“ erst im nächsten Jahr wieder auf dem Spielplan des Piccolo-Theaters landet.

Vorstellungen sind am Mittwoch, 13. November um 10 Uhr sowie von Donnerstag bis Samstag (14. bis 16. November) jeweils um 19  Uhr.