Die Zahl der Betriebe, die Anzeigen auf Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) einreichen, steigt rasant. Das bestätigt Anja Schilde, die Sprecherin der Arbeitsbehörde für die Lausitz und den Spreewald in Cottbus. „Der Zugang ist erleichtert“, betont sie. „Aber viele Anträge sind nicht bearbeitungsfähig. Das Wort Corona reicht als Antragsbegründung nicht aus. Wir brauchen mehr Informationen“, sagt sie. Lieferketten seien unterbrochen, Geschäfte zwangsverordnet geschlossen, bei Dienstleistern blieben die Kunden aus – nennt sie Beispiele.

Lausitzer Arbeitsbehörden aktivieren alle Kräfte

An den Telefonen der Arbeitsagentur glüht der Draht. Jeder Mitarbeiter, der verfügbar ist, ist auch in der Cottbuser Zentrale und in den Geschäftsstellen der Region am Start, wie die Sprecherin versichert. „Wir sind uns sehr bewusst, dass hier sehr schnell geholfen werden muss.“ In die Beratung der Unternehmen und in das Bearbeiten von Anträgen auf Kurzarbeitergeld werde alle Kraft gesteckt.

Dafür werden auch Spezialisten aus anderen Abteilungen, deren Arbeit jetzt liegenbleibt, im Eiltempo fit gemacht. Das Kurzarbeitergeld-Kernteam hat 30 Leute, in anderthalb Tagen Schulung werden weitere Kollegen bereit sein, diese Leistung korrekt mit abzuwickeln. Auch die Arbeitsbehörde ist im Ausnahmezustand.

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Für Kurzarbeit und Hilfen in Not ist genug Geld da

„Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind verunsichert und stehen vor erheblichen finanziellen, teils existenziellen Herausforderungen. Wir wollen alle Betroffenen in dieser besonderen Situation unterstützen und damit Entlassungen von Beschäftigten möglichst vermeiden“, sagt Detlef Scheele, der Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur in Nürnberg. Am Geld scheitert nichts. Unabhängig vom aktuellen Haushaltsansatz für Kurzarbeitergeld stehen in der Rücklage der Bundesagentur derzeit etwa 26 Milliarden Euro bereit.

Wann das Geld an die Betriebe fließt, ist derzeit noch offen

Das Kurzarbeitergeld ist eine Pflichtleistung, die jedem ausgezahlt wird, der die Voraussetzungen erfüllt. Das Verfahren werde so einfach wie nur möglich gestaltet. „Anträge können uns formlos zugesendet werden“, bestätigt Anja Schilde. Die Begründung muss stichhaltig sein, das Einverständnis der Beschäftigten für Kurzarbeit vorliegen. Derzeit kommen so viele Anträge an, dass noch keine Einschätzung zur Zeitschiene bis zur Auszahlung an die Betriebe möglich sei.

Viele betroffene Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe, seien das erste Mal überhaupt mit Kurzarbeit konfrontiert. „Unsere Berater lotsen sie an der Kurzarbeit-Hotline unter 0800 4555520. Für Arbeitnehmer ist für den Agenturbezirk Cottbus die zusätzliche Hotline 0355 6192000 eingerichtet“, teilt sie weiter mit. Arbeitgeber sind gebeten, verstärkt die Online-Angebote zu nutzen. „Sowohl die Anzeige als auch das Beantragen von Kurzarbeitergeld können schnell, sicher und jederzeit online erfolgen“, sagt Schilde.

Gegen Aushilfsjobs in der Kurzarbeit spricht nichts

Betroffen sind Händler, Dienstleister, Gastronomen, Herbergen – auch Zahnärzte, deren Patienten jetzt nicht kommen.

„Verzweifelt sind die Bauern, deren Erntehelfer nicht kommen. Der Handel sucht händeringend Helfer, die in den Märkten die neue Waren auspacken und in die Regale bringen“, sagt Anja Schilde. „Mitarbeiter aus dem Gastronomiebereich, die in Kurzarbeit sind, können da gern helfen“, erklärt sie. „Dagegen spricht gar nichts, das ist erlaubt. Nur der eigene Arbeitgeber muss das wissen“, erläutert die Sprecherin der Arbeitsbehörde in Cottbus.

Selbstständige in Not müssen Hartz IV beantragen

Selbstständige, deren Einnahmen weggebrochen sind und das mit einem eigenen finanziellen Polster nicht überbrücken können, müssen Grundsicherung (Hartz IV) beantragen. „Ein formloser Antrag genügt, die Bedürftigkeitsprüfungen sind ausgesetzt. Auch hier tun wir alles, um ganz schnell zu helfen“, sagt Anja Schilde.

Alle Branchen von Kurzarbeit betroffen


Innerhalb der ersten Woche mit härteren Einschränkungen für die Bürger und Unternehmen sind bundesweit bisher etwa 80 000 Anzeigen auf Kurzarbeit bei den Arbeitsagenturen eingegangen. Der Grund: Corona. Im Vorjahr 2019 waren es ohne die Virus-Bedrohung durchschnittlich etwa 600 Betriebe innerhalb einer Woche. Nur Ende 2019 hatten in einer konjunkturellen Schwächephase rund 1000 Betriebe wöchentlich Kurzarbeit angezeigt.

Der Jobretter Kurzarbeit muss in nahezu allen Branchen genutzt werden. Die Hoffnung der Betriebe ist, damit Kündigungen vermeiden und die Geschäfte nach Abflauen des schnellen Ausbreitens des Virus sofort wieder aufnehmen zu können. Besonders betroffen sind Transport und Logistik, das Hotel- und Gaststättengewerbe, der Messebau und Tourismus. Jetzt auch Handel und Dienstleistungen. Die Antragsflut ist auch in der Lausitz groß. Zahlen liegen noch nicht vor.