Acht Schallplattenhüllen lehnen an der Rückwand der Glasvitrine im ersten Stock des Brandenburgischen Apothekenmuseums. Darauf prangen die Titel „Sinfonie Nr. 5“, „Sinfonie Nr. 9“, „Fidelio“ und „Frühlingssonate“. Einen Namen tragen sie alle: Ludwig van Beethoven. Die Platten stammen aus der persönlichen Sammlung der Museumsleiterin Annette Schiffner.

Viele körperliche Beschwerden begleiteten Beethoven

Seit ihrer frühen Jugend hört sie Beethoven. Und so wird dem Komponisten in seinem Jubiläumsjahr auch im Apothekenmuseum eine Ausstellung gewidmet. Passend: mit seiner Krankengeschichte. Die Musik des weltberühmten Komponisten sei natürlich trotzdem präsent: „Zu Beginn unserer Führung spielen wir Für Elise“, sagt Annette Schiffner. Die Experten hier gehen auch den Ursachen seiner Leiden nach.

Beethoven hat Zeit seines Lebens mit vielen körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Darunter ist sein Gehörleiden wohl das bekannteste. Mit Ende zwanzig setzen bei ihm die ersten Symptome ein. Der schleichende Verlust des Gehörs, der letztlich zur Taubheit führt, hängt wie ein Damoklesschwert über dem Komponisten und begnadeten Pianisten.

Um seine Hörfähigkeit auf mechanischem Wege zu verbessern, lässt Beethoven 1813 Hörrohre anfertigen. Sie erzielen jedoch nicht den erhofften Effekt. Sein Gehör verschlechtert sich derart, dass Beethovens Gesprächspartner dazu übergehen, mittels Konversationsheften mit ihm zu kommunizieren. Einen Großteil seiner Schaffensperiode komponiert er schwerhörig. Viele seiner Hauptwerke, etwa die neun Sinfonien, entstehen unter Verlust seines Gehörs.

Beethoven trank viel Wein

Doch nicht nur das Gehörleiden belastet ihn. „Nach jetzigem Kenntnisstand litt Beethoven unter anderem an Leberzirrhose, Gelbsucht, Darmkoliken, Entzündungen, einem Nagelgeschwür“, sagt Annette Schiffner.

„Beethoven trank außerdem viel Wein. Heutzutage würden Ärzte eine Alkoholkrankheit diagnostizieren“, stellt sie fest. Beethoven sei jedoch kein Trunkenbold gewesen. Bekannte hätten ihn beschwingt, aber nie betrunken gesehen. Vom Wein will Beethoven trotz seiner Beschwerden nicht lassen. „Ärzte, die ihm empfahlen, weniger zu trinken, entließ er“, sagt Annette Schiffner.

Zu Behandlungszwecken reist der Komponist viel herum, sucht Ärzte und Kurorte auf wie das böhmische Teplitz, wo er 1812 auch Goethe begegnet. 1826 zieht er sich auf dem Rückweg von einem Erholungsaufenthalt im niederösterreichischen Gneixendorf eine Lungenentzündung zu, deren Folgen er ein halbes Jahr später erliegen sollte.

Beethoven litt unter einer schweren Bleivergiftung

Doch was war die Ursache für Beethovens Beschwerden? „Nach aktuellem Forschungsstand litt er unter einer schweren Bleivergiftung“, erklärt Annette Schiffner, „Sein gesamtes Krankheitsbild lässt sich darauf zurückführen.“ Bleizucker wurde etwa zum Süßen von Wein benutzt oder als Bleiweißsalbe auf die Haut aufgetragen. „Blei kam in vielen Alltagsgegenständen vor. Durch häufigen Gebrauch gelangte es in den Organismus und sammelte sich über Jahre im Körper an“, erläutert die Museumsleiterin.

Dass Beethoven wohl an einer Bleivergiftung gelitten hat, ist auch wissenschaftlich fundiert. Analysen eines Schädelfragments und einer Locke des Komponisten haben einen Bleiwert ergeben, wie er nur bei schwerkranken Menschen vorkommt.

Ludwig van Beethoven sollte sein großes Vorbild Mozart trotz schwerer Krankheit um 36 Jahre überleben. 1826, im Alter von 55 Jahren, erliegt er in Wien den Folgen einer Lungenentzündung. Diese zieht er sich auf dem Rückweg von einem Erholungsaufenthalt zu.
Ludwig van Beethoven sollte sein großes Vorbild Mozart trotz schwerer Krankheit um 36 Jahre überleben. 1826, im Alter von 55 Jahren, erliegt er in Wien den Folgen einer Lungenentzündung. Diese zieht er sich auf dem Rückweg von einem Erholungsaufenthalt zu.
© Foto: Beethoven Jubiläums GmbH

Beethovens Leiden sind gut dokumentiert

Auch die in vielen Zeugnissen überlieferte Krankengeschichte des Komponisten stützt die Diagnose. Das Heiligenstädter Testament ist wohl das bekannteste unter ihnen. Beethoven verfasst es 1802 im Glauben, bald zu sterben. Er beklagt in dem Dokument, wie sehr ihn seine Krankheiten, insbesondere das Gehörleiden, belasten würden. Er verwahrt sich auch gegen Vorwürfe, ein Einzelgänger und Menschenfeind zu sein. Allein seine Leiden sind es, die ihn in die Isolation zwängen. Ihn selbst quäle es, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sein.

Mehr als zehn Jahre später sollte Goethe sich ähnlich zu Beethoven äußern. Er bedauert die Schwerhörigkeit des Komponisten. Doch scheine sie sich weniger nachteilig auf seine Musikalität auszuwirken, als vielmehr auf seine Geselligkeit. Der Dichter attestiert Beethoven eine „ungebändigte Persönlichkeit“. Er sei ein Mensch, der die Welt verabscheue.

Musikalisches Genie trotz Schwerhörigkeit

Ludwig van Beethovens Kompositionen gehören zu den bedeutendsten und bekanntesten Werken der Musikgeschichte: sei es die Schicksalssinfonie, der zweite Satz der Siebenten, das Klavierstück Für Elise oder das melancholische Adagio der Mondscheinsonate. Seine Kompositionen sind auch nach mehr als zwei Jahrhunderten so allgegenwärtig wie wenige Werke der klassischen Musik es sind. Seine neun Sinfonien gehören zu den beliebtesten und meistgespielten Sinfonien überhaupt.

„Beethoven hat taub und schwerkrank Musikstücke für die Ewigkeit geschrieben. Jeder andere hätte das Komponieren in solch einem Zustand aufgegeben“, sagt Annette Schiffner. Beethoven hingegen hat die Arbeit an seiner Musik aufgerichtet.

Infos zu den Sonderausstellungen im Apothekenmuseum


In der Beethovenausstellung spielt auch die historische Nutzung von Arsen eine wichtige Rolle. Als Mordgift ist es berühmt geworden. Arsen ist in Verbindung mit Kupfer aber auch zur Herstellung eines leuchtend-grünen Farbpigments eingesetzt worden. Im 19. Jahrhundert entwickelt sich das sogenannte Schweinfurter Grün oder auch Pariser Grün zur Modefarbe. So sind etwa Tapeten oder Stoffe dieses Farbtons arsenhaltig gewesen. Auch als Lebensmittelfarbe für Bonbons oder Kuchen wird das Kupfer-Arsengemisch benutzt oder zur Desinfektion von Weinfässern. Künstler malen in dem Farbton. Die Menschen der damaligen Zeit sind dem Produkt also auf vielfältige Weise ausgesetzt. Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Geschwülste sind überliefert. Bis 1844 ein Merseburger Arzt die Giftigkeit der industriell hergestellten Substanz nachweist. 1882 wird das arsenhaltige Grün verboten.

Eine weitere Sonderausstellung im Brandenburgischen Apothekenmuseum widmet sich der Geschichte der Arzneizubereitung und zeichnet die Entwicklung vom ersten, auf eine ägyptische Papyrusrolle geschriebenen Rezeptes nach, der Entstehung der Pharmazie bis hin zur Entwicklung des modernen Apothekenwesens.

Führungen zu den Sonderaustellungen werden angeboten. Es wird um telefonische Anmeldung gebeten.

Kontakt: 0355/23997