Mit Mundschutz, Handschuhen und Fiebermessgerät ausgerüstet steht Amy Kühn im Eingangsbereich des Blutspendezentrums des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Cottbus. Hier wartet sie auf den Eintritt Spendewilliger. Alle müssen zuerst an ihr vorbei, bevor sie sich im Foyer zur Blutspende anmelden können.

Die 19-Jährige hat das Institutslabor, in dem sie sonst Proben für die Deutsche Stammzellspenderdatei ordnet, gegen den kleinen, gläsernen Vorraum des Lausitzer Blutspende-Instituts getauscht.

Fieber-Check ist jetzt Pflicht vor jeder Blutspende

Die automatische Schiebetür öffnet sich. Eine Frau betritt den Vorraum. Ein Schwall kalter Luft dringt von draußen in den Raum. Amy Kühn begrüßt die Besucherin freundlich, setzt sich noch eine Gesichtsschutzmaske auf und geht dann routiniert die Checkliste in ihrem Kopf durch: „Haben Sie Husten, Halsschmerzen oder sonstige Erkältungssymptome? Hatten Sie Kontakt zu einer mit Covid-19 infizierten Person? Sind Sie in diesem Jahr schon auf Reisen gewesen?“ Amy Kühn hört sich die Antworten an, nickt und zückt dann das Infrarot-Thermometer, das sie nahe an die Stirn ihres Gegenübers hält. In Sekundenschnelle wird ihr die Körpertemperatur angezeigt. Sie blickt auf das Display. „Vielen Dank. Sobald Sie sich die Hände desinfiziert haben, können Sie eintreten“.

Blutspendedienst: Coronavirus taucht im Blut nicht auf

Die Prozedur nimmt weniger als eine Minute in Anspruch. „Die Abfrage und Temperaturmessung bereits am Eingang sind zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen Corona, die das Rote Kreuz ergriffen hat, um sicherzustellen, dass auch wirklich nur gesunde Menschen Zutritt zum Blutspenden erhalten“, sagt Rebecca Meier zu Ummeln, Referentin am Institut für Transfusionsmedizin (ITM) in Cottbus.

Mehr Schutz ist nicht möglich: Das Coronavirus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion, erklärt Kerstin Schweiger, Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost, der auch für Brandenburg und Sachsen arbeitet. Das Virus tauche im Blut nicht auf. „Es gibt auch keinerlei Hinweise darauf, dass der Erreger über eine Blutspende übertragen werden kann“, betont sie. Für die nächsten Wochen sei wichtig, dass Blutspenden möglichst stetig kommen und sich regional gleichmäßig verteilen. „Das hilft uns bei der Planung“, sagt die Sprecherin. Deshalb seien Terminvereinbarungen sehr hilfreich.

Die Bereitschaft zur Blutspende nimmt jetzt zu in der Lausitz

Auf die Cottbuser Station kommen etwa 60 bis zu 100 Vollblutspender pro Woche. „Wobei 100 Spender schon ein sehr guter Wert sind“, fügt Rebecca Meier zu Ummeln an. Bei drei Blutspende-Terminen wöchentlich sind das durchschnittlich 20 bis 30 Spender pro Tag.

Obwohl die Spenderzahlen insgesamt rückläufig sind, erlebt die Cottbuser Blutspendestation derzeit einen Zulauf: „Vergangene Woche hatten wir an einem Tag allein 50 Blutspenden“, erzählt die 27-Jährige sichtlich erfreut.

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Cottbus

Dazu kommen die Spenden der mobilen Blutspendedienste: Vier Teams starten täglich von Cottbus aus in die Lausitz. Auf diese Weise können die Menschen oft direkt in ihrem Wohnort oder in der näheren Umgebung Blut spenden. So wird etwa am Marktkauf in Lauchhammer, einer Tankstelle in Senftenberg, der Oberschule Finsterwalde und der Astrid-Lindgren-Grundschule in Spremberg Station gemacht. „Wenn die Räumlichkeiten stimmen und sich genug Blutspender finden, fahren wir eigentlich überall hin“, sagt die Referentin. Die mobilen Fahrdienste bringen noch einmal 800 bis zu 1000 Blutspenden pro Woche ins Cottbuser Blutspendezentrum. Davon macht der Hauptteil Lausitzer Blut aus. Aber auch aus Potsdam oder Eberswalde werden regelmäßig Blutspenden nach Cottbus gebracht, erklärt Rebecca Meier zu Ummeln.

Mehr Erstspender kommen jetzt zur Blutspende

Christel Weiner möchte Blutspenden. Die Cottbuserin hat das Universalblut: Null Negativ. Nur sechs Prozent in Deutschland tragen diese Blutgruppe. Null Negativ ist auch deshalb besonders, weil es als einzige Blutgruppe mit jeder anderen verträglich ist. Aus diesem Grund kommt es bei Patienten vor allem dann zum Einsatz, wenn es ganz schnell gehen muss: in Notfällen.

„Mit meiner Blutspende möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, anderen Menschen zu helfen – gerade jetzt“, sagt die 68-Jährige. Auch weil sie die seltenste Blutgruppe habe, hofft die Seniorin, die Anforderungen für eine Blutspende erfüllen zu können.

Ines Hard steht mit ihrem Sohn Leon an der Treppe des Blutspendezentrums. Vor ihnen warten noch drei weitere Spendewillige darauf, ins Gebäude gelassen zu werden. „Ich war noch nie Blut spenden und bin schon etwas aufgeregt“, sagt die Cottbuserin. Mutter und Sohn haben sich dazu entschlossen, diesen Tag für ihre erste Blutspende zu nutzen. Das sei auch deshalb möglich, da beide aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen momentan zuhause seien und sich die Zeit nehmen können. „Wir wollen mit der Blutspende ein wenig helfen“, erklärt Ines Hard. „Die Situation, in der wir uns alle gerade befinden, ist gefährlich und besorgniserregend, aber vielleicht bietet die Corona-Krise auch die Möglichkeit, dass wir als Gesellschaft die Werte, nach denen wir leben, auch mal hinterfragen“, sagt Ines Hard. Vielleicht lasse sich in dieser Hinsicht aus der Krise auch etwas lernen. „Etwa dass wir solidarischer miteinander umgehen zum Beispiel“, sagt sie.

Im Vorraum des Blutspendezentrums hat sich Amy Kühn auf einen Stuhl gesetzt. Eingekuschelt in ihren leuchtend roten DRK-Pullover blickt sie durch die gläserne Eingangstür. Draußen ist es mittlerweile dunkel. Ihren Mundschutz trägt sie immer noch. „Es ist schon anstrengend, das stundenlang zu tragen“, sagt die 19-Jährige, die seit Tagen die Einlasskontrollen durchführt. „Das ist nun mal eine Ausnahmesituation. Und wenn sich viele Menschen trotzdem die Zeit zum Blutspenden nehmen, dann helfe ich auf diese Weise gern aus“, sagt sie.

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Hintergründe zum Coronavirus in der Lausitz finden Sie in diesem Dossier.

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Blutspenden in der Coronakrise

Die Spenderzahlen haben sich nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Coronakrise an vielen Spendeorten in der Lausitz fast verdoppelt. Der Erstspenderanteil ist pro Termin teilweise von einem bis fünf Prozent eines gewöhnlichen Spendetermins auf zehn bis 15 Prozent (seit 16. März 2020) angestiegen.

Der DRK Blutspendedienst Nord-Ost informiert mit dem aktuellen Blutspendebarometer ständig, wie es um den Vorrat an Blutgruppen bestellt ist.

Unter der Servive-Telefonnummer 08001194911 sind Informationen zum Blutspenden erhältlich.