Darknet wird der Teil des Internets genannt, den man nicht so einfach einsehen kann. Wer weiß, wonach er sucht, findet dort Handelsplätze für Drogen, Waffen, illegale Computer-Programme, Zugangsdaten und vieles mehr. Ermittler, die versuchen, solche Handelsplätze zu stoppen, haben viel Arbeit vor sich. Denn die Nutzer wissen oft sehr gut, wie sie sich anonym im Internet bewegen können.

Polizei-Razzien in Cottbus und Dahme-Spreewald

Dennoch ist der Polizei nun ein großer Schlag gegen die Internetkriminellen gelungen. Deutschlandweit fanden am Dienstag Razzien statt. Eine Aktion der Superlative, koordiniert von Ermittlungsbehörde in Bayern und Brandenburg: 1400 eingesetzte Polizisten, 328 Ermittlungsverfahren, 232 Durchsuchungsbeschlüsse, 32 festnahmen, elf vollstreckte Haftbefehle.
Auch in der Lausitz war die Polizei im Einsatz. So gab es unter anderem Durchsuchungen in Cottbus und im Kreis Dahme-Spreewald. Sechs weitere Razzien fanden in Sachsen statt.

Hauptverdächtiger sitzt in der JVA Cottbus

Bereits am Montag haben Brandenburger Spezialeinheiten einen der Hauptbeschuldigten in Berlin festgenommen. Bisher gehen die Ermittler bei dem 29-jährigem Brandenburger von mehr als 1500 Straftaten aus. In seinem Büro in Berlin Mitte stellten die Ermittler hochwertige PC-Technik sicher. Nach Verkündung des Haftbefehls kam der Beschuldigte in Untersuchungshaft in die JVA Cottbus.
Bei den Durchsuchungen von Wohn- und Nebengebäuden am Dienstag wurden Betäubungsmittel, Datenträger mit einem Datenvolumen von mehr als 300 Terabyte, über 700 elektronische Geräte wie Laptops und Mobilfunktelefone, Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich, diverse Waffen, digitale Währungen, sowie Unterlagen von mutmaßlichen Cyberkriminellen sichergestellt.

Ermittlungen gegen Crimenetwork laufen seit Monaten

Die Ermittlungen richten sich gegen die Internetseite Crimenetwork.co. Bereits im vergangenen Sommer waren Ermittler in Bayern auf die Plattform aufmerksam geworden. Hacker hatten dort Daten von Bankkunden ausgetauscht. Weil sie in einem Fall offenbar besonders dreist vorgingen, kamen die Internetexperten aus Bamberg auf die Spur der Plattform.
„Der nahezu ausschließliche Zweck des Forums liegt im Handel und Austausch von Informationen, Daten, Werkzeugen und Waren, die entweder direkt aus Straftaten stammen oder der unmittelbaren Begehung weiterer Straftaten dienten“, erläutern die Ermittlungsbehörden in einer Pressemitteilung. Zudem diente die Plattform als Handelsplatz unter anderem für den Verkauf von Drogen, Hacker-Tools, Botnetzen, Falschgeld, illegal beschaffter Konten- und Kreditkartendaten und vornehmlich Hieb- und Stichwaffen.

Akribische Ermittlungen der Cyber-Polizei aus Brandenburg

Eingebunden wurde auch die länderübergreifende Ermittlungsgruppe des polizeilichen Nordverbundes Cybercrime (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) und das Bundeskriminalamt. In akribischer Kleinarbeit wurde Person um Person identifiziert, die crimenetwork.co für illegale Zwecke verwendeten. Gezielt seien auf der Seite Anleitungen zum Verhalten bei Durchsuchungen, zur Anonymisierung im Internet und Verschlüsselung von Daten veröffentlicht worden.
Dennoch gelang es den Ermittlern offenbar, Täter ertappen, bevor diese wichtige Beweismittel vernichten konnten. Bereits am 28. Mai wurde der damals 26-jährige deutsche Administrator des Forums bei der Einreise nach Deutschland durch Beamte des BKA festgenommen und nach Verkündung des Haftbefehles in eine Justizvollzugsanstalt überführt. Zeitgleich beschlagnahmte das LKA Brandenburg das Forum.
Brandenburger Spezialtruppe seit einem Jahr im Einsatz Internetpolizisten jagen die Cybergangster

Potsdam

Crimenetwork.co ist damit Geschichte. Und den Polizeibehörden ist ein weiterer Schlag gegen die Underground Economy im Internet gelungen. Den Einschätzungen der Ermittler zufolge war die Seite an die Stelle des geschlossenen Forums Crimenetwork.biz getreten, das ebenfalls von Ermittlungsbehörden ausgehoben worden war.