(pk) Die Stadtplaner sehen auf Cottbus in den nächsten Jahrzehnten Segregationstendenzen zukommen. Das klingt hochgestochen, kennt aber jeder. Der Begriff steht dafür, dass sich Menschen aufgrund ihrer Einkommen nur noch Mieten in bestimmten Stadtvierteln leisten können. Platt gesagt: Die Wohlhabenden leben in teuren, geräumigen Wohnungen in der Innenstadt, die Armen in günstigen, kleinen (Plattenbau)-Wohnungen am Stadtrand. Genau dagegen hat das Stadtparlament während seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit zwei Initiativen auf den Weg gebracht, um sozialer Wohnungsbau in Cottbus zu stärken.

Zum einen soll die Stadt auf Antrag des Sozialausschusses ein Konzept zur bedarfsgerechten Wohnraumversorgung erstellen. Zum anderen ergänzt der Antrag der Linken diesen Vorstoß. Demnach soll die Stadt prüfen, inwieweit das Münsteraner Modell in Cottbus Anwendung finden kann. Die Stadt Münster hat 2014 Regelungen geschaffen, dass beim Grundstücksverkauf (für Wohnungsbauzwecke) und bei der Erteilung von Bauge­nehmigungen für Mehrfamilienhäuser (zur Vermietung) immer auch sozialer Wohnraum geschaffen wird.

Für diese Vorstöße gibt es sogar Lob aus den Reihen der CDU. Joachim Käks: „Wir begrüßen das außerordentlich. Beide Anträge ergänzen sich.“ Aus Sicht des Baufachmanns könne bei dem Immobilienbestand der GWC Gebäudewirtschaft Cottbus, der zum Großteil industriell gefertigt ist, „für kleines Geld“ für die Betroffenen das Problem gelöst werden. „Wenn wir dann auch noch aus dem nicht mehr zu bezahlenden Ballungsraum Berlin Zulauf bekommen, dann haben wir genau das Richtige gemacht.“

Eberhard Richter (Linke) sieht vor allem mit Sorge auf die Rentenentwicklung. „Wie wollen wir damit umgehen, wenn künftig gut ein Fünftel der Bevölkerung dieser Stadt unterhalb des Existenzminimus lebt?“, fragt er. „Wir müssen gemeinsam Lösungen finden, die den Menschen ein selbst finanziertes Leben und das Wohnen ermöglicht, das zu den elementaren Grundrechten zählt.“ Das funktioniere nur gemeinsam mit der GWC und sei Aufgabe für die nächsten Jahre.

Im neuen Stadtumbaukonzept wird davor gewarnt, dass bis zum Jahr 2035 die mietpreisgebundenen Wohungen in Cottbus auf Null sinken werden – von 2230 im Jahr 2016. Hinzu kommen eine hohe Nachfrage und steigende Mieten in der Innenstadt, überdurchschnittlicher Leerstand und stagnierende Mieten an den Rändern.