Von Silke Halpick

Die Pläne des Braunkohlekonzerns Leag, eine Müllverwertungsanlage auf dem Gelände des heutigen Kraftwerks Jänschwalde zu bauen, stoßen bei den Heinersbrücker Gemeindevertretern auf große Skepsis. Die unmittelbaren Nachbarn befürchten vor allem Luftverschmutzungen sowie die drastische Zunahme des Schwerlasttransportes auf den umliegenden Straßen.

Von einer Energie- und Verwertungsanlage, mit der man bereits auf zukünftige gesetzliche Anforderungen vorbereitet ist, spricht hingegen Frank Mielke, Leiter des Ver- und Entsorgungsmanagements der Leag. Er stellt die Pläne für den Bau im Rahmen der Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend in Heinersbrück vor. Weitere Gremien im Amt Peitz sollen folgen.

In der Anlage sollen jährlich 430 000 Tonnen nicht mehr recycelbare Abfälle und Klärschlamm verbrannt werden. Die dabei anfallende Wärmeenergie soll nach Leag-Angaben für Fernwärme, Prozessdampf und zur Stromerzeugung genutzt werden. Als Standort ist ein Gelände östlich neben dem Kraftwerk vorgesehen, das ehemals für die CCS-Technologie gedacht war. Mit 50 neuen Arbeitsplätzen wird gerechnet.

Aus Sicht des Heinersbrücker Bürgermeisters Horst Gröschke ist der Bau einer Müllverbrennungsanlage alles andere als ein positives Signal in Sachen Strukturwandel. Er hätte sich gewünscht, aus dem Kraftwerk Jänschwalde „was Innovatives zu machen“, wie er sagt. Auch andere Gemeindevertreter äußern sich skeptisch und verweisen darauf, dass die Abgase aus der Verbrennungsanlage bei gängigen Windverhältnissen direkt über Heinersbrück ziehen.

„Wir haben uns viele Gedanken über die Rauchgasreinigung gemacht“, erklärt Mielke. Im Rahmen eines fünfstufigen Verfahrens soll das Rauchgas zweimal gewaschen werden, um es von Schad­stoffen zu befreien. Die enthaltenen Stickoxide werden den Angaben zufolge mithilfe von Ammoniak in Wasser und Stickstoff aufgespalten. Alle toxischen Reststoffe, die nach Ende des Prozesses anfallen, werden in  unterirdischen Bergwerken eingelagert, so Mielke. So sehe es die Gesetzgebung vor.

Überzeugen kann das die meisten der anwesenden Gemeindevertreter allerdings nicht. Kritisiert wird, dass bereits heute im Kraftwerk Jänschwalde rund 500 000 Tonnen Müll pro Jahr verbrannt werden. Mit der neuen Anlage steigt also das Volumen auf fast eine Million Tonnen jährlich an.

Allerdings nur für einen Übergangszeitraum von fünf bis sieben Jahren, wie Wolfgang Rolland, Leiter für Kommunikation und Politik bei der Leag, betont. Die Menge des im Kraftwerk Jänschwalde verbrannten Mülls werde sich weiter reduzieren, wenn die nächsten Blöcke in Sicherheitsreserve gehen, kündigt er an. Mit dem Ende des Kraftwerkbetriebs wird 2030 gerechnet, mit der Inbetriebnahme der Müllverwertungsanlage  2024. „Das ist nicht viel Zeit“, so Rolland.

Die Zunahme des Schwertransportes auf ihren Straßen sehen die Heinersbrücker als ein weiteres gravierendes Problem. Mit rund 100 zusätzlichen Transportfahrten pro Tag rechnet auch die Leag, um den Müll aus Brandenburg, Berlin und Sachsen zur Verwertungsanlage zu bringen. Dafür gebe es „keine verkehrstechnischen Voraussetzungen“, kritisiert Bürgermeister Horst Gröschke. Er fordert, dass die betreffenden Bundesstraßen 168 und 97 zumindest eineinhalbspurig ausgebaut werden sollen.

Als „hochsensibles Thema“ hat auch Frank Mielke die Verkehrssituation erkannt. Empfohlen wird den Heinersbrückern, ihre Bedenken beim Scoping-Termin mit dem Landesumweltamt vorzutragen. Dieser ist für den 4. Juni angesetzt. Das Genehmigungsverfahren soll bis zum Jahr 2021 abgeschlossen sein. Erst im Anschluss erfolgt die Investitionsentscheidung der Leag, heißt es. Nach einer dreijährigen Bauzeit wird mit der Inbetriebnahme frühestens im Frühjahr 2024 gerechnet. Die Laufzeit der Anlage liegt laut Leag bei 40 Jahren.