So ist Heinz Nagler nicht nur bei den Cottbusern bekannt. Der BTU-Professor versucht quer zu denken, stößt an. Doch seine städtebaulichen Projekte werden letztlich gelobt und anerkannt.

Der unter seiner Regie umgestaltete Cottbuser Altmarkt ist ein Beispiel dafür. Auch, wenn er 2007 das sogenannte Regal - eine Skulptur an der Westseite - nicht realisieren konnte.

An diese Stelle will der Stadtplaner nun ein überdimensional großes Seezeichen setzen. Drei blaue Überseecontainer sollen dafür zusammengeschweißt und aufrecht stehend, leicht geneigt, in Sichtachse zur Sprem installiert werden. Die Skulptur soll als temporärer Info-Punkt und Werbung für den entstehenden Cottbuser Ostsee installiert werden. Nagler: „Wir müssen Bilder produzieren, über die geredet wIrd.“

Bevor Heinz Nagler am Dienstagabend zum 6. Ostsee-Talk in der Spreegalerie diese „irre Idee“ auspackte und von den Besuchern dafür viel Lob bekam, widmeten sich er und Dr. Peter Strangfeld dem Thema des Abends: „Wie viel Stadt braucht der See?“ Heinz Nagler zeigte sich dabei überzeugt, dass der Ostsee enorme Kraft entwickeln und Cottbus gut voranbringen werde. „Cottbus hat die Chance, mit dem Ostsee zu wachsen“, verweist er auf das Potenzial, dass die Stadt ihre Funktion als Metropole der Lausitz ausbauen kann.

Der Städtebau-Professor erinnert aber auch daran, „dass der Osten von Cottbus nie die Schokoladenseite gewesen ist“. Jetzt aber werde sich das ändern. Hier werde am und auf dem Wasser gebaut. Die Stadt müsse um 180 Grad anders gedacht werden. Dazu gehöre für ihn, die Verbindung von alter Kulturlandschaft mit Branitzer und Buga-Park sowie Tierpark mit der neuen Kulturlandschaft am See herzustellen.

Den Stadtvätern gibt er dabei mit auf den Weg, Visionen zu entwickeln, „eine Art Masterplan, der jederzeit nachzujustieren geht, zu entwerfen“. Wer an der Planung spare, so warnt Nagler, der habe schon verloren. Er hofft bei der Finanzierung auch auf Mittel, die für den Strukturwandel in der Lausitz in Aussicht gestellt sind. Als Moderator Dennis Kettlitz, mit dem Förderverein Cottbuser Ostsee Gastgeber der Talk-Runden, auf die Bundesstraße quer durchs Ostsee-Quartier zu sprechen kommt, lässt Heinz Nagler keinen Zweifel daran, „dass die Umgehungsstraße nichts Trennendes, sondern wieder zur Stadtstraße werden wird“.

Zum Wohnen nicht nur am, sondern auch auf dem Wasser hat Peter Strangfeld bereits Visionen entwickelt. Für den Leiter des Instituts für Schwimmende Bauten am BTU-Standort Cottbus-Sachsendorf ist das Lausitzer Seeland ein einmaliges Experimentierfeld. So würden an bereits zu Wasser gelassenen schwimmenden Häusern getestet, wie sie sich bei Wellen und Wind oder unter Eisbedingungen verhalten.

Der Cottbuser Ostsee sei mit seinen Anlegestegen so konzipiert, dass schwimmende Bauten dort angedockt werden können. Aber erst einmal müsse jetzt das Wasser da sein.