Von Nils Ohl

Die schwarz-grauen, runden Stöpsel im Asphalt von der Größe eines Getränkedosendeckels sehen unscheinbar aus. Doch dahinter verbirgt sich die Technik, die das Parken in Cottbus deutlich erleichtern soll.

Es sind neue Sensoren, die die Belegung der Parkplätze registrieren. Am Donnerstag haben der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und Michael Kimberger, Leiter des „Park and Joy“-Programms der Telekom, diese Sensoren am  Postparkplatz in Betrieb genommen.

Ergänzung zum Bezahlen per Handy

Sie ergänzen die Angebote der Park-Apps, mit denen Parkende seit Mai auf Cottbuser Parkplätzen die Gebühren per Handy bezahlen können. Insgesamt sind in Cottbus sechs Anbieter mit diesem Bezahlservice am Markt, einer von ihnen ist die Telekom-Tochter T-Systems mit ihrer App „Park and Joy“.

Doch Bezahlen per Handy ist das eine. Noch besser ist, wenn der Autofahrer gezielt zu freien Parkplätzen in der Innenstadt geführt wird. Dafür hat die Stadt mit der Telekom den Aufbau eines Sensor-Netzes vereinbart. Mithilfe dieser Sensoren ist die App „Park and Joy“ so erweitert worden, dass die Nutzer genaue Prognosen über freie Parkplätze in Cottbus erhalten. In der ersten Phase sind nun 18 Sensoren auf dem Postparkplatz und dem Parkplatz Bahnhofstraße / Wernerstraße eingebaut und die entsprechenden Prognosen abrufbar.

Bis Jahresende alle Parkplätze ausgestattet

„In der zweiten Phase folgen die anderen bewirtschafteten Parkplätze wie der Oberkirchplatz oder Am Turm, in der dritten Phase die straßenbegleitenden Parkplätze“, erklärt Peter Schirrgott, Projektleiter  der Stadtverwaltung. Insgesamt sollen rund 200 Sensoren verbaut werden. Bis Ende des Jahres sollen alle drei Phasen abgeschlossen sein.

Dabei kommt nicht auf jede einzelne Stellfläche ein Sensor. Es genügen einige pro Parkplatz, deren Daten per künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. „Damit können wir eine genaue Prognose abgeben, ähnlich wie in einem Parkhaus, ob auf dem Parkplatz noch Stellplätze frei sind“, erklärt Michael Kimberger.

Die Sensoren arbeiten sowohl im Infrarotbereich als auch mit magnetischen Impulsen. So lässt sich ausschließen, dass beispielsweise durch eine Schneedecke oder fallendes Laub eine Belegung vorgetäuscht wird. Und sie arbeiten mit Batterien von einer  Lebenszeit  zwischen acht bis zehn Jahren, wodurch keine aufwendigen Verkablungen zur Stromversorgung notwendig sind.

Chance auf Parkplatz steigt auf 96 Prozent

Fachleute schätzen, dass rund 30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs durch Autofahrer auf Parkplatzsuche verursacht werden. Laut Telekom erhöht sich mit der Kopplung von „Park and Joy“ mit den Parkplatzsensoren die Wahrscheinlichkeit, einen Parkplatz zu finden, auf 96 Prozent. An diesen  Zahlen lässt sich ermessen, wie groß das Potenzial zur besseren Lenkung von Verkehrsströmen ist, das in der digitalisierten Parkplatzsuche steckt.

 Holger Kelch zieht eine Parallele zum Modellvorhaben Smart Cities, für das Cottbus gerade den Zuschlag bekommen hat (die RUNDSCHAU berichtete). Zwar seien die Parkplatzsensoren nicht direkt Teil des Modellvorhabens, aber doch ein weiterer Beitrag auf dem Weg zur digitalen Stadt.

Zeichen im Strukturwandel

„Wir versprechen uns eine Steigerung der Attraktivität unserer Stadt im digitalen Zeitalter. Die Parkplatzsuche per App ist modern und flexibel. Bürger und Besucher können unnütze Parkplatzsuche vermeiden und zügig ans Ziel kommen“, sagt der Oberbürgermeister.

Dazu kämen Umweltgesichtspunkte, da weniger stockender Verkehr anfällt. Und nicht zuletzt setze Cottbus damit ein Zeichen, dass die Stadt im Strukturwandel die Zeichen der Digitalisierung erkennt und handelt. „Nach Jena sind wir die einzige Stadt in Ostdeutschland, die dieses System jetzt hat“, erklärt Holger Kelch mit sichtlichem Stolz.

Telekom bezahlt die Sensoren

Ob die Stadt Mehreinnahmen durch eine optimale Parkplatznutzung verbuchen kann, sei hingegen offen und nicht das Motiv der Kooperation mit der Telekom. Die baut die Sensoren übrigens auf eigene Kosten ein. „Jeder Anbieter hat seine eigene Spezialisierung, und wir wollen  mit unserer Parkplatzsuche punkten“, erklärt Michael Kimberger. Das reine Bezahlen der gefundenen Parkplätze funktioniert wie bisher mit allen sechs in Cottbus aktiven Anbietern.