Astronaut Alexander Gerst höchstselbst ist es gewesen, der 2014 das zweite Cottbuser GeoFlow-Experiment auf der Internationalen Raumstation ISS einbaute und in Betrieb setzte. Dass die im Vergleich kleine Cottbuser Universität einen Platz im Forschungslabor der Raumstation rund 400 Kilometer über der Erde ergattern konnte, grenzte an eine Sensation – und ist vor allem Prof. Christoph Egbers und seinem Team vom Lehrstuhl Aerodynamik und Strömungslehre der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg zu verdanken.

Die Mini-Erde passt in einen Schuhkarton

Beinahe unermüdlich hatte Egbers, der im Jahr 2000 von Bremen nach Cottbus kam, an der Vorbereitung von drei Weltraum-Experimenten gearbeitet – und diese auch von der Europäischen Raumfahrtbehörde (Esa) genehmigt bekommen. Die Strömungen im Erdkern zu simulieren, und das unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit, war das wissenschaftliche Ziel von GeoFlow I. Eine Mini-Erde, die in einen Schuhkarton passt, wurde von der Raumfahrtindustrie hergestellt.

Youtube Was ist eigentlich GeoFlow?

2008 war es dann so weit: Der Platz im Experimenten-Container im europäischen Columbus-Modul der ISS war gesichert, das Experiment flog in den Weltraum und sendete fast ein Jahr lang Daten direkt an die Lausitzer Uni – über Kontrollzentren in Houston, Oberpfaffenhofen, Neapel und Madrid. Die Zahlen und Bilder wurden bis 2011 in Cottbus ausgewertet, und bereits 2009 starteten die Vorbereitungen für GeoFlow II, das die Strömungen im Erdmantel nachbilden sollte. Damit könnten Computersimulationen verbessert werden, um beispielsweise Erdbeben früher voraussagen zu können.

Strömungen des Erdkerns erforscht

Diese Mini-Erde blieb unerwartet bis Anfang 2018 im Weltall, da laut Christoph Egbers ihre Lebensdauer länger als geplant war und keine anderen europäischen Experimente nachdrängten. „Somit konnten wir auch andere spannende Fragestellungen experimentell testen“, berichtet der Cottbuser Professor – der im Übrigen seit 2016 schon an den Vorarbeiten für das dritte Weltraum-Experiment sitzt: AtmoFlow. Dieses soll die Strömungen in der Erdatmosphäre nachbilden und auch Rückschlüsse auf Erderwärmung und Klimawandel zulassen, kündigt Egbers an. „Das Modell dafür wird etwa doppelt so groß wie GeoFlow sein und dann nicht mehr in einen Schuhkarton passen, sondern eher in einen Schrank.“

Cottbuser auch im neuen Plan fürs All

Obwohl die Esa lieber anderen europäischen Experimenten den Vortritt lassen wollte, schafften es die Cottbuser mit ihren guten, über die Jahre gewachsenen Kontakten zu europäischen Partnern und die Überzeugung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) doch, wieder im Plan fürs All zu sein. Zwar als nationales Projekt, das jedoch an die Esa angedockt ist. Auch die französische Raumfahrtbehörde CNES ist mit im Boot. AtmoFlow wird frühestens Ende 2024 zur ISS starten, kündigt Egbers an: „Wir sind stolz, dass wir eines von acht Experimenten sein werden neben Versuchen, die von der US-Raumfahrtbehörde Nasa oder der russischen Weltraumorganisation Roskosmos unterstützt werden.“ Stolz ist Egbers auch auf das AtmoFlow-Team, das seit 2018 an der BTU Cottbus zusammenarbeitet. Erfahrene Wissenschaftler gibt es hier, darunter Dr. Peter Szabo, der lange in Edinburgh arbeitete, erst seit Kurzem in Cottbus ist und die BTU bereits sehr schätzt. Mit Peter Haun ist auch ein Promotionsstudent dabei, der ein „Eigengewächs“ ist und an der BTU Maschinenbau studiert hat.

Künftig sollen auch die Arbeitsbedingungen des 26-köpfigen Lehrstuhls für Aerodynamik und Strömungslehre besser werden: Wenn Ende 2019 das neue Anwendungszentrum für Fluiddynamik an der BTU eröffnet wird. Dann soll es unter anderem auch eine richtige Bodenstation mit Datenempfangsbasis für AtmoFlow geben, kündigt Egbers an. Damit sind die Cottbuser dann bestens für weitere Kontakte mit dem All gerüstet.

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