Rund 700 Cottbuser werden am 28. Mai früh auf den Beinen sein. Bis spätestens 8 Uhr müssen die Anwohner nördlich des Bahnhofs ihre Wohnungen geräumt haben. Dann wird die Bombe entschärft, die am Dienstag bei Bauarbeiten auf dem Bahnhofsgelände entdeckt wurde.
Mit Handzetteln sind die Anwohner am Mittwoch über die anstehende Evakuierung informiert worden. Betroffen ist ein Sperrbezirk von rund 500 Metern vom Probenzentrum des Staatstheaters bis zur Schillerstraße und Wilhelm-Külz-Straße. Südlich des Bahnhofs wird es hingegen keine Evakuierungen geben.

Bombe in Cottbus: Ausweichquartier mit Corona-Abstand

„Aufgrund einer bevorstehenden Bombenentschärfung in der Güterzufuhrstraße werden Sie aufgefordert, Ihre Wohnung und den ausgewiesenen Sperrbereich bis 8 Uhr zu verlassen“, heißt es in den Handzetteln, die Mitarbeiter der Stadtverwaltung an die betreffenden Haushalte verteilt haben. Den Anweisungen der Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der Polizei und der Feuerwehr sei Folge zu leisten.
Als Ausweichquartier wurde die Turnhalle des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums in der Hallenser Straße 11 eingerichtet. Bewohner der Sperrzone können sich dort einfinden und werden von Helfern versorgt. „Wir haben eine Halle gesucht, die nah genug ist, aber trotzdem groß genug, um die Hygienevorschriften einzuhalten“, bestätigt Stadtsprecherin Laura Koal auf Nachfrage. Bettlägerige oder behinderte Personen, die Hilfe benötigen, können sich an das Lagezentrum unter Telefon 0355 6123456 wenden.

Bombe am Cottbuser Bahnhof: Odeg richtet Ersatzverkehr ein

Auswirkungen für weitaus mehr Cottbuser wird die Sperrung des Bahnhofs haben. Ab 9 Uhr soll das Bahnhofsgebäude dicht gemacht werden. Der Zugverkehr wird ebenfalls unterbrochen. Die Odeg hat einen Schienenersatzverkehr ab 8.34 Uhr eingerichtet. Busse fahren ab dann alle Fahrgäste bis Vetschau. Von dort geht es weiter mit dem RE2 Richtung Berlin.
Die Busse fahren im Stundentakt, mit Halt in Kolkwitz und Kuhnersdorf. Fahrgäste müssen sich auf eine halbe Stunde Fahrtzeit bis Vetschau einstellen. Dort fährt der RE2 dann aber erst eine Stunde später ab. Fahrgäste des RB41 nehmen die gleichen Ersatzbusse.
Betroffen sind ebenso der RB 65 und der RB 46. Hier wird ein Ersatzverkehr mit Halten in Cottbus, Sandow, Neuhausen, Klinge und Forst eingerichtet. Der erste Bus fährt um 8.40 Uhr, die weiteren ab dann stündlich.
Für Fahrgäste Richtung Cottbus gibt es ebenfalls Ersatzverkehr ab Vetschau. Die detaillierten Fahrpläne gibt es auf der Internetseite der Odeg.
Informationen dazu suchte man am Mittwochnachmittag allerdings im Bahnhof vergebens. Lediglich ein Laufband auf der großen Anzeige in der Haupthalle wies auf die Sperrung am Donnerstag hin. „Ein SEV ist eingerichtet.“ Nur wo und wann, dazu fehlten leider die Aushänge.

Bombe in Cottbus: Alter Busbahnhof wird wieder aktiviert

Im Zuge des Schienenersatzverkehrs kommt übrigens ein alter Bekannter wieder ins Spiel. Der frühere Busbahnhof an der Marienstraße wird reaktiviert und dient sowohl als Abfahrort für die Ersatzbusse der Odeg als auch als neuer zentraler Halt für den regionalen Busverkehr. Denn auch die Angebote von Cottbusverkehr werden durch die Bombenentschärfung erheblich durcheinander gebracht.
Denn der neue Busbahnhof liegt im Sperrbezirk und fällt somit als zentraler Knotenpunkt aus. Die Buslinien werden deshalb zum alten Busbahnhof umgeleitet.
Bis um 11 Uhr bleiben die Wilhelm-Külz-Straße und Schillerstraße für die Busse freigegeben, teilt Cottbusverlehr am Mittwochabend mit. Folglich werden bis zu diesem Zeitpunkt die Linien 12, 12-35, 16 und 607 in diesem Bereich ihren gewohnten Linienweg fahren. Die Haltestellen „Ausbesserungswerk“, „Spreewaldbahnhof“ und „Carl-von-Ossietzky-Straße“ dürfen zwischen 08:00 und 11:00 Uhr jedoch nur zum Einstieg genutzt werden. Demzufolge können Anwohner die regulären Fahrten zur Evakuierung aus dem Sperrgebiet nutzen.
Ab 11 Uhr werden die Wilhelm-Külz-Straße und die Schillerstraße auch für den ÖPNV gesperrt. Die Haltestellen „Ausbesserungswerk“, „Spreewaldbahnhof“ und „Carl-von-Ossietzky-Straße“ entfallen ab diesem Zeitpunkt. Die Linien 12, 12-35, 16 und 607 werden dann über die Karl-Liebknecht-Straße geführt.

Geänderte Routen der Cottbuser Straßenbahnen

Ab 09:00 Uhr verkehren die Straßenbahnen der Linie 1 von Schmellwitz Anger zur Lutherstraße. Von dort fahren Sie über die Ersatzhaltestelle „Stadtring/ Hauptbahnhof“ zurück nach Schmellwitz Anger.
Die Linie 2 verkehrt zwischen Sandow und der Wendeschleife Thiemstraße. Die Bahnen werden durch die Stadtpromenade geführt. Fahrgäste, die zur Stadthalle möchten, sollen die Ersatzhaltestellen am Rathaus nutzen. Die Haltestellen „August-Bebel-Straße“, „Stadtmuseum“ und „Hauptbahnhof“ werden nicht bedient. Zusätzlich wird zwischen den Haltestellen „Jessener Straße“ und „Marienstraße“ ein Ersatzverkehr im 30-Minuten-Takt eingerichtet. Dieser wird über die Leipziger Straße geführt und bedient die Haltestelle „Welzower Str./ Klinikum“ ersatzweise für nicht bedienbaren Haltestellen „Vetschauer Str./ Leipziger Str.“ und „Friedrich-List-Str.“.
Die Linie 3 verkehrt planmäßig zwischen Madlow und Ströbitz.
Die Linie 4 fährt wie gewohnt von Sachsendorf nach Neu Schmellwitz und zurück. Die Bahnen werden nicht über den Bahnhofsvorplatz geführt. Ersatzweise halten die Bahnen an der Haltestelle „Stadtring/ Hauptbahnhof“.
Die Kundeninformation am Hauptbahnhof bleibt am Donnerstag bis zur Aufhebung der Sperrung geschlossen. Das Kundenzentrum in der Stadtpromenade hat wie gewohnt geöffnet.

Bombe am Bahnhof: Autoverkehr wird in Cottbus umgeleitet

Auch auf den Straßenverkehr wird die Bombenentschärfung Auswirkungen haben. So wird die Wilhelm-Külz-Straße während der Entschärfungsarbeiten gesperrt werden. Gleiches gilt für den Teil der Vetschauer Straße, der auf der anderen Bahnhofsseite entlang führt. Der Verkehr werde entsprechend umgeleitet, sagt Stadtsprecherin Laura Koal. Größere Auswirkungen erwartet sie allerdings nicht, da die Bahnhofstraße und auch der Stadtring nicht zum Sperrbezirk gehören, der Verkehr somit gut an diesem Bereich vorbei fließen könne.

Cottbus

Sperrbezirk am Cottbuser Bahnhof wird ab 8 Uhr eingerichtet

Auf die Mitarbeiter von Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt wird dennoch einiges an Arbeit zukommen. Ab 8 Uhr sollen sie den Sperrbereich einrichten. Die Grenzen des abgesteckten Bezirks werden dann gesichert. Teams werden von Haus zu Haus gehen, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr dort befindet.
Der Bahnhof selbst soll um 9 Uhr zugemacht werden. Erst wenn in der Sicherheitszentrale am Viehmarkt alle Informationen eingetroffen und der Sperrbezirk sicher ist, können die eigentlichen Arbeiten an der Bombe beginnen. Das Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes wird zur Bombe vorrücken und mit den Entschärfungsarbeiten beginnen. Die Experten werden das Kriegsgerät untersuchen und dann versuchen, den Zünder zu entfernen.

Sprengung der Bombe am Cottbuser Bahnhof ist möglich

„Für den Fall, dass eine Entschärfung nicht möglich ist, wird zusätzlich die Sprengung vor Ort vorbereitet“, teilt die Stadt mit. Wie lange die Arbeiten dauern werden, darüber will am Mittwoch noch niemand eine Prognose abgeben. Die Odeg hat vorsorglich bis in den frühen Nachmittag ihren Ersatzverkehr eingerichtet.
Der Sperrbezirk wird erst nach Abschluss aller Arbeiten freigegeben werden. Die Stadtverwaltung hat vorsorglich bereits alle betroffenen Bürger um Verständnis gebeten.

Cottbus/Forst

Für die Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes sind solche Einsätze in Cottbus nichts neues. Immer wieder mussten sie in den vergangenen Jahren in der Stadt zum Einsatz kommen. Gerade das Gelände rund um den Bahnhof gilt nach wie vor als bombenbelastet. Im Zuge der Umbauarbeiten waren deshalb ausführliche Voruntersuchungen auf dem Gelände gemacht worden.

Bombe am Cottbuser Bahnhof ist 50 Kilo schwer

Die jetzt entdeckte Bombe, die zwischen dem nördlichen Tunnelausgang und dem Großenhainer Bahnhof liegt, wurde dabei nicht entdeckt. Nach Informationen der Stadt handelt es sich um eine 50-Kilo-Bombe mit russischem Zünder.
Brandenburgs Kampfmittelbeseitigungsdienst hat im Jahr 2019 laut Innenministerium 276 Tonnen Kampfmittel gefunden. Darunter befanden sich unter anderem 5000 Brandbomben, 188 Sprengbomben über fünf Kilo und 870 Panzerabwehrraketen und Raketen. In der Lausitz gilt die Stadt Cottbus als ein Schwerpunkt bei den Bombenfunden. In den Jahren 1990 bis 1997 wurden in Cottbus pro Monat bis zu 15 Bomben oder Granaten gefunden.