Wie eine Schwerverletzte schleppt sich die Odeg-Bahn an diesem Abend in den Bahnhof Cottbus. Aus der Front des Triebwagens ragen zwei große Holzstämme. Sie haben sich seitlich durch die Haut des Fahrzeugs gebohrt – glücklicherweise unterhalb des Führerstandes.
In Höhe des Scheinwerfers und der Kupplung steckt das Holz fest. So erreicht die Regionalbahn RB 46 Montagabend, 6. Juli, gegen 19.30 Uhr Cottbus. Verletzt wird niemand. Der Schaden geht dagegen in die Tausende.

Der Zug nach Cottbus startet pünktlich in Forst

Zu dem Unfall kommt es nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Forst, wo die Bahn pünktlich um 18.33 Uhr startet. Passagierin Steffi Pilz erlebt das Unglück. Sie trägt den Vorfall mit Fassung: „Die Bahn ist kurz hinter Forst in den Baum geknallt. Ob er schon auf den Schienen lag, das weiß ich nicht. Es hat einen Mordsknall gegeben und die Bahn stand.“
Odeg-Sprecherin Dietmute Graf erklärt, dass sich das Unglück zwischen Klinge und Sandow ereignet hat. „Zu dem Zeitpunkt waren zehn Fahrgäste an Bord. Niemand wurde verletzt.“ Die Unfall-Meldung geht demnach beim Odeg-Notfalldienst um 18.48 Uhr ein.
Der Zug bleibt zunächst auf freier Strecke stehen, der Lokführer inspiziert den Schaden und entscheidet sich anschließend bis nach Cottbus weiterzufahren – im Schritttempo. So braucht der angeschlagene Zug 33 Minuten bis zum Bahnhof Cottbus.

DB Netz ist für die Strecken-Sicherung verantwortlich

Die Odeg ist auf der Strecke zwischen Forst und Cottbus mit dem Desiro Classic unterwegs. Das Fahrzeug bietet 124 Sitzplätze, 90 Stehplätze und zehn Fahrradstellplätze. Das Fahrzeug bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.
Nach Auskunft der Odeg-Sprecherin ist für die Sicherheit entlang der Strecke die DB Netz AG zuständig. „Das ist unser Partner, der für die Strecke zuständig ist.“ Solche Unfälle mit herabstürzenden Bäumen seien keine Seltenheit, trotz der Sicherung der Bahntrassen. Eine Böe reiche aus, um schwere Äste auf die Gleise zu wehen. Der Schaden am Fahrzeug sei noch nicht abschätzbar, werde aber mehrere Tausend Euro kosten.

Verunglückter Zug ist bereits in Görlitz zur Reparatur

Der verunglückte Desiro Classic sei bereits in die Instandhaltung nach Görlitz geschleppt worden. Die Reparatur werde mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Die Odeg verfüge jedoch über ausreichend Ersatzfahrzeuge, um die Strecke zwischen Cottbus und Forst weiter zu bedienen. Direkt nach dem Unfall schickt die Odeg Ersatzbusse auf die Strecke.
Steffi Pilz ist froh: „Zum Glück hat es keine Verletzten gegeben und wir konnten mit der kaputten Bahn noch bis Cottbus tuckern.“