Der scheidende Stiftungs-Chef Gert Streidt lässt den Satz beinahe beiläufig fallen. „Die Bedeutung Pücklers wird teilweise noch immer nicht richtig eingeschätzt. Sein Einfluss auf die Gestaltung des New Yorker Central Parks ist kaum geläufig.“ Wie bitte? New York hat von Branitz abgekupfert? Der Fürst als Inspiration für amerikanische Gartenkünstler? Mit diesem Wissen im Gepäck können Cottbuser künftig doch hoch erhobenen Hauptes in die Staaten reisen.

Doch was genau ist dran an dieser vermeintlichen Vorbildfunktion von Pücklers Schaffen? Claudius Wecke, Parkchef in Branitz, sagt dazu: „Die Gestalter des Central Parks haben sich als eine Hauptinspiration ihrer Arbeit auf die Gestaltung des Fürsten Pückler bezogen.“

Also nachgeforscht.

Der Central Park in New York wurde laut Wikipedia 1859 als Landschaftspark eingerichtet und 1873 fertiggestellt. Der Park wird heute von bis zu 500 000 Menschen täglich besucht. Beachtlich: Branitz bringt es pro Jahr auf rund 220 000 Besucher.

Die grüne Lunge New Yorks

Gebaut wurde der Park in New York zunächst vor allem als Promenade der reichen Anwohner. Er erstreckt sich heute auf einer Länge von 4,07 Kilometern von der 59. bis zur 110. Straße und 860 Metern Breite zwischen der 5. und der 8. Avenue. Er wird auch die grüne Lunge New Yorks genannt. Mit 349,15 Hektar nimmt er etwa sechs Prozent Bodenfläche Manhattans ein.

Seine Gestaltung wird maßgeblich den Landschaftsarchitekten Frederick Law Olmstedt und Calvert Vaux den Park zugeschrieben. Über sie wurde besonders in Amerika viel geforscht und publiziert. Der Anteil der deutschen Gartenbautheoretiker und –praktiker an der Gestaltung des Central Parks kommt in amerikanischen Werken zu diesem Thema allerdings kaum vor.

Europa prägt amerikanische Gestalter

Eine deutsche Autorin, Franziska Kirchner, hat in einem Buch zum einhundertsten Geburtstag des Central Parks versucht nachzuzeichnen, wie Pücklers Ideen in die Gestaltung des Central Parks Eingang gefunden haben. Sie fragt danach, woher Frederick Law Olmstedt seine Ideen bezogen und welche Eindrücke er bei seinen zahlreichen Besuchen in europäischen Parks mitgenommen hat.

Dabei belegt sie den großen Anteil, den unter anderen auch Fürst Pückler auf die landschaftsarchitektonische Gestaltung der Parkanlage in Manhattan hatte. Olmstedt und zahlreiche seiner Kollegen reisten offenbar häufig in die Lausitz und ließen sich auch vom Muskauer Park inspirieren. Fürst Pücklers Schaffen erfuhr dadurch eine neue, enorme Verbreitung, die einen anhaltenden Einfluss auf die amerikanische Landschaftsarchitektur auslöste.

Einen Hinweis darauf finden Besucher der aktuellen Dauerausstellung im Schloss Branitz. Dort wird aus dem Brief des amerikanischen Landschaftsarchitekten an Frederick Law Olmstedt. Er schreibt 1887 über Pückler: „Sein Park ist das wahrscheinlich schönste Werk echter Landschaftsgärtnerei in großem Maßstab, das in diesem Jahrhundert in Europa verwirklicht wurde.“

Die Kustodin der Ausstellung, Simone Neuhäuser, schreibt dazu: „Der Central Park in New York ist die bedeutendste ausländische Pückler-Rezeption im 19. Jahrhundert.“ Die Parkgestalter hätten sich dabei vor allem von Pücklers „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ beeinflussen lassen.

Deutschsprachige Mitarbeiter im Central Park

Darüber hinaus waren offenbar auch zahlreiche emigrierte Gärtner maßgeblich an der Entstehung des Central Parks beteiligt. Olmstedt übertrug seinen Mitarbeitern aus dem deutschsprachigen Raum, die aufgrund ihrer guten Ausbildung häufig in Führungspositionen tätig waren, wichtige Entscheidungsbefugnisse und verließ sich auf ihre botanische Kompetenz und gartenkünstlerische Sensibilität.

Die Präsidentin der amerikanischen Foundation for Landscape Studies (dt.: Stiftung für Landschaftsstudien), Elisabeth Barlow Rogers, schreibt in einem Werk zur romantischen Landschaftsgestaltung: „Die beiden originellen Erbauer, Fürst von Pückler und Frederick Law Olmstedt, führten die Besucher über gewundene Pfade durch eine Abfolge von Szenen.“

Picknicken und Radfahren erlaubt

Olmstedt war seiner Zeit voraus, als er dem Park eine zentrale Rolle als grüne Lunge in einer Millionenmetropole zuschrieb. Der Central Park sollte die New Yorker an die verdrängte Natur erinnern. Heute gilt der legendäre Park als Spielwiese für die modernen Großstadtbewohner. In ihm ist (fast) alles erlaubt, was sich im Branitzer Park kaum noch jemand trauen würde: Radfahren, Skaten, Grillen, Picknicken.