Coronakrise
: Warum Lausitzer Geschäftsleute jetzt Hilfe fordern

Die Coronakrise trifft Handel, Handwerk, Hotels, Gastronomen und Tourismus hart. Kunden halten sich zurück. Zwar ist der Staat in der Not eingesprungen. Aber das reiche nicht, sagen Lausitzer Wirtschaftsvertreter.
Von
Oliver Haustein-Teßmer
Cottbus
Jetzt in der App anhören

Samstagseinkauf in Cottbus mit Auflagen: Kunden sind wie hier im Lausitz Park Cottbus willkommen. Aber es gelten wegen der Corona-Pandemie Einschränkungen. So soll auf Abstand und Desinfektion geachtet werden.

Oliver Haustein-Teßmer

Angesichts der Coronakrise wenden sich Lausitzer Geschäftsleute an die Politik. Denn Kunden kaufen weniger ein, buchen und beauftragen weniger als vor den strikten und nun gelockerten Kontakt– und Ausgehbeschränkungen.

Das treffe Einzelhändler besonders, sagt Sylke Schulz–Apelt, Centermanagerin im Lausitz Park und Vorsitzende des Handelsausschusses der Industrie– und Handelskammer (IHK) Cottbus. Soforthilfen hätten Unternehmen sicherlich über die erste Zeit in der Krise geholfen.

Schulz–Apelt fordert darüber hinaus Steuererleichterungen, fortgesetzte Hilfsprogramme und weniger Bürokratie: zum Beispiel flexiblere Öffnungszeiten an Sonntagen und die Möglichkeit für Geschäftsinhaber, den Freiraum vor ihren Läden zu nutzen — „um Angebote besser zu platzieren beziehungsweise um den Kunden die Möglichkeit zu geben, in kleinen Geschäften die Hygiene–Abstände einzuhalten“.

IHK–Handelsexpertin: Stadtmarketing braucht Geld vom Staat

Außerdem müsse — wie in Cottbus — das Stadtmarketing den Konsum fördern, zum Beispiel mit Ausstellungen und Kulturveranstaltungen. „Hierfür würden wir uns wünschen, dass das Stadtmarketing finanziell von der Politik ausgestattet wird“, sagt Schulz–Apelt.

Auch Handwerksbetriebe mit Ausnahme des Bauhauptgewerbes spüren die Corona–Flaute, wie Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus, sagt. Er verweist darauf, dass sein Zentralverband einen Corona–Bonus von bis zu 12.000 Euro pro Haushalt vorgeschlagen hat, um privaten Konsum zu befördern: Diese Summe sollen Steuerzahler zeitlich begrenzt und über haushaltsbezogene Dienstleistungen hinaus beim Finanzamt absetzen können.

Deutscher fordert außerdem, dass Verwaltungen wieder flächendeckend arbeitsfähig werden müssten — damit etwa Bauanträge und Zulassungen nicht verzögert würden. Drittens sollten Aufträge „keinesfalls verschoben oder storniert werden“. Hier seien öffentliche Hand und Privatleute gefordert.

Die Coronakrise zwingt Unternehmen dazu, sich neu zu orientieren — neue Wege zum Kunden zu finden. Dies sagt Silke Schwabe, IHK–Handelsexpertin in Cottbus. Sie hat ein Programm mitentwickelt, das auf Betriebe aus dem Handel, dem Tourismus sowie Hotels und Gaststätten abhebt. Das Programm heißt „Fit for Restart„, auf Deutsch so viel wie klar für den Neuanfang.