Kurz vor den umstrittenen geplanten Aktionen der Braunkohle-Gegner des Bündnisses Ende Gelände setzen sich in Cottbus erstmals Vertreter von Fridays for Future (FFF) und Pro Lausitzer Braunkohle e. V. zusammen. FFF steht für weltweite Proteste für mehr Klimaschutz, will zum Beispiel den Ausstieg aus der Braunkohle deutlich beschleunigen. Am bekanntesten ist die Initiatorin der Klimastreiks, Greta Thunberg, eine schwedische Schülerin.

Cottbus

Pro Lausitzer Braunkohle ergreift stets Partei für die Belange der Kohle-Kumpel und Kraftwerker in der Lausitz. Der Verein wendet sich gegen einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle „ohne planbare Alternative“.

Am Dienstag, 26. November 2019, sitzen nun beide Seiten auf einem Podium im Audimax der BTU Cottbus-Senftenberg, die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich. In der Einladung zu der Diskussionsveranstaltung, heißt es, dass diese einer weiteren Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft entgegen wirken solle.

Fridays for Future und Pro Lausitz: Debatte versachlichen

Diese Diskussion sehen beide Seiten laut einer gemeinsamen Presseerklärung „als wichtigen Auftakt, um die Debatte um Klimaschutz und Kohleausstieg zu versachlichen“.

Hintergrund: Für das erste Adventswochenende hat das Bündnis Ende Gelände zu Protesten in der Lausitz aufgerufen – ebenfalls Gruppen von Fridays For Future. Dabei soll es Demonstrationen geben. Ende Gelände hat auch Blockaden am Tagebau Welzow-Süd oder am Kraftwerk der Leag in Jänschwalde angekündigt.

„Wir werden technische Infrastruktur wie beispielsweise Schienen, Zufahrten oder Bagger blockieren“, sagte ein Ende-Gelände-Vertreter dazu in Cottbus bei einer früheren Podiumsrunde.

Die Pläne der Umweltschützer sind in der Region umstritten. Vertreter des Betriebsrats des Energiekonzerns Leag und Vorstandschef Helmar Rendez warnen vor Rechtsbrüchen. Mehrere Gemeinden haben Ende Gelände dazu aufgefordert, sich an Recht und Ordnung zu halten – oder wegzubleiben.

Fridays for Future Dresden: Mit Betroffenen in der Lausitz reden

Die nun geplante Runde in Cottbus mit FFF-Vertretern und Pro Lausitz will dagegen auf Dialog setzen. „Wir sind der Meinung, dass man nicht gegen etwas demonstrieren kann, wenn man mit den Menschen, die davon betroffen sind, nicht redet“, sagte Kevin Bauch, Sprecher von Fridays For Future Dresden. Bauch will mit auf dem Podium in der BTU sitzen.

Pro Lausitzer Braunkohle betrachtet dies als ersten wichtigen Schritt. Nach Angaben eines Sprechers ist ein solches Zusammentreffen von FFF und Kohle-Befürworten vermutlich bundesweit einzigartig.

Beide Seiten sehen demnach auch die Bundespolitik stärker als bisher gefordert. Denn nach dem von der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung ausgehandelten Kohle-Kompromiss vom Januar 2019, der einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland bis 2038 vorschlägt, sind die dazu geplanten Bundesgesetze zur Strukturstärkung und zum Kohleausstieg noch nicht verabschiedet.

Klimaschützer und Kohle-Verein appellieren an Bund

Daran hängt wiederum auch eine finanzielle Förderung der Lausitz. „Wir fordern die Bundespolitik gemeinsam zu mehr Mut und Handlungsfähigkeit bei der Lösungsfindung zum Klimaschutz, der Energiewende und der Strukturentwicklung der betroffenen Regionen auf“, heißt es in der Einladung zur Diskussion in der BTU.

Seitens der Umweltschutzgruppen beteiligen sich bisher Vertreter aus Sachsen – und außerhalb der Lausitz. Es war am Sonntag, 24. November 2019, nach Informationen der LR noch unklar, ob sich auch lokale FFF-Gruppen wie aus Cottbus mit auf das Podium setzen.

Diskussionstermin: wo und wann?


Die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Gegen eine weitere Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft“ mit Vertretern von Fridays for Future aus Sachsen und des Vereins Pro Lausitzer Braunkohle e.V. beginnt am Dienstag, 26. November 2019, um 18.15 Uhr.

Einlass ab 17.45 Uhr, der Eintritt ist frei. Adresse: Audimax 1, Zentralcampus BTU Cottbus-Senftenberg, Platz der Deutschen Einheit 1, 03046 Cottbus.