Exklusiv-Test: Cottbus hat den modernsten Einkaufswagen der Welt
Für manche ist es der pure Horror, für andere der wöchentliche Höhepunkt: der Großeinkauf im Supermarkt. Nun könnte ein neues Gefährt für ein Ende von Warteschlangen-Horror und Umpack-Stress sorgen. In großen quietsch-grünen Buchstaben prangt es am Marktkauf-Eingang im Lausitz Park Cottbus: „Der modernste Einkaufswagen der Welt“ wird dort angekündigt. Die digitale Einkaufshilfe, auch „Easy Shopper“ genannt, ist da.
Rundschau-Reporterin Anja Hummel hat das Wagenwunder vorab exklusiv getestet und sich die neue Technik von Marktleiter Dirk Zander erklären lassen.
Es gibt eine Grundvoraussetzung
Was der „Easy Shopper“ verspricht? „Dass Sie während Ihres Einkaufes alle Waren erfassen, an der Kasse nie wieder alles auspacken und auf gar keinen Fall an langen Kassenschlangen warten müssen, sondern direkt am Wagen bezahlen und heraus marschieren können“, fasst es Zander zusammen.
Wer diesen Komfort nutzen möchte, muss allerdings eine Voraussetzung erfüllen: Entweder man lädt sich eine App (“Easy Shopper“) auf sein Smartphone oder man ist im Besitz einer DeutschlandCard. Der Grund: Man muss sich beim Deluxe-Wagen zu Beginn über einen QR-Code einscannen, um das Gerät überhaupt „einzuschalten“. Erst dann aktiviert sich das Display in der Mitte des Wagenlenkers. Auf diesem Display werden dann alle eingescannten Produkte, die Preise und Aktionsangebote angezeigt.
Wagen mit Deluxe-Ausstattung
Zum Verstauen der Produkte gibt es zwei Ebenen. Unten ist Platz für sperrige Waren, oben kann der Einkauf direkt in Körben oder Taschen verstaut werden. Am Wagen ist ein Scanner befestigt sowie eine schmale Leuchttafel mit der Wagennummer. Außerdem sind zwei Kameras im Wagen integriert sowie eine Wiege-Einheit. „Es wird gewogen, was im Einkaufswagen liegt“, sagt Dirk Zander. Wer also eine Flasche scannt, aber sechs Flaschen einpackt, könnte ein Problem bekommen. „Auf dem Telefon der Mitarbeiter taucht dann ein Hinweis auf, dass der Wagen XY eine Gewichtsabweichung hat.“ Dann wird kontrolliert.
Das Ende des klassischen Einkaufszettels
Wer die „Easy Shopper“-App benutzt, kann sich den handgeschriebenen Einkaufszettel sparen. In der App am Smartphone kann gezielt nach Produkten gesucht und diese auf den digitalen Einkaufszettel verewigt werden. Die Produkte werden dann, nachdem man sich mit der App am Wagen angemeldet hat, automatisch auf dem Display angezeigt. Der kann dann nach und nach abgearbeitet werden.
Kunde wird zum Kassierer
Gewohnheitsgemäß ist es beim Einkauf so, dass man erst einmal alles in seinen Wagen packt, was man so braucht und am Ende alles an der Kasse erfasst wird. Mit dem digitalen Einkaufswagen wird der Kunde selbst zum Kassierer. Jedes Produkt wird mit dem Scanner am Wagen erfasst. Wurst, Käse und Co. erscheinen dann auf dem Display. Dort kann die Menge angegeben werden und der Scan muss noch einmal final bestätigt werden. „Es ist kein unbeschwertes Einkaufen. Die Leute sind schon sehr konzentriert“, gesteht Zander. 70 dieser modernen Wagen stehen für die Kunden bereit. Die alten Modelle wird es weiterhin geben.
Marktleiter verspricht keinen Personalabbau
Geht die Modernisierung mit Personaleinsparungen einher? „Nein“, sagt Zander vehement. „Im Gegenteil. Wir werden sogar mehr Leute brauchen.“ Es gebe langfristig vielleicht zwei Kassierer weniger, aber effektiv seien mehr Ansprechpartner auf der Fläche unterwegs. „Das Personal ist nicht weg, wir verlagern die Aufgaben nur“, so Zander.
Was passiert mit den Daten?
Die Daten werden beim Entwickler der App gespeichert, erklärt Marktleiter Zander. „Aber dabei geht es nur um den Einkauf selber. Personenbezogene Daten betrifft das nicht.“ Das bedeutet: Hat man einmal eine Einkaufsliste in der App erstellt, wird sie gespeichert und kann für den nächsten Einkauf als Vorlage wiederverwendet werden.
Wer die DeutschlandCard nutzt, gibt auch personengebundene Daten preis. „Aber die Daten werden datenschutzkonform gelöscht - nach spätestens 72 Stunden“, zitiert Dirk Zander aus den Datenschutzrichtlinien.
Erste Hilfe beim Einkauf
Zurück zum „Super-Wagen“. Lose Ware, Pfandbon, Rabattgutscheine - alles ist durchdacht. Bei Ware, die kein Etikett zum Einscannen hat - wie in der Obst- und Gemüseabteilung zu finden, ist ein grüner Zahlencode am Preisschild hinterlegt. Der wird auf dem Display in das Feld „Produkt suchen“ eingetragen. Pfandbons und Rabattgutscheine können ebenfalls eingescannt werden, müssen aber an der Kasse vorgelegt werden. Wer eine Frage hat, kann ganz bequem den „SOS-Knopf“ auf dem Display drücken - ein Mitarbeiter kommt vorbei und hilft. Shopping mit Kind ist auch problemlos möglich. Der Wagen ist mit einem entsprechenden Sitz ausgestattet.
Es gibt zwei Bezahlvarianten
Wer Alkohol- oder Tabakwaren im Wagen liegen hat, einen Pfandbon gescannt oder Rabattcoupons einlösen will, muss an der Kasse zahlen. Allerdings muss nichts aufs Band gelegt werden. Die Wagennummer wird aufgenommen und der Betrag kann bezahlt werden. Wer mit dem Easy Shopper unterwegs ist, kann an allen anderen vorbeiziehen - es gibt extra Kassen für die digitale Variante. Ohne Alkohol, Tabak, Rabattgutscheinen oder Pfandbon können Easy Shopper-Kunden die Waren auch selbst via Kreditkarte bezahlen. Dann ist gar kein Kassen-Stopp notwendig.
Das Fazit der RUNDSCHAU-Reporterin:
Der „Easy Shopper“ verspricht die „schnellste und einfachste Art einzukaufen“. Aber: Die Shopping-Tour mit dem Super-Wagen ist gewöhnungsbedürftig. Kein Wunder. Schließlich sind wir es gewohnt, die Waren einfach in den Korb zu legen und alles am Ende des Einkaufs abkassieren zu lassen. Jedes Produkt selbst einzuscannen, erfordert schon ein wenig Konzentration. Der Vorteil: Vielleicht denken wir dadurch demnächst wieder bewusster über den Einkauf nach und packen nicht alles blind in unseren Einkaufswagen.
Nicht abzustreiten: Der Einkauf mit dem „Digi-Wagen“ macht Spaß. Selbst Kassierer spielen, die Angebote checken und bei Fragen ganz unkompliziert auf den SOS-Knopf drücken - das ist Service, den man so nicht kennt. Auch ideal: Es kann ganz ohne Wartezeit an der Kasse bezahlt werden - über das Display via Kreditkarte. Auch ein Plus: Die Produkte müssen an der Kasse nicht ein- und ausgepackt werden. Und der digitale Einkaufszettel sorgt für beste Orientierung. Wer sich einmal mit dem System angefreundet hat, kann durchaus „schnell und einfach“ - so wie es der „modernste Einkaufswagen der Welt“ verspricht - durch den Supermarkt ziehen. Ein bisschen Übung braucht es aber trotzdem für diese neue Cottbuser Superlative.
Startschuss für die offizielle Wagennutzung in Cottbus
Ab Montag, 27. Januar, ist der „modernste Wagen der Welt“ für alle Kunden im Marktkauf Cottbus (Lausitz Park, Madlower Chaussee) verfügbar. Servicemitarbeiter stehen für alle Fragen bereit. Der Marktkauf in Cottbus ist die erste Filiale in der Lausitz, die solch einen „Easy Shopper“ einführt. Andere Einkaufsmärkte, wie zum Beispiel Bauhaus Cottbus oder Ikea-Märkte, bieten bereits seit langem ein digitales Scan-Angebot für die Kunden an.








