Von Andrea Hilscher

Wissenschaftler an Technischen Universitäten haben einen ganz eigenen Zugang zu künstlerischen Ausdrucksformen: Wenn Ziffern und Formeln mit Laser aus Stahl geschnitten und zu einer Installation verknüpft werden, dann mag der Laie fragend vor dem Kunstwerk stehen. Der Naturwissenschaftler allerdings versteht offenbar sofort, worum es geht.

Die polnische Künstlerin Marlena Kudlicka jedenfalls möchte mit ihrem dreidimensionalen Werk einen Algorithmus abbilden und mit „0 Komma A“ Ungenauigkeiten und Messfehler thematisieren. Für ihre Idee hat eine Jury sie mit dem ersten Preis bedacht. Sie erhält 1500 Euro, das Werk wird künftig eine Wand im Treppenhaus des neuen Anwendungszentrums für Fluiddynamik zieren.

„Ein pfiffiger Titel für eine Idee, die sehr genau beschreibt, was wir hier an der BTU tun“, findet Vize-Präsident Matthias Koziol. Und auch Christoph Egbers, der künftige Hausherr des neuen Zentrums, ist von dem Entwurf begeistert. „In der Strömungsmechanik arbeiten wir mit Theorien, die wir experimentell verifizieren. Genau das ist die Idee dieses Kunstwerks.“

Das Anwendungszentrum Fluiddynamik wird derzeit unter der Regie des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen gebaut. Ab Herbst 2019 werden in dem 8,4 Millionen Euro teuren Neubau auf dem Zentralcampus der BTU Büros, Seminarräume und Labore der Lehrstühle für Aerodynamik und Strömungslehre, Technische Akustik und Numerische Strömungs- und Gasdynamik sowie der neuen, gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) berufenen Professur für Bildgebende Messverfahren untergebracht. Christoph Egbers: „Der Ruf wurde jetzt erteilt, wir freuen uns sehr.“

Die neuen Labore bilden, so der Plan, die Grundlage für eine Intensivierung bestehender Kooperationen mit Industriepartnern aus der Region und ganz Deutschland. Es gibt bereits mehrere Kooperationsprojekte zur anwendungsnahen Erforschung im Energie-, Luft- und Raumfahrt- sowie Verkehrstechniksektor zur künftigen Förderung innovativer Schwerpunkttechnologien. Herausragend waren und sind beispielsweise die Geoflow-Experimente auf der Internationalen Raumstation ISS.

Doch zurück zur Kunst: Jo Achermann, Leiter des Fachgebietes Bildende Kunst an der BTU, hat den nichtoffenen Wettbewerb begleitet, zu dem sieben Künstler geladen waren. „Alle Entwürfe sind künstlerisch sehr hochwertig“, sagt der Professor und Bildhauer. „Es war aber relativ schnell klar, wer Sieger sein würde“, so Achermann. Marlena Kudlicka, für die die Mathematik eine Art universell verständliche Weltsprache darstellt, sei mit ihrer Verknüpfung von Formeln und Buchstaben fast so etwas wie Poesie gelungen“, schwärmt Achermann. Spannend: Die Installation wird so in das lichtdurchflutete Treppenhaus integriert, dass das Schattenspiel im Tagesverlauf immer neue Bilder erzeugt, neues Nachdenken provoziert.

Noch bis 23. Mai werden alle eingereichten Arbeiten des „Kunst am Bau“–Wettbewerbs öffentlich gezeigt. Zentralcampus Cottbus, Foyer des Verfügungsgebäudes VG 1C.