Dringend empfohlen wird der einfache Mundschutz im Kampf gegen das Coronavirus schon längst, um Mitmenschen vor Infektionen durch eigene Tröpfchen beim Sprechen, Niesen und Husten zu bewahren.

In Sachsen dürfen die Bürger die Geschäfte und Nahverkehrsmittel ab Montag (20. April) nur noch betreten, wenn sie Mund und Nase bedecken. Die Nachfrage nach Atemmasken steigt auch in der Lausitz enorm – und der Preis mit.

Hans Stolze aus Lübbenau findet, dass jedem Bürger ein Mundschutz zur Verfügung gestellt werden sollte.
Hans Stolze aus Lübbenau findet, dass jedem Bürger ein Mundschutz zur Verfügung gestellt werden sollte.
© Foto: Daniel Preikschat

Spreewälder fordert Mundschutz für alle Bürger

„Meiner Ansicht nach sollte jedem Bürger ein Mundschutz zur Verfügung gestellt werden, den er dann je nach Bedarf aufsetzen kann“, sagt Hans Stolze aus Lübbenau. „Wenn ich allein in der Natur unterwegs bin, muss ich keinen Mundschutz aufsetzen.

In Arztpraxen, Pflegeheimen, im Bus und in der Bahn ist das etwas anderes. Hier würde ich eine Mundschutzpflicht begrüßen“, sagt der Brandenburger. „In kleineren Geschäften, in denen sich nur zwei, drei Kunden aufhalten dürfen und schon das Verkaufspersonal geschützt ist, halte ich das für unnötig“, ergänzt der Rentner (81).

Hans-Werner Schalowski zählt mit seinen 80 Jahren zur Risikogruppe. Er ist auf einen Mundschutz angewiesen.
Hans-Werner Schalowski zählt mit seinen 80 Jahren zur Risikogruppe. Er ist auf einen Mundschutz angewiesen.
© Foto: Julia Siebrecht

Hans-Werner Schalowski (80) aus Cottbus hat sich bereits ausgestattet. „Auch in Vorbereitung auf eine mögliche Maskenpflicht“ in Brandenburg. „Ich kann durch den Vliesstoff gut atmen, und mir wird auch nicht zu warm darunter“, sagt er. Vom Nachbarn werde er draußen, wenn er die Maske trägt, jedoch nicht so schnell erkannt. Satte 14,95 Euro hat er in seiner Hausapotheke für eine FFP-Maske des Filtertyps 2 bezahlt. Aus der Not werde ein Geschäft gemacht, kritisiert er.

Cottbus

Doch Mundschutz ist nicht gleich Mundschutz. Während der Mund-Nasen-Schutz (MNS) allein die ausgeatmete Luft des Trägers filtert, reinigt eine Atemschutzmaske die eingeatmete Luft. Das erklärt Anja Schüllow, die seit sechs Jahren in der Cottbuser Passagen Apotheke arbeitet. Ein einfacher Mund-Nasen-Schutz kann eine Ansteckung also nicht verhindern.

Aber auch Atemschutzmasken können keinen hundertprozentigen Schutz gewährleisten, erklärt die Apothekerin. Dazu zählen auch partikelfiltrierende Halbmasken, besser bekannt als FFP-Masken. Diese gliedern sich nach europäischer Norm in drei Filtertypen auf: FFP1, 2 und 3.

Effektiven Schutz bieten Masken ab Schutzstufe FFP2

In Lausitzer Apotheken und auch im Internet werden zudem Modelle aus China angeboten. Laut dem DIN-Normenausschuss Feuerwehrwesen sind Masken mit der chinesischen Norm KN95 vergleichbar mit europäischen FFP2-Masken.

Ab dieser Schutzstufe schützen die Masken effektiv vor Viren. Ausreichenden Schutz bieten MNS- und Atemschutzmasken aber auch nur bei richtigem Anlegen. Vor dem Aufsetzen sollten die Hände gründlich gewaschen und desinfiziert werden. „Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Maske dicht am Gesicht sitzt und sie vorn nicht angefasst wird“, erklärt Apothekerin Anja Schüllow.

Masken des Typs FFP2 und 3 sind vor allem für Menschen im Gesundheitswesen und mit Vorerkrankungen der Atemwege sinnvoll. In der Spree Apotheke in Lübbenau bleiben sie vorerst dem Apothekenpersonal vorbehalten, sagt Inhaberin Sylke Zabel.

Den Kunden empfiehlt sie einfache Masken. Das hat auch praktische Gründe. „Für den alltäglichen Gebrauch sind die FFP2-Masken nicht geeignet“, erklärt die Apothekerin. „Man bekommt durch sie schlechter Luft“, sagt sie. Gerade bei körperlicher Anstrengung mache sich das bemerkbar; der Kreislauf fahre dann nach oben. Vor allem Menschen mit Atemwegserkrankungen und Asthma ist der Gebrauch nicht uneingeschränkt zu empfehlen, ergänzt die Cottbuser Apothekerin Anja Schüllow.

Atemschutzmasken sind in der Lausitz Mangelware

Doch ganz unabhängig von der Schutzstufe: Atemschutzmasken sind in der Lausitz Mangelware. Ob in der Apotheke am Eisstadion in Weißwasser, in der Markt-Apotheke in Bad Muskau oder in der Rathaus Apotheke in Senftenberg, überall sind die Masken ausverkauft und neue Lieferungen lassen auf sich warten.

„Aktuell sind über die pharmazeutischen Großhändler nur geringe Mengen oder gar keine FFP-2/FFP-3 Masken zu bekommen“, sagt Kathrin Quellmalz vom sächsischen Apothekerverband.

Auch Rüdiger Halbauer, Leiter der Markt-Apotheke in Bad Muskau, bestätigt, dass der pharmazeutische Großhandel seit Ende Februar keine Masken mehr liefern kann. Besser sieht es in der Lübbenauer Spree Apotheke aus. „Wir sind ausreichend ausgestattet“, sagt Apothekerin Sylke Zabel. Nach und nach sei die Lieferkette wieder hergestellt. Und auch für Rüdiger Halbauer gibt es einen Lichtblick. „Ein seriöser Anbieter aus Thüringen wird uns diese Woche 1000 Stück für circa 45 Euro pro 50 Stück liefern“, sagt der Fachapotheker.

Hersteller und Lieferanten haben bei den Preisen für Schutzmasken freie Hand

Die Preise für Atemschutzmasken variieren in der Lausitz allerdings stark. „Leider unterliegen Medizinprodukte wie Masken keiner Preisbindung, sondern dem freien Markt. Die weltweite Knappheit haben auch die Hersteller und Lieferanten erkannt. Die Preisunterschiede richten sich nach dem Einkaufspreis der lieferfähigen Lieferanten“, sagt Marcel Uhr von der Landesapothekerkammer Brandenburg.

Aus „eigenen Erfahrungen können wir sagen, dass sich die Preise für CE-zertifizierte Schutzmasken sowie dem chirurgischen Mund- und Nasenschutz stark erhöht haben auf teilweise das Zehn- bis Zwanzigfache des ursprünglichen Preises“, bestätigt Kathrin Quellmalz, Senior-Referentin der Geschäftsführung des Sächsischen Apothekerverbandes. „Die Verärgerung der Kunden über die gestiegenen Preise ist daher für uns mehr als nachvollziehbar“, sagt sie.

„Die Hersteller bestimmen die Preise“, sagt Karla Luhan, Leiterin der Rathaus Apotheke in Senftenberg. Zurzeit beziehe sie ihre Ware über eine Apothekenkooperation von einem Autowerk, in dem momentan Mundschutze produziert werden. Die Einmalmasken habe sie früher für ein paar Cent eingekauft, nun zahle sie mehr als einen Euro. 1,50 Euro kosten sie dann in ihrer Apotheke. Wiederverwendbare Masken bekommen die Kunden hier für 6,90 Euro.

Auch Alternativen zu den klassischen Atemschutzmasken sind gefragt

In der Apotheke Cottbuser Straße in Forst gibt es neben dem OP-Mundschutz und FFP2-Masken auch Alternativprodukte, erklärt Apothekerin Tina Woischnick.

Das seien Masken, die zwar vor Corona schützen, aber anders aussähen als typische FFP-Masken. „Sie sind nicht so stabil geformt“, sagt sie. Der Preis hierfür liegt bei knapp unter acht Euro. Einen OP-Mundschutz, der nur Tröpfchen der ausgeatmeten Luft zurückhält, gibt es für zwei Euro.

Auch in der Stadt Apotheke in Elsterwerda sind die Atemschutzmasken knapp. Eine Lieferung mit 1500 Exemplaren lässt noch auf sich warten. Daher gibt es neben den einfachen Masken für einen Euro, auch selbstgenähte Stoffmasken zu kaufen. „Allein heute früh haben wir wieder 50 Stück verkauft. Die sind immer ruck, zuck vergriffen“, sagt Inhaber Matthias Böhm. „Und das, obwohl sie mit vier Euro relativ teuer sind“, erklärt er.

Milva Aquino aus Cottbus bastelt sich ihren Mundschutz selbst. Nur mit Maske fühlt sie sich in den Geschäften ausreichend geschützt.
Milva Aquino aus Cottbus bastelt sich ihren Mundschutz selbst. Nur mit Maske fühlt sie sich in den Geschäften ausreichend geschützt.
© Foto: Julia Siebrecht

Selbstgenähte Masken sind für viele eine echte Alternative

Milva Aquino aus Cottbus bastelt sich ihre farbenfrohen Masken ebenfalls selbst mit Stoff aus dem eigenen Haushalt. „Den Stoff nähe ich zweilagig und klebe dann die Bänder zum Umhängen an den Seiten an“, erklärt sie.

Mit ihren selbstgenähten Masken fühle sie sich besser geschützt als mit dem dünnen Einwegmundschutz, den man kaufen kann. Fast täglich bastelt sie sich eine neue Maske. „Nur mit Maske fühle ich mich in den Geschäften ausreichend geschützt“, sagt sie. Außerdem trage sie Wegwerfhandschuhe, schließlich gingen die Produkte durch viele Hände.

Selbstgenähte Masken sind eine Alternative zu den FFP-Masken, sagt der Geschäftsführer der Forster Lausitz Klinik Hans-Ulrich Schmidt. „Das ist ein Mindestschutz – auch der macht Sinn“, sagt er. So seien sie wiederverwendbar und halten den Träger davon ab, sich ins Gesicht zu fassen. Zu haben sind diese Mund-Nasen-Masken bereits für fünf bis zehn Euro.