Von René Wappler

Sechs Jahre hat sich ein Prozess um einen Drogenhändler in Cottbus hingezogen, weil dem Amtsgericht das nötige Personal fehlte. In der Zwischenzeit gab der Angeklagte ein Geständnis ab, er löste sich nach eigenen Angaben aus der Szene, und er fand einen festen Arbeitsplatz. Das alles fließt nun zu seinen Gunsten in das Urteil ein.

Der 37-jährige Torsten R. hört aufmerksam zu, als der Staatsanwalt im Gerichtssaal die Anklagen verliest. Mehr als 50 Fälle von unerlaubtem Handel mit Betäubungsmitteln legt die Justiz dem Beschuldigten zur Last. Drogen wie Crystal Meth habe er in seiner Wohnung verkauft, manchmal zwei Mal in der Woche, und illegale Waffen besessen, zu denen ein Wurfstern und ein Faustmesser zählten. Der Zeitraum der Delikte reichte von den Jahren 2012 bis 2014.

Richter Peter Merz erklärt sarkastisch: „Das sind brandaktuelle Verfahren, wie man sieht.“

Der Angeklagte gesteht die Delikte

Auch der Rechtsanwalt des Angeklagten, Christian Nordhausen, bezieht sich auf die lange Dauer des Prozesses. So erinnere sich sein Mandant nicht mehr an gewisse Details. Dennoch lege er ein Geständnis ab. So habe Torsten R. damals Drogen selbst konsumiert und verkauft. „Den Erlös brauchte er, um sich Betäubungsmittel kaufen zu können“, erklärt der Rechtsanwalt. Auch den Besitz der Waffen räume er ein.

Der Richter wendet sich an den Angeklagten. „Sie sind berufstätig?“

Zunächst antwortet der Anwalt für seinen Mandanten. Dieser arbeite inzwischen als Veranstaltungstechniker, 40 Stunden in der Woche, verdiene damit 1100 Euro im Monat und habe noch Schulden von 5000 Euro abzutragen. „Der Mist, den er damals verbockt hat, ist passé.“

Der Angeklagte ergänzt: „Irgendwann, wenn der Hammer kommt, merkt man, mit welchen Leuten man sich umgibt, und wie die miteinander umgehen.“ Daraus habe er gelernt.

Staatsanwalt hält Plädoyer

Das berücksichtigt auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er führt für Torsten R. ins Feld, dass er ein Geständnis abgelegt und somit eine noch längere Verfahrensdauer verhindert habe. Die positive Entwicklung des Angeklagten in den vergangenen Jahren sei ebenfalls zu berücksichtigen. „Nach so langer Zeit ist davon auszugehen, dass er sich wirklich von seinem Drogenkonsum und aus der Szene gelöst hat“, sagt der Staatsanwalt. So plädiert er für eine Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, zur Bewährung ausgesetzt, die wiederum drei Jahre umfassen soll.

Rechtsanwalt Christian Nordhausen hält wiederum eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten mit einer zweijährigen Bewährungszeit für „ausreichend und angemessen“.

Für 30 Minuten zieht sich Richter Peter Merz zurück, um dann wieder im Gerichtssaal zu erscheinen und das Urteil zu verkünden. Eine Bewährungszeit von zwei Jahren und sechs Monaten verkündet er. Falls der Angeklagte in dieser Frist scheitert, beträgt die Freiheitsstrafe ein Jahr und acht Monate. So oder so muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Richter begründet Urteil

Der Richter begründet sein Urteil: „Er war damals in schlechte Gesellschaft geraten, verabschiedete sich offensichtlich wieder davon und hat sich geständig eingelassen.“ Zur überlangen Verfahrensdauer erläutert Peter Merz: Das Gericht sei seit langer Zeit personell schlecht ausgestattet, weshalb einige Termine angesetzt und wieder verlegt wurden. „Wir schieben eine Bugwelle von Verfahren vor uns her“, sagt der Richter.

Rechtsanwalt Christian Nordhausen und sein Mandant zeigen sich mit dem Urteil einverstanden. Sie wollen nach eigenem Bekunden keine Rechtsmittel dagegen einlegen.