Das Wohl und Wehe der GWC Gebäudewirtschaft Cottbus hängt an den Einwohnern. Schließlich hat Brandenburgs größter Vermieter 17 230 Wohnungen am Markt. Und die Zahl der Cottbuser ist seit Jahresbeginn weiter gefallen – unter die magische 100 000er-Marke. Gleichzeitig registriert die städtische Gesellschaft einen steten Anstieg des Leerstandes in ihrem eigenen Bestand.

Die Zahl gefällt GWC-Chef Torsten Kunze gar nicht: 943. So viele Wohnungen stehen bei der Gebäudewirtschaft derzeit leer. „Das ist eine bedrohliche Entwicklung“, konstatiert er am Mittwoch im Stadtparlament. Der Leerstand macht demnach 5,5 Prozent aus, fast ein Prozent mehr als im Vorjahr.

„Der eisige Hauch des Braunkohle-Ausstiegs“

Mit Blick auf die abfallende Bevölkerungskurve erklärt er: „Das ist der erste eisige Hauch des Braunkohle-Ausstiegs.“ Aus Sicht des Geschäftsmannes stellt der Strukturwandel das größte Risiko für sein Unternehmen und die Stadt Cottbus dar. „Wir brauchen Arbeitsplätze.“ Das ist sein Mantra.

Cottbus hat nur noch 99 525 Einwohner

Tatsächlich sinkt ist die Einwohnerzahl von Cottbus seit Dezember 2018 Monat für Monat – von 100 148 Menschen auf 99 525 im September 2019. Torsten Kunze sieht derzeit nur eine Richtung, in die sich die Bevölkerung weiter entwickelt. Nach unten. Dieser Einschätzung liegt allein die Tatsache zugrunde, dass in jedem Jahr in Cottbus mehr Menschen sterben als geboren werden. Das sei für die GWC besonders in Sandow auffällig.

Der Umbau des Wohnungsbestandes ist für die GWC noch nicht abgeschlossen. „Wir kommen am Abriss nicht vorbei“, sagt Kunze. „Viele Wohnungen haben das Alter erreicht, dass sie mittel- oder langfristig aus dem Bestand genommen werden müssen.“ Dabei nennt er keine konkreten Standorte.

Gleichzeitig steige der Neubau-Anteil in Cottbus. So sind in der Stadt allein im vergangenen Jahr 512 neue Wohnungen errichtet worden. Das sei eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. Die GWC selbst hat in diesem Jahr 15,5 Millionen Euro in den eigenen Bestand investiert. Dabei handelt es sich Torsten Kunze zufolge um umfassende Modernisierungen von Gebäuden, aber auch die Instandsetzung von Balkonen, die Nachrüstung von Fahrstühlen oder den Einbau von Rollstuhlrampen.

Mieten bleiben in Cottbus stabil

Im Gegensatz zu anderen Großstädten liefen die Mieten nicht aus dem Ruder. Trotz der allgemeinen Kostensteigerung bei Bau, Planung und Personal entwickelten sich die Mieten bei der GWC auf sozial verträgliche Weise. Die durchschnittliche jährliche Erhöhung liegt demnach bei 1,4 Prozent.

Darüber hinaus stünden derzeit viele Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment leer – 178 mit einem Quadratmeterpreis von bis zu 4,60 Euro, 369 mit einem Preis von 4,61 bis 5 Euro je Quadratmeter und 261 mit einer Miete von 5,01 bis 5,99 Euro für den Quadratmeter. „Wir kommen also unserem Auftrag, genügend günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, nach“, betont Kunze.

GWC: „Das Strukturstärkungsgesetz ist für uns vital wichtig.“

Arbeitsplätze, Arbeitsplätze, Arbeitsplätze. „Das ist die einzige Chance, um aus dem Schlamassel des Braunkohle-Ausstiegs rauszukommen“, sagt der GWC-Chef. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet demnach die Gesellschaft selbst. Denn unter ihrer Regie entsteht für gut 15 Millionen Euro im nächsten Jahr das neue Regionale Cottbuser Gründerzentrum am Campus. Der Grundstein wurde vergangenen Freitag gelegt. „Wir sind angewiesen auf eine erfolgreiche Arbeit unserer Wirtschaftfördergesellschaft EGC“, sagt Kunze. Und: „Das Strukturstärkungsgesetz ist für uns vital wichtig.“

In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass die GWC im vergangenen Jahr allein 512 neue Wohnungen errichtet hat. Das ist falsch. So viele Wohnungen sind in ganz Cottbus neu gebaut worden. Auch der Abriss von gut 9000 Wohnungen seit dem Jahr 2000 gilt für die gesamte Stadt, nicht für die städtische Gesellschaft allein.