Der freundliche Zugschaffner wirft höchstens noch aus sicherem Abstand einen Blick auf den Fahrschein. Zum Schutz vor dem Coronavirus. Die Regionalbahnen sind fast leer. Bislang gibt es trotzdem lediglich im grenzübergreifenden Bahnverkehr spürbare Einschränkungen. Die Bahnmitarbeiter rechnen damit, dass am Dienstag die ersten Regionalbahnen wegfallen, die Taktzeiten reduziert werden.

„Die Fahrgastzahlen sind deutlich zurückgegangen, das ist spürbar“, sagt Joachim Radünz vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg – genauere Zahlen können aber noch nicht genannt werden. „In Berlin und Brandenburg ist der Ferienplan im Gespräch. Das muss aber auch für alle Sinn machen“, sagt Radünz.

Grundsätzlich versuche man aber, den Regionalverkehr so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Ähnlich sagt es die Deutsche Bahn. „Derzeit sind unsere Züge stabil im Einsatz“, erklärt der DB-Vorstandsvorsitzende Richard Lutz.

„Wir haben nach wie vor Wasser und Seife an Bord“, erklärt ein Zugbegleiter in der Regionalbahn 49, die zwischen Falkenberg/Elster und Cottbus verkehrt. Genutzt werde das selbst in Corona-Zeiten höchst selten, stellt er fest.

Lausitzer Busunternehmen ergreifen Maßnahmen zum Schutz der Fahrer

Die Busunternehmen schützen ihre Fahrer durch die Pflicht der Fahrgäste, nur die hinteren Türen der Gefährte zu nutzen. Die Busfahrer verkaufen auch keine Fahrscheine mehr. Ab Montag, 23. März, sollen Linien reduziert werden. Das kündigen alle Lausitzer Verkehrsdienstleister an, darunter auch Cottbusverkehr.

Im Raum Hoyerswerda sind die vorderen Türe der Busse geschlossen, bestätigt der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). In Weißwasser fordert der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) zudem dazu auf, zum Schutz der Fahrer die vorderen Sitzreihen in den Bussen frei zu lassen.

Die Busse und Straßenbahnen von Cottbusverkehr dürfen ebenfalls nicht mehr durch die vordere Tür betreten werden. „Wir wollen sicherstellen, dass wir die Mobilität in unserer Stadt so lange wie möglich aufrechterhalten. Der beste Weg, unser Fahrpersonal und die Fahrgäste zu schützen, ist die Risiken einer Ansteckung mit dem Coronavirus so weit wie möglich zu minimieren“, erklärt Ralf Thalmann, der Geschäftsführer von Cottbusverkehr.

OSL-Busfahrer mit Handschuhen und Desinfektionsmittel ausgerüstet

In Elbe-Elster wird hingegen eine andere Strategie verfolgt: Das Einsteigen erfolgt explizit über die vorderen Türen, das Aussteigen an den hinteren Türen. „Damit soll ein zügiger Fahrgastwechsel aufrechterhalten und ein zusätzliches Begegnen von Fahrgästen vermieden werden. Im Unterschied zu Stadtverkehrsbussen mit drei bis vier Türen verfügen Regionalverkehrsbusse nur über maximal zwei Türen“, erklärt das zuständige Verkehrsmanagement Elbe-Elster dazu. Mit dem Umstellen auf den Ferienfahrplan am Montag erfolgt aber auch hier der Ein- und Ausstieg vollständig über die hintere Tür.

Bei der Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz können Tickets sogar noch im Bus gelöst werden, die Fahrer sind mit Desinfektionsmitteln und Handschuhen gut ausgerüstet. Darüber hinaus werden an jedem Haltepunkt die Türen geöffnet.

Trotz Corona: Fahrkartenpflicht in der Lausitz besteht weiterhin

Wegen Corona ist der Ticketkauf nach Antritt der Fahrt in den meisten Verkehrsgebieten nicht mehr möglich. Dass damit auch die Fahrt automatisch frei ist, bedeutet das aber nicht. „Es wird ganz normal kontrolliert, die Fahrkartenpflicht besteht“, sagt Joachim Radünz. Wie ältere Menschen aus Dörfern ohne Fahrscheinverkauf und Automaten das bewerkstelligen können, sagt er nicht.

„Die Verkehrsunternehmen haben entschieden, die Kontrollen zu reduzieren. Dennoch haben die Fahrgäste die Pflicht, ein Ticket zu lösen“, sagt Christian Schlemper vom Verkehrsverband Oberelbe in Hoyerswerda. Notfalls könnten Tickets auch bestellt und zugeschickt werden. „Dazu genügt ein Anruf an der VVO-Info-Hotline. Die Mitarbeiter senden die Tickets gegen ein kleines Serviceentgelt direkt nach Hause“, sagt er. Damit allerdings werden für geringe Summen noch mehr Menschen in Bewegung gebracht.