Die vierte Milchtankstelle hat die Agrargenossenschaft Drebkau in diesem Monat in Betrieb genommen, im Kaufland in Senftenberg. Angefangen haben die Drebkauer mit der Milch aus dem Automaten im September 2018. „Im Bauernhofladen des Landwirtschaftsbetriebes Ressen-Lindchen haben wir damals den ersten Frischmilchautomaten in Betrieb genommen, wenige Tage später den zweiten in Meier’s Markt in Klein Gaglow“, erzählt Dagmar Schenke, Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Drebkau eG. Seitdem schaut bei ihr täglich mindestens einmal am Tag eine schwarzbunte Milchkuh durchs Bürofenster, von einem bunt gestalteten Lkw herab. Dann ist der nach einer Idee von ihr und der Cottbuser Werbeberaterfirma „werkzwei“ gestaltete Milch-Lkw da, um leergezapfte Tanks zur Reinigung abzuladen und frisch gefüllte wieder mitzunehmen zur Direktvermarktung vor der Haustür. „Frischer geht’s nicht, das kommt gut an“, sagt Dagmar Schenke.

In Hofläden und in Kaufland-Filialen

Durchschnittlich 250 Liter Frischmilch verkauft die Agrargenossenschaft Drebkau auf diesem Weg täglich direkt an private Kunden in den Landkreisen Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz. Neben den Hofläden in Ressen-Lindchen und Groß Gaglow haben auch die Kaufland-Einkaufscenter in Spremberg und in Senftenberg an der mobilen Drebkauer Milchtankstelle angedockt. Für 1,30 Euro pro Liter können Kunden hier pasteurisierte Frischmilch mit einem Fettgehalt von mindestens 3,7 Prozent selber zapfen. Pasteurisiert heißt, die Milch wurde nach dem Melken kurzzeitig, für 15 bis 20 Sekunden, auf 72 bis 75 Grad Celsius erhitzt. So darf sie dann an Frischmilchautomaten verkauft werden.

Große Politik schlägt auf örtliche Betriebe durch

Die Direktvermarktung ist nach Aussage von Verbänden für Agrarbetriebe ein immer wichtiger werdender Baustein, um die wirtschaftliche Balance zu erreichen und zu halten. Nicht nur wegen der zunehmenden Wetterextreme, die immer wieder zu Ernteausfällen führen. Auch internationale Politik, Strafzölle oder Handelsabkommen wie der Rindfleischdeal zwischen den USA und der Europäischen Union schlagen sich bis in die Bilanz örtlicher Landwirtschaftsbetriebe im Süden Brandenburgs durch.

Der Landwirt muss am Ende immer der flexibelste sein

Am flexibelsten muss am Ende immer der Landwirt sein oder wie Dagmar Schenke sagt: „Ein Landwirtschaftsbetrieb muss sich heutzutage vielseitiger aufstellen.“ Ob Milchpreis, Getreidepreise oder Fleischpreise, selten sind sie auskömmlich und noch seltener eine dauerhaft fest kalkulierbare Größe. „Den Milchpreis bestimmen nicht wir, den legt der Abnehmer fest, jeden Monat neu. Aktuell deckt er die Ausgaben nicht. Wenn wir die Milch selber verkaufen, können wir einen höheren Preis erzielen als bei der Molkerei.“

Stolz auf Drebkau und eigene frische Erzeugnisse

Rund 4000 Liter Milch liefern die Kühe der Agrargenossenschaft Drebkau täglich. Abnehmer ist die Molkerei in Leppersdorf. Nur ein Bruchteil gelangt dank der Milchtankstellen direkt zum Verbraucher - mit eindeutigem Herkunftsausweis im Namenszug „Drebkauer Frischmilch“ und unter dem Logo der Agrargenossenschaft Drebkau. „Wir wollen Appetit machen auf unsere Region und Drebkau in aller Munde bringen“, sagt Dagmar Schenke. Sie will nicht ausschließen, dass die Agrargenossenschaft eines Tages auch selber Käse produziert. Die Agrargenossenschaft ist für ihre innovativen Ideen bekannt.