Nein, die Corona-Krise ist noch nicht vorbei. Im Gegenteil. Die Zahl der Infektionen – und leider auch der Todesfälle – steigt, auch in der Lausitz. Allerdings scheint sich das Virus bei uns deutlich langsamer auszubreiten als in anderen Ländern. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen?

So ist die Corona-Lage in der Lausitz

454 Infektionsfälle gibt es derzeit (Stand 31. März) insgesamt in der Lausitz. Die mit Abstand meisten Corona-Infizierten gibt es weiterhin im Landkreis Bautzen. Die Kreise Görlitz und Dahme-Spreewald verzeichnen derzeit den stärksten Anstieg und haben Cottbus und Spree-Neiße, wo das Virus zunächst am stärksten verbreitet war, überholt. Weiterhin vergleichsweise wenig Corona-Fälle gibt es in den Kreisen Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster.

Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gibt es zwei in der Lausitz. Es handelt es sich den Angaben der Gesundheitsämter zufolge um eine 89-jährige Frau aus dem Kreis Görlitz und eine weitere Person aus dem Kreis Bautzen.

Sachsen hat Brandenburg bei Coronafällen überholt

In Brandenburg steigt die Zahl der Infizierten weiter steil an. 933 Fälle hat das Gesundheitsministerium am Montag gemeldet. Deutlich stärker ist allerdings der Anstieg in Sachsen. Hier nehmen offenbar die Infektionen die erwartete Dynamik auf. 1930 meldet die Staatsregierung am Montag. Das zeigt sich auch bei der Zahl der gemeldeten Todesfälle. Sieben sind es (Stand 31. März) in Brandenburg, elf in Sachsen.

Die unterschiedliche Entwicklung zeigt sich auch, wenn man die Zahl der Infizierten auf die Bevölkerungszahl umrechnet. 30 Fälle sind es in Brandenburg pro 100 000 Einwohner, in Sachsen 44. Wesentlich höher liegen die Vergleichszahlen in Hamburg (112), Bayern (108) oder Baden-Württemberg (99). „Es gibt solche regionalen Unterschiede. Das ist auch ganz normal“, sagt Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Sterberate nach Coronavirus in Deutschland weiter gering

Deutschlandweit hat sich die Zahl der Corona-Fälle bis Dienstag auf rund 62 000 erhöht. Ein deutlicher Anstieg ist bei den Todesfällen zu sehen, die binnen eines Tages um 128 auf 583 gestiegen ist. Es gibt aber auch gute Zahlen. „Nach unseren konservativen Schätzungen sind 16 000 Menschen genesen“, teilte RKI-Präsident Wieler am Dienstag bei seiner Pressekonferenz mit.

Bei den Todesfällen zeigt sich, dass es vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen sind, die dem Virus zum Opfer fallen. So liegt laut RKI das Durchschnittsalter der Verstorbenen bei 80 Jahren. Lediglich 31 der Toten waren jünger als 60 Jahre. Das jüngste Opfer kam laut Wieler auf 28 Jahre, sie habe allerdings Vorerkrankungen gehabt.

Verläuft die Corona-Epidemie in Deutschland milder?

Auffällig ist der vergleichsweise milde Verlauf der Corona-Ausbreitung in Deutschland verglichen mit anderen Ländern. Vor allem Italien, Spanien und die USA erleben und erlebten deutlich steilere Anstiege bei den Infektionen nach dem ersten bekannten Ausbruch im Land. Wirken die Maßnahmen, die Kontaktsperren und Appelle, zuhause zu bleiben? Die Forscher bleiben da noch zurückhaltend. Für eine Bewertung sei es noch zu früh. „Wir warten ab, bis wir handfeste Zahlen haben. Das wird Ostern soweit sein“, sagt RKI-Präsident Wieler. Er bleibe optimistisch, dass die Epidemie in Deutschland einen flacheren Verlauf nehmen werde. Belegen könne man das aber noch nicht abschließend.

Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich auch angesichts dessen ür eine Beibehaltung der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Ausbreitung ausgesprochen. Die Maßnahmen „müssen in aller Konsequenz aufrechterhalten und durchgesetzt werden“, erklärten die Ressortchefs nach Angaben des Bundesinnenministeriums nach einer Telefonkonferenz am Montag.

„Wir sind erst am Anfang der Pandemie und dürfen nicht frühzeitig die notwendigen Maßnahmen zur Unterbrechung der Infektionsketten aufheben“, sagte Bundesminister Horst Seehofer (CSU) laut Mitteilung.

Weltweit ist die Zahl der Infektionen auf 787 000 (Stand Dienstag) gestiegen. „Die Pandemie läuft weiter und wird auch noch einige Wochen und Monate unterwegs sein“, schätzt Wieler ein.

Sterberate nach Coronavirus in Deutschland weit unter anderen Ländern

Zu sehen ist bereits, dass die Sterberate in Deutschland bisher sehr viel geringer als in anderen Ländern ausfällt. Fünf Prozent aller Infizierten sterben laut jüngsten Zahlen weltweit an der Epidemie. In der EU inklusive Großbritannien lag die Zahl laut europäischem Seuchenzentrum EDC bei 7,8 Prozent. Deutschland vermeldet mit Stand Dienstagmorgen 0,8 Prozent.

RKI-Präsident Wieler mahnt allerdings zur Vorsicht bei der Bewertung dieser Zahlen. Zum einen habe man in Deutschland frühzeitig und weitreichend mit Testungen begonnen und deshalb auch viele milde Fälle in der Statistik, die andernorts gar nicht erfasst werden. Zum anderen stehe Deutschland noch am Anfang der Epidemie. Das zeigt auch der Blick in die USA, wo die Sterblichkeitsrate ebenfalls noch gering ist, bei 1,8 Prozent. „Ich gehe davon aus, dass die Sterberate steigen wird“, sagt Professor Wieler mit Blick auf Deutschland.

Wichtig sei es, vor allem die gefährdeten Gesellschaftsgruppen weiterhin so gut wie möglich zu isolieren. „Es ist eine gefährliche Krankheit und je mehr das einsehen, desto besser können sie sich und andere schützen“, mahnt der RKI-Präsident eindringlich.

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