Apotheken auch in Cottbus zu: Protest-Tag steht bevor – hier gibt es im Nofall Medikamente

Geschlossen: Am Mittwoch (14. Juni 2023) reisen Apotheker aus ganz Deutschland – auch aus Cottbus – nach Berlin, um auf Missstände in ihrer Branche aufmerksam zu machen. Gerade in Brandenburg ist die Lage schwierig.
Markus SontheimerAm Mittwoch (14. Juni) schließen viele Apotheken. Auch in Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis. Der Deutsche Apothekerverband hat bundesweit zum Protest aufgerufen. Unter anderem gegen das geplante Lieferengpass-Gesetz. Die Ampel-Koalition will damit die Arzneimittelversorgung stabilisieren. Die Apotheker sagen, damit verbessere sich weder die Versorgung der Patienten noch die Lage der Apotheken.
„Die Politik schenkt uns kein Gehör“, sagt Mandy Visosky, Geschäftsführerin der Passagen-Apotheke und der Apotheke im Cottbus-Center. Beide Apotheken machen dicht. Denn selbstverständlich, sagt sie, fahre sie zu der Demo nach Berlin.
Im Land Brandenburg selbst wird es zu keiner Kundgebung kommen, trotz reger Teilnahme der Apotheken. Bei vielleicht 100 Leuten lache sich der Gesundheitsminister höchstens eins, vermutet Visosky. Für ein großes Aufgebot reiche es in der Lausitz nicht. Denn im ländlichen Raum gibt es immer weniger Apotheken. Einer der Gründe sei eine verpasste Chance in der Region.
Gründe für das Sterben der Apotheken in Brandenburg
Im Jahr 2022 sind zwölf Apotheken in Brandenburg geschlossen worden, nur zwei wurden eröffnet. Das sagt Jens Dobbert, Präsident der Apothekenkammer Brandenburg und Apotheker in Forst (Lausitz). In diesem Jahr werde es schlimmer, sagt Dobbert voraus. Im ersten Quartal 2023 seien schon fünf geschlossen worden.
Die Branche befinde sich wegen bundesweiter Probleme bereits in einer Schieflage: durch unzeitgemäße Honorare für Apotheken, die fehlende staatliche Vergütung von Mehraufwand und ein zu enges Bürokratie-Korsett. Der Protesttag stehe im Zeichen dieser drei Vorwürfe an die Politik.
Die Apotheker in der Lausitz beklagen zudem: In Brandenburg gibt es keine Ausbildungsstätten für Pharmazeuten und nur eine für Assistenten. Nachwuchs wird händeringend gesucht. „Dass an der BTU kein Pharmazie-Studiengang eingeführt wurde, ist eine große verpasste Chance“, sagt Dobbert. Das Wirtschaftsministerium in Potsdam habe diesen Studiengang in Senftenberg verworfen. Lediglich in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) gibt es eine Schule für pharmazeutisch-technische Assistenten.
Auch für die Cottbuser Apothekerin Mandy Visosky ist es eine große Herausforderung, noch Mitarbeitende zu finden. Nur selten ziehe jemand der Liebe wegen her. „Das ist dann unser Goldstaub“, sagt sie. Die Bürokratie sei auch dabei hinderlich. Häufig würden die Abschlüsse ausländischer Fachkräfte nicht anerkannt, außerdem dauere der Prozess noch sehr lange. Im Stadtgebiet, so die Cottbuserin, gehe es ja noch. Im ländlichen Bereich sei die Lage verheerender.
Ansonsten biete sie viele Schülerpraktika an, um früh junge Leute ins Boot zu holen, die in der Region bleiben.
Darauf müssen sich Kunden zum Apotheken-Protest einstellen
Zwar bleiben Medikamente auch am Protest-Tag über Notfallapotheken erhältlich. Die Bewohner aus der ländlichen Lausitz sollten allerdings Fahrtzeit für die Abholung einplanen. In einem Umkreis von 50 Kilometern um Cottbus haben am Mittwoch nur zehn Notfallapotheken geöffnet.
Notfall-Apotheken im Umkreis von 50 Kilometer um Cottbus
• Cottbus: Pluspunkt-Apotheke in der Sprem
• Forst: Rosen-Apotheke
• Guben: Alexander-Tschirch-Apotheke
• Weißwasser: Flamingo-Apotheke
• Hoyerswerda: Apotheke am Jahnstadion
• Senftenberg: Apotheke am See
• Lübben: Sertürner-Apotheke
• Lohsa: Park-Apotheke
• Beeskow: Spree-Apotheke
• Lauchhammer: West-Apotheke
Die Kunden in Cottbus zeigen Verständnis, sagt Mandy Visosky. Sie wünschten viel Glück für den Protest in Berlin und hofften selbst auf gute Ergebnisse. Denn die Forderungen der Apotheken seien auch für die Menschen wichtig, die auf die Dienste angewiesen seien.
