Seit 15 Jahren steckt Sebastian Richter jeden Cent und jede freie Minute in seinen Biberhof. Die Tiere, die dort leben, hat er teilweise mit der Hand aufgezogen oder vor dem sicheren Tod gerettet.

Doch nun droht das Coronavirus sein Lebenswerk zunichte zu machen. Denn dem Biberhof geht das Geld aus. Richter sagt: „Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, müssen wir die Tiere in andere Hände geben.“

Burger Biberhof wegen Corona-Krise geschlossen

Normalerweise würde am 1. April die Saison für Sebastian Richter beginnen. Das Wetter wird besser, Ostern steht vor der Tür und mit den Feiertagen auch die Ferien. Familien würden ein paar Stunden auf dem Biberhof verbringen und kräftig für Umsatz sorgen.

Doch normal ist in den Frühlingsmonaten 2020 nichts. Der Biberhof hat wegen der Corona-Krise geschlossen. Die Kassen bleiben leer und die Sorgen von Sebastian Richter werden mit jedem Tag größer.

„Man geht immer mit einem Winterminus in die Saison. Doch weil das in diesem Jahr vergleichsweise klein ausgefallen ist, hätten wir endlich mal ein paar Rücklagen erwirtschaften können“, erklärt er.

Doch der Traum ist geplatzt. Miete für den Hof, Abgaben ans Finanzamt und Kosten für Tierärzte müssen weiter beglichen werden. Dazu kommen die Unterhaltung der Tiere und der Strom für die neue Aquariumhalle mit heimischen Süßwasserfischen.

Biberhof-Ponys wegen Corona-Krise in die Schlachtung?

Und nicht nur die Tiere müssen versorgt werden, auch für seine Familie ist der Biberhof die Lebensgrundlage. „Für einige Tiere habe ich schon jemanden gefunden. Die Ponys müssen eventuell in die Schlachtung und meine Arbeitsmittel werde ich verkaufen müssen, um durchzukommen“, sagt der gelernte Fischwirt. Einen Neuanfang mit neuen Tieren nach der Coronakrise kann er sich nicht vorstellen. Die Bindung, die er jetzt zu den Tieren habe, könne man nicht so schnell wieder aufbauen.

Zu beinahe jedem Tier hat Sebastian Richter eine Anekdote parat. Da sind die Laufenten, die aufs Wort hören und ihm zum Feierabend hinterher eilen und die Gänse, die manchmal wegfliegen, aber immer wieder zurückkommen. Es gibt einen Waschbär, der „ein bisschen größer ist, als in der freien Natur“, weil er gerne Schokoriegel isst. Die Ziegen, die manchmal gegen den Pfahl in ihrem Gehege treten, weil sie wissen, dass dann die Tür aufgeht. Und Milka, die Kuh, die kurz vorm Kalben ist.

Der Burger Biberhof startet einen Hilferuf im Internet

Um sie zu retten, ist der 37-Jährige einen, für ihn, ungewöhnlichen Schritt gegangen: Sebastian Richter entsendete einen Hilferuf via Facebook. Er brauche Futter- und Geldspenden, sonst würde dem Biberhof schon Anfang April das Aus drohen. Und siehe da, er wird gehört.

Während Sebastian Richter schnellen Schrittes über seinen Hof läuft, biegt ein Traktor um die Ecke. Daniel Dubian ist mit ihm seit einer Stunde unterwegs, um fünf Bund Heu für die Tiere vom Biberhof vorbeizubringen. „Ich habe den Aufruf bei Facebook gesehen und meinen Chef darauf angesprochen, ob wir nicht helfen können. Der war sofort dabei“, erklärt Dubian, der im Auerochsenreservat von Wolfram Hotzler arbeitet.

Daniel Dubian vom Auerochsenreservat in Sielow bringt fünf Bund Heu vorbei. Der Biberhof in Brug ist auf Futter- und Geldspenden derzeit angewiesen, um die Tiere zu versorgen.
Daniel Dubian vom Auerochsenreservat in Sielow bringt fünf Bund Heu vorbei. Der Biberhof in Brug ist auf Futter- und Geldspenden derzeit angewiesen, um die Tiere zu versorgen.
© Foto: Josephine Japke

Für Dubian ist gegenseitiges Helfen selbstverständlich, denn nur so würde man die Krise gemeinsam überwinden. Das sieht auch Annegret Pioch so. Sie ist Chefin im Edeka-Markt in der Cottbuser Spreegalerie. Mit Heu kann Pioch nicht dienen, dafür aber mit großen Tüten voller Salat, Grünzeug und Backwaren. „Wir haben ein großes Herz für Tiere. Als ich den Aufruf gesehen habe, war klar, dass wir helfen müssen“, sagt sie.

Burger Biberhof ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft

Biberhof-Chef Sebsatian Richter ist von der Hilfe überrascht und überwältigt. „Ich habe damit wirklich nicht gerechnet. Es ist Wahnsinn, wie sehr uns die Menschen unterstützen“, sagt er sichtlich gerührt. Ein eingerichtetes Spendenkonto sei schon gut gefüllt und die Futterspenden würden zumindest für die kommenden Tage ausreichen.

Wie es danach weitergeht, ist dennoch unklar. Ein Leben ohne den Biberhof ist für Sebastian Richter nur schwer vorstellbar. „Ich bin 37 Jahre alt. 15 davon habe ich auf dem Biberhof verbracht“, sagt er und hofft, dass noch viele weitere Jahre dazukommen werden.

Annegret Pioch ist Chefin vom Edeka-Markt in der Cottbuser Spreegalerie. Gemeinsam mit ihrer Tochter bringt sie Futter für die Tiere vorbei.
Annegret Pioch ist Chefin vom Edeka-Markt in der Cottbuser Spreegalerie. Gemeinsam mit ihrer Tochter bringt sie Futter für die Tiere vorbei.
© Foto: Josephine Japke