Alexander Knappe trauert: Sänger verliert seinen geliebten Opa – was er ihm noch gern gesagt hätte

Der Cottbuser Sänger Alexander Knappe (38) trauert um seinen Großvater. Fritz Knappe ist am 20. März 2023 nach einem Herzinfarkt verstorben. Die Aufnahme von Opa und Enkel stammt aus dem Jahr 2019.
Tino SchulzAlexander Knappe ist mittendrin im Promotion-Trubel für das „Liebe kennt keine Liga Festival 2023“. Scheinbar wie gewohnt wirbelt er von einem Termin zum nächsten, spricht, überzeugt und begeistert potenzielle Sponsoren und Partner für die geplanten Veranstaltungen im Sommer.
Was ins Auge fällt: Knappe trägt einen tiefschwarzen Hoodie, die Kapuze weit ins Gesicht gezogen, dazu eine schwarze Hose. Wer ihn kennt, weiß, dass der Sänger für gewöhnlich jederzeit fröhlich Farbe bekennt, auch, was seine Outfits geht: bunt, lebendig, immer ein bisschen ausgeflippt. Das passt zu ihm, zu seinem quicklebendigen, vor Energie und Tatendrang nur so strotzenden Wesen. Zusammen mit seinem typischen, verschmitzten und auch unwiderstehlichen Lächeln.
Der 38-Jährige wirkt gefasst, als er berichtet: „Mein Opa wurde nach einem Herzinfarkt ins Carl-Thiem-Klinikum eingeliefert. Er und mein Papa haben noch gemeinsam das Spiel Energie gegen Lok Leipzig angeschaut“. Einen zweiten Herzinfarkt am Montagmorgen (20. März 2023) überlebt der Großvater nicht. Fritz Knappe stirbt im Alter von 85 Jahren.
Verabschieden konnte sich Alex nicht mehr von ihm. Was er Opa gern noch gesagt hätte? „Dass er unheimlich stolz sein kann auf das, was er für uns, seine Familie, und mich, seinen Enkel, getan hat“.

„Das Leben ist nicht grau, wir sind nur farbenblind“ – diese weisen Worte kennt Alex Knappe von seinem Opa. Und sie haben ihn zu einem seiner stärksten Songs inspiriert.
Alexander KnappeSo bleibt Fritz Knappe in Cottbus in Erinnerung
Fritz Knappe, kam am 31. Januar 1938 in Schlesien zur Welt, die Familie flüchtete bei Kriegsende nach Dresden. Der Bombardierung der Stadt im Februar entkam er nur knapp mit einem der letzten Züge gen Norden: „Mein Opa hat mir erzählt, dass er die ersten Einschläge noch im Wegfahren sehen konnte, und wie die Flammen aus den Häusern hochschlugen“.
Viele Cottbuser kannten Fritz Knappe in seiner Funktion als stellvertretender Leiter des einstigen Textilkombinates Cottbus (TKC), vom Fußball und als SED-Funktionär. Wenn etwas für Fritz Knappe charakteristisch sei, dann der unbedingte Wille, die Energie und die Kraft, Dinge anzuschieben und umzusetzen. Das habe ihn, den Enkel, immer beeindruckt und auch nachhaltig geprägt.
Alex Knappe schießen viele Momentaufnahmen durch den Kopf: Sei es der erste gemeinsame Besuch im Stadion („Noch zu Ostzeiten, da war ich vielleicht gerade mal vier Jahre alt“), und dass der Opa an Heiligabend immer den Weihnachtsmann spielte. Ziemlich gut sogar, soweit sich Alex erinnert, aber: „Erkannt habe ich ihn trotzdem.“ Da war Enkelsohn Alex zarte fünf oder sechs.
So geht Sänger Alexander Knappe mit dem Verlust um
Ein Lächeln zuckt über Knappes Lippen, wenn er an die kleinen, liebenswerten Schwächen seines Großvaters denkt, und sich selbst in der einen oder anderen heute wiedererkennt: „Mein Opa liebte guten Kaffee. Und wenn es mal keinen Kaffee gab oder für seinen Geschmack zu dünn gekochten, dann konnte er sich wunderbar daran hochziehen. Ach, und wenn Energie verloren hatte, was hat er da geflucht ...“
Alexander Knappe hält kurz inne, seine braunen Augen leuchten jetzt nicht mehr ganz so hell, wie sonst. Er schüttelt etwas ungläubig den Kopf, streicht sich durchs Haar, ungewöhnlich lange bleibt er still: „Es gehört zum Leben dazu, dass Dinge zu Ende gehen, und man muss lernen, damit umzugehen“.
Der Fall der Mauer und das Ende der DDR waren tiefe Einschnitte in der Biografie seines Opas, schätzt Knappe ein. Aber: „Egal, wie das Leben auch spielte, hat er in jeder Situation die Herausforderungen angenommen, die damit verbunden waren. Von einem Fußballspieler auf dem Platz würde man nach dem Spiel sagen, er sei über die kompletten 90 Minuten hinweg anspielbar gewesen. Und das war er, mein Opa, absolut.“

Sein Opa ist ein großes Vorbild für Alexander Knappe. Dafür, dass er die Hochzeit seines Enkels im Juni 2022 miterleben konnte, war der damals 84-jährige Großvater sehr dankbar.
Tino SchulzDas bleibt: Knappes Song „Farbenblind“ vom Opa inspiriert
Sein Großvater ist für Alexander Knappe zeitlebens eine unglaublich inspirierende Kraft gewesen. Vor 15 Jahren hatte Fritz Knappe einen schweren Schlaganfall erlitten: „Diese Szene habe ich oft vor Augen. Opa hatte mich zum Bahnhof gebracht. Und genau in dem Moment, als der Zug anfuhr, ist es passiert“.
Dass er die Hochzeit seines Enkels im Sommer 2022 miterleben konnte, habe dem Großvater sehr viel bedeutet.
„Du und ich, hey, wir sind für immer, wirf‘ die Arme in den Wind, schau wie groß wir dann sind. Das Leben ist nicht grau, wir sind nur farbenblind“, heißt es in Knappes Song „Farbenblind“. Den letzten Satz im Refrain kenne er seit frühster Jugend, sagt der 38-Jährige. Gesagt hat ihn, natürlich: der Opa.
Rückschläge habe sein Großvater einstecken können, nie aufgegeben und sich immer zurückgekämpft: „Gerade in den letzten Jahren sagte er mir oft, dass er selbst entscheide, wann er gehe, und nicht das Schicksal“. Das spende ihm heute Trost, meint Knappe: „Weil ich fest daran glaube, dass er auch das geschafft hat“.
Die feierliche Beisetzung findet am 5. April um 14 Uhr auf dem Cottbuser Nordfriedhof statt: „Wer kommen mag, sich von Opa zu verabschieden, soll bitte kommen“, sagt Alexander Knappe und fügt hinzu: „Ich denke, das ist in seinem Sinne, das wäre auch sein Wunsch“.
