Bernd Poredda ist tot
: Der letzte echte Cottbuser Postkutscher ist gegangen

Viele Jahre war Bernd Poredda als Cottbuser Postkutscher bekannt. Begonnen hatte er als tollkühner Reiter bei den Ompahs. Nun ist das Cottbuser Original gestorben.
Von
Thomas Klatt
Cottbus
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Aus alten Zeiten: Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten. LR/Jürgen Kafka/Retusche: KI

Aus alten Zeiten: Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten.

LR/Jürgen Kafka/Retusche KI
  • Bernd Poredda, der letzte Cottbuser Postkutscher, ist gestorben.
  • Seit den 70er-Jahren war er bekannt für seine Fahrten mit einer historischen Kutsche.
  • Poredda war auch Kunstreiter, Film-Stuntman und Spezialist für Kutschfahrten.
  • Die Figur des Cottbuser Postkutschers hat eine lange Tradition seit dem 19. Jahrhundert.
  • Heute dient die Figur als touristischer Botschafter der Stadt Cottbus.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Manch einer wird sich noch gern erinnern an die Hufschläge mitten in der Altstadt von Cottbus, an das Wiehern der Pferde und an die Kutsche mit ihren knarrenden alten Rädern. Auf dem Kutschbock saß einer, der eine solche Fuhre lenken konnte. Seit den 70er-Jahren war Bernd Poredda der Cottbuser Postkutscher. Vor wenigen Tagen ist er gestorben.

Sein langjähriger Freund Friedrich Winkelgrund erinnert sich: Postkutscher gab es in der jüngeren Geschichte der Stadt schon mehrere. Aber Bernd habe eine Besonderheit mitgebracht, die es heute nicht mehr gebe. Er war der einzige Postkutscher mit einer richtigen Kutsche. Er fuhr für die Stadt Cottbus, kutschierte Frischvermählte durch die Stadt und manch Promi buchte bei ihm Fahrten. Die heutigen Postkutscher, auch oft zu Präsentationsterminen unterwegs, kommen meist zu Fuß. Oftmals waren sie damals auch zu zweit unterwegs – Poredda kutschierte und der Zweite überreichte die Blumen.

Cottbuser Postkutscher - Defa-Film und Traditionen

Friedrich Winkelgrund lernte seinen Freund Bernd in den 70er-Jahren bei den Ompahs kennen. Die Kunstreitertruppe ist bis heute weit über Cottbus hinaus bekannt und beliebt. Noch immer bieten sie als Pferdetheater Shows an.

„Poredda war ein hervorragender Reiter“, erzählt Winkelgrund. Auch beim Defa-Film „Der lange Ritt zur Schule“ ritten Bernd und ein paar Leute von den Ompahs mit. Gojko Mitic erhielt dabei Bernd Poreddas Wallach Iltschi.

Die Familie Poredda stammt nicht aus Cottbus. Vater Günter kam aus Ostpreußen und strandete Anfang der Sechzigerjahre in Cottbus. Er übernahm 1964 das Geschäft des „Alten Knievel“, wie der Chef im Volksmund hieß. Auf Anregung der Stadt Cottbus sollte die Tradition des Postkutschers wieder aufgenommen werden. So stellte man Günter Poredda die letzte alte Postkutsche aus den Beständen der Stadt zur Verfügung. Doch zunächst wurde sie für einen Festumzug nach Karl-Marx-Stadt ausgeliehen.

Cottbuser Postkutscher - Schicksalsschläge und neue Anfänge

Aber das Pech folgte auf dem Fuß oder besser gesagt: auf den Hufen. Bei einem Fahr-Unfall wurde die Kutsche zerstört. Erst Jahre nach dem Mauerfall entdeckte Sohn Bernd Poredda zufällig den Unterbau der verloren geglaubten Postkutsche wieder. Vater Günter hatte schon zu Beginn der Siebzigerjahre eine andere historische Kutsche umbauen lassen. Sie wurde mehr als 40 Jahre zu verschiedenen Anlässen von wechselnden Pferden durch die Straßen gezogen. Bernd war es dann auch, der bald die Kutsche lenkte – unvergessen mit Schnauzbart, Postkutscher-Uniform und den zwei Schimmeln im Gespann.

Bernd Poredda wuchs auf dem Hof in der Schmellwitzer Feldstraße auf, wo er von klein auf lernte, mit Pferden umzugehen. Zu jener Zeit war es üblich, dass 14-Jährige ein Fahrrad oder Jungs auch mal ein Kofferradio zur Jugendweihe erhielten. Nicht so bei den Poreddas. Bernd bekam ein Pferd geschenkt. Das ähnelte stark dem von Joe Cartwright (Little Joe) aus der in Ost und West beliebten Westernserie „Bonanza“.

Pferde und Film - Postkutscher-Legende Bernd Poredda

Mit Iltschi – Winnetous Lieblingspferd trug diesen Namen – wagte er seit 1977 kühne Kunststücke bei der „Ompah-Indianershow“. „Bernd konnte mit den wildesten Pferden umgehen wie kaum ein anderer“, erinnert sich Winkelgrund. Der Schwarz-weiß-Schecke Iltschi wurde auch dank seines kühnen Reiters 1981 zum beliebten Defa-Pferd im Film „Der lange Ritt zur Schule“ zur tierischen Hauptfigur.

Und auch Chef Bernd war immer dabei. In seiner Lehre als Karosseriebauer, von der er auch gelegentlich freigestellt wurde, betreute er das Pferd bei den Dreharbeiten und wurde als Reiter für kleinere Stunts eingesetzt. Bei Film und Fernsehen galt er als Spezialist für Kutschfahrten.

Als Anfang der 90er-Jahre sein Bruder Hans-Peter sein eigenes Speditionsunternehmen gründete, übernahm Bernd das Fuhrgeschäft in der Feldstraße von seinem Vater und konzentrierte sich auf Hochzeitsfahrten, Kremser-Ausflüge und historische Kutschfahrten. Sein Freund Winkelgrund sagt: „Bernd Poredda bleibt mir als ein ehrlicher und zuverlässiger Freund in Erinnerung, bei dem ein Handschlag noch etwas zählte und der sich nicht scheute zu sagen, was er dachte.“

Der Cottbuser Postkutscher - Herkunft und Bedeutung

Die Figur des Cottbuser Postkutschers entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als eine Werbe-Idee auf Ansichtskarten, um die Stadt Cottbus humorvoll bekannt zu machen.

Historischer Hintergrund war die Tatsache, dass Cottbus ab dem 17. Jahrhundert ein wichtiger Postknotenpunkt zwischen Preußen und Sachsen war. Im Gegensatz zu den sächsischen Postillionen (gelbe Jacken) trug der Cottbuser Postkutscher einen blauen Wams.

Heutige Bedeutung: Der Cottbuser Postkutscher fungiert als ein touristischer Botschafter der Stadt, tritt bei Veranstaltungen auf und leitet thematische Stadtführungen. Seine „heimliche Liebe“ ist angeblich die Cottbuser Baumkuchenfrau.

Zungenbrecher. Die Figur des Cottbuser Postkutschers ist untrennbar verbunden mit dem bekannten Zungenbrecher: „Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten.“