Von Beate Möschl

Mitten im Grünen sitzt eine fröhliche Runde. Ihr Lachen schallt durch den  Flur des Flachbaus im Innenhof der Kochstraße 15a. Hier, in der östlichen Spremberger Vorstadt, ist das Caritas-Familienzentrum seit Mai 2015 beheimatet. Mit der Jugendarbeit und Angeboten für junge Familien war es zuvor in der Straße der Jugend zu finden und ist vielen Cottbusern schon seit Jahren ein Begriff. Inzwischen führt es Generationen zusammen. Beim Senioren- und Eltern-Kind-Treff zum Beispiel, immer donnerstags am Nachmittag und mit dem  Nachbarschaftsfrühstück.   Das gibt es seit Februar. Kleine  einladende Handzettel, ausgelegt bei  Cottbuser Unternehmen, die die Arbeit der Caritas gern unterstützen, haben darauf neugierig gemacht. Doch wie wird die Einladung angenommen? Die RUNDSCHAU machte den Test und schaute am Montag einfach mal rein beim Nachbarschaftsfrühstück.

Der Tisch ist  liebevoll gedeckt. Martina Schirmer,  Ansprechpartnerin für die Seniorenarbeit, und Carmen Auris,  Ansprechpartnerin für junge Familien, schenken  Kaffee ein. Angelina Krohn ist die Jüngste im Caritas-Team und gern dabei, wenn sich die unterschiedlichen Altersgruppen treffen.  Die  19-Jährige  absolviert bei der Caritas in Cottbus  ein Freiwilliges Soziales Jahr und  sieht auch ihre berufliche Perspektive in der sozialen Arbeit.

 Die Frühstücksrunde an diesem Montag  ist etwas kleiner als sonst. Die Gäste kennen sich bereits,   sind öfter hier. Dabei geht es  weniger um das Essen, sondern mehr um den Plausch  und  die liebevolle Aufmerksamkeit, die einem  zu Hause kaum zuteil wird, wenn kein Partner mehr da ist und die Kinder weit weg sind, dort, wo sie Arbeit haben.

„Hier hat sich schon das erste vierblättrige Kleeblatt gefunden, aber einer fehlt heute“, sagt Martina Schirmer und gibt mit der Randbemerkung, dass die Runde gerne Karten spielt, am liebsten Kanasta,  das Stichwort für den nächsten Lacher. Denn spielerisch  wird hier offensichtlich manche Nuss geknackt. Oder wie Norbert Gölkel (73) über seine Tischnachbarin  Monika Leimert sagt. „Sie ist immer die Beste. Ich weiß nicht wie sie das macht.“ „Das weiß ich auch nicht“, entgegnet die   80-Jährige verschmitzt.

 Doch es gibt mehr als Karten spielen.  Norbert Gölkel hält sich alternativ an  Martina Schirmers Nachfrage zur Teilnahme am nächsten Firmenlauf. Der 73-jährige Wahl-Cottbuser, der von Berufs wegen von Nordrhein-Westfalen nach Cottbus kam und sich hier so wohl fühlt, dass er  hier geblieben ist,  hat vor etwa 20 Jahren mit dem Laufen angefangen und hält sich gern in Bewegung. Auch die Angebote der Caritas nutzt er recht häufig. „Wenn man nur zu  Hause bleibt,  fällt einem ja die Decke auf den Kopf.“

Die dritte im Bunde nickt zustimmend.  Sie kommt aus der Nachbarschaft, gehörte zu den ersten Mietern der Genossenschaftswohnungen, die in den 1960er-Jahren hier gebaut wurden. Damals gab es hier noch viele Kinder. Heute ist die ältere Mieter-Generation in der Überzahl und oft alleinstehend. Aber es ziehen auch wieder junge Familien her.  Denn das Wohngebiet ist schön grün, stadtnah und trotzdem ruhig.  Es gibt alles, was man braucht zum Leben, und es ist gut erreichbar.

Da passt das  Caritasfamilienzentrum gut rein. Die Angebote  sind vielfältig und  eine Einladung  für alle Generationen, das Miteinander-Reden, das Lachen und das Rat und  Hilfe holen nicht zu verlernen oder anzunehmen – egal  ob und warum einem das Leben gerade eine Nase dreht.  „Wir können nicht alle Probleme lösen, aber  zuhören, vermitteln  und aufmuntern. Wir  helfen nach vorne zu schauen“, sagt Martina Schirmer. „Unsere Angebote sind für jeden und alle Altersgruppen offen. Kommen Sie einfach vorbei, bei uns finden  Sie   offene  Ohren.“