Auswandern nach Bulgarien
: Uwe Hermes aus Cottbus fand am Schwarzen Meer sein Glück

Uwe Hermes aus Cottbus hat sich von Jugenderinnerungen leiten lassen und ist nach Bulgarien ausgewandert. Wie günstig ist das Leben dort wirklich?
Von
Angelika Brinkop
Cottbus/Aheloy
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Der Auswanderer Uwe Hermes ist in Bulgarien inzwischen richtig angekommen.

Der Auswanderer Uwe Hermes aus Cottbus ist in Bulgarien inzwischen richtig angekommen.

Ida Kretzschmar
  • Uwe Hermes aus Cottbus wanderte nach Bulgarien aus und lebt nun in Aheloy nahe dem Schwarzen Meer.
  • Seine Wohnung in einem ehemaligen Hotelkomplex kostet 250 Euro Miete plus 40 Euro Nebenkosten.
  • Die Lebenshaltungskosten in Bulgarien sind günstiger, lokale Produkte wie Obst sind besonders preiswert.
  • Hermes pflegt Kontakte, lernt Bulgarisch und plant deutsche Traditionen wie ein Oktoberfest in Bulgarien.
  • Bulgarien bietet milde Temperaturen, 2.300 Sonnenstunden im Jahr und eine 380 km lange Schwarzmeerküste.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bulgarien war einst ein Sehnsuchtsziel für DDR-Bürger. Die Alternativen waren rar. Landschaftliche Schönheiten entlang des Rila- und Piringebirges, Sonne, Strand und ein Gefühl von Freiheit an der Schwarzmeerküste zogen nicht nur Urlauber in die Hotelanlagen, sondern auch zahlreiche Studenten an.

Mit einem Zelt, Isomatte und Kocher auf dem Rücken wurde entweder bis nach Bulgarien getrampt oder einige Strecken auf dem Weg durch Tschechien, Ungarn und Rumänien mit dem Zug zurückgelegt. Viel Geld war nicht nötig. Ein paar Tütensuppen im Gepäck, Melonen, Schafskäse und selbst gebrannter Schnaps vom Bauern reichten für einen Erlebnisurlaub der besonderen Art.

Während sich in den Hotels an der Schwarzmeerküste DDR-Bürger meist als Gäste zweiter Klasse fühlten, waren die Tramper aus dem Osten sogar privilegiert: schließlich konnten sie die kyrillische Schrift lesen und einfacher mit den Einheimischen ins Gespräch kommen. Die Herzlichkeit der Begegnungen, die unglaubliche Gastfreundschaft haben sich bei vielen eingeprägt.

Uwe Hermes genießt die leckeren einheimischen Früchte auf seinem Balkon in Aheloy.

Uwe Hermes genießt die leckeren einheimischen Früchte auf seinem Balkon in Aheloy (Bulgarien).

Ida Kretzschmar

Auch Uwe Hermes aus Cottbus trägt diese Erinnerungen in seinem Herzen. Im Jahr 1978 machte er sich mit seiner damaligen Freundin zum ersten Mal auf eine abenteuerliche Reise bis nach Primorsko am Schwarzen Meer. Bis Budapest ging es preiswert mit dem Zug, der Rest wurde per Anhalter zurückgelegt. Freundschaftliche Begegnungen mit Einheimischen und Gleichgesinnten machten den Urlaub zu einem unvergesslichen Erlebnis. „Die Gastfreundschaft war einfach Wahnsinn. Das habe ich nie vergessen“, erzählt Uwe Hermes.

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Auswandern nach Bulgarien – Leben an der Schwarzmeerküste

Reisen und vor allem die Begegnung mit anderen Menschen waren Uwe Hermes immer wichtig. Als mit der deutschen Wiedervereinigung das uneingeschränkte Reisen möglich wurde, eröffnete er im März 1990 das erste private Reisebüro in Cottbus an der Wilhelm-Külz-Straße. In Kooperation mit der damaligen Fluglinie Berline hat er mit Bussen Reiselustige aus Cottbus zum Flughafen gebracht und so ganze Flieger in Richtung Varna mit Lausitzern gefüllt.

„Ich habe den Beruf geliebt. Das Organisieren, den Kontakt zu vielen Menschen – das war genau mein Ding“, schwärmt er. Das Reisebüro hat er längst abgegeben, aber auch mit inzwischen 77 Jahren kann er es immer noch nicht ganz lassen. So organisiert er schon seit 1993 jährlich für eine Gruppe von etwa 50 Frauen eine Wochenendreise nach Harrachov, Breslau oder Bad Flinsberg. Nicht so weit, nicht so teuer, dafür mit garantiertem Spaßfaktor für alle.

Ruhestand in Bulgarien – günstig wohnen am Schwarzen Meer

Mit dem Genießen des Ruhestandes ist das eine andere Sache. Mit seiner Rente kann Uwe Hermes keine großen Sprünge machen, zumal alles teurer wird. So reifte schließlich der Gedanke, auszuwandern. Doch wo kann man im Alter gut leben? Einige Ideen wälze Uwe Hermes und verwarf sie auch bald wieder.

Der Cottbuser Uwe Hermes im Hafen von Nessebar

Der Cottbuser Uwe Hermes im Hafen von Nessebar.

Ida Kretzschmar

Portugal war im Gespräch, oder auch Spanien. Dann erinnerte sich Uwe Hermes wieder an die Bulgarien-Urlaube und das Lebensgefühl der Menschen dort. So fing er an zu recherchieren, nahm über eine Auswanderer-Website Kontakt mit einem Makler auf und hat vor einem Jahr seinen Traum von einem neuen Leben verwirklicht. Seine neue Wohnung in Aheloy liegt nur 350 Meter entfernt vom Strand am Schwarzen Meer. Bis zur nächstgrößeren Stadt Nessebar sind es gerade einmal fünf Kilometer.

Uwe Hermes hat sich sofort verliebt in die Wohnung, die sich in einem ehemaligen Hotel-Komplex befindet. Die Anlage bietet unter anderem drei große Pools und eine Fitnessanlage. „Ich fühle mich wie im Dauer-Urlaub, muss mich um nichts kümmern“, erzählt er begeistert. Beinahe täglich kommen neue Auswanderer in der Anlage an, die ihre Zukunft in Bulgarien sehen. Schon beim ersten Besuch ist der Cottbuser mit dem Vorsatz nach Bulgarien gefahren, sein Herz sprechen zu lassen – und das hat sofort ja gesagt.

Auswanderer in Bulgarien – neue Freunde und günstiges Leben

Uwe Hermes ist mit dem festen Vorsatz in das Balkanland gezogen, hier heimisch zu werden. Darum arbeitet er auch an seinen Sprachkenntnissen. „Zum Glück kann ich die kyrillische Schrift lesen, das hat schon viele Vorteile. Und das Bulgarisch ist dem Russischen sehr ähnlich. Damit kennen sich die meisten Wessis nicht aus“, sagt er schmunzelnd. Mittlerweile hat Uwe Hermes in seiner Wahlheimat auch neue Freunde gefunden.

Die Lebenshaltungskosten in Bulgarien sind deutlich günstiger als in Deutschland. Für seine 69 Quadratmeter große Wohnung mit Balkon zahlt Uwe Hermes 250 Euro Miete. Dazu kommen noch knapp 40 Euro Nebenkosten. Am stärksten schlagen die Lebensmittelpreise zu Buche, die ähnlich hoch sind wie in Deutschland. Dafür sind lokale Produkte wie leckere Wassermelonen, saftige Pfirsiche oder sonnenverwöhnte Tomaten super günstig.

Schon jetzt verspürt der Auswanderer in Bulgarien Heimatgefühle. Dabei brauchte es schon etwas Mut, das alte Leben hinter sich zu lassen. „Ich habe einen Pkw mit Anhänger mit meinen Sachen vollgepackt und bin losgefahren. Die Möbel habe ich alle hiergelassen. Ich habe nie an materiellen Dingen gehangen, ich will nur leben“, sagt er.

Bulgarien erleben – deutsche Traditionen am Schwarzen Meer

Uwe Hermes freut sich auch, wenn er ab und an wieder ein paar Tage in Deutschland ist. Die Zeit in der alten Heimat nutzt er auch für Arztbesuche. „Ich habe zwar Vertrauen in die bulgarische Medizin, aber meine Sprachkenntnisse reichen noch nicht aus, um zu erklären, was mir fehlt“, erzählt er.

Uwe Hermes kommt gern ab und an wieder nach Cottbus.

Uwe Hermes kommt gern ab und an wieder nach Cottbus.

Angelika Brinkop

Ein paar verrückte Ideen hat der 77-Jährige noch für seine neue Heimat. „Ich wollte unbedingt etwas Deutsches mit nach Bulgarien bringen.“ Da entstand die Idee, ein Oktoberfest zu planen.  Seinen Vermieter hat er dabei mit ins Boot geholt. Bierzeltgarnituren und ein Festzelt hat er günstig bei Ebay gekauft und schon im Frühjahr ein kleines deutsch-bulgarisches Fest veranstaltet. Die Idee mit dem Oktoberfest geht in diesem Jahr nicht auf, ein paar Deutsche, die mitmachen wollten, sind wieder zurückgefahren nach Deutschland. Aber es gibt schon wieder neue Ideen, schließlich kann man im Zelt auch die Fußball-WM gemeinsam feiern.

„Ich lebe jetzt einfach fantastisch. Bulgarien ist so ein wunderschönes, interessantes Land. Am meisten begeistert mich aber die Mentalität der Menschen. Leben und feiern ist den Bulgaren wichtiger als Besitz und Perfektion“, schwärmt er.

Lebenshaltung und Rente – günstige leben in Bulgarien

Die Lebenshaltungskosten sind in Bulgarien im Verhältnis zur Kaufkraft am niedrigsten im Vergleich mit allen anderen Staaten der Europäischen Union. Im Jahr 2024 wanderten offiziell 1.240 Deutsche nach Bulgarien aus, 445 von ihnen kehrten aber auch wieder zurück.

Deutsche Rentenzahlungen können ohne Kürzung nach Bulgarien überwiesen werden, da Bulgarien EU-Mitgliedsland ist. Das Klima an der bulgarischen Schwarzmeerküste ist mild, mit mediterranen Einflüssen. Im Durchschnitt werden in Bulgarien etwa 2300 Sonnenstunden pro Jahr gezählt, das sind etwa doppelt so viele wie in Deutschland.