Omas bestes Rezept sind Hefeklöße. Die Lieben von Ilse Gollasch aus Klein Gaglow schwärmen davon. Die nun 100-Jährige feiert am Sonnabend mit Freunden und Bekannten im Sportlerheim in Klein Gaglow ihren runden Geburtstag – sehr schick in Chiffonbluse und mit der guten Perlenkette am Hals. Gut gelaunt stößt sie auch mit Wolfgang Hoffmann, dem Bauamtschef im Kolkwitzer Rathaus, mit einem Sekt auf das Leben an. Auch wenn Ilse Gollasch ein Eierlikör eigentlich lieber ist. Zum Rommé-Spielen gehört er immer dazu.

Die geistig rege Seniorin ist nicht mehr mobil. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen und kann ihrer großen Leidenschaft, dem Garten mit Blumen, nicht mehr nachkommen. Mit Gemüse hat sie sich und die Familie früher praktisch selbst versorgt. Ins Grüne zieht es sie aber noch immer gern hinaus. Und ihr Zimmer steht jetzt voller Blumen, denn Gratulanten kommen zahlreich zum 100. Geburtstag.

Ilse Gollasch hat zwei Ehemänner überlebt. Der Erste ist im Krieg geblieben. „Ich habe 1942 geheiratet, da habe ich mir das Brautkleid aus mehreren Blusen selbst zusammengenäht. Denn es gab in der Kriegszeit ja nicht“, erzählt sie. Das Grauen des Krieges sollte die gelernte Schneiderin dann gegen Ende mit aller Wucht treffen: Ihr Mann kam uns Leben, sie selbst musste den furchtbaren Bombenangriff vom 15. Februar 1945 im Cottbuser Osten miterleben. „Da war alles kaputt, und deshalb bin ich mit meinem Sohn nach Hannover geflüchtet“.

Den Dauerstreit der Menschen kann Oma nicht verstehen

Schon ein Jahr später kam sie wieder nach Cottbus zurück: „ Ich wollte wieder in die Heimat“. Und an der ist sie nach wie vor brennend interessiert. „Katrin liest mir jeden Tag aus der Zeitung vor. Und ich weiß, dass hier jetzt Vieles neu ist. So höre ich auch von den Konflikten auf dieser Erde. Ich kann nicht verstehen, dass die Menschen sich immer streiten müssen. Ich würde mir wünschen, dass keiner auf den anderen neidisch ist und sich alle vertragen“, sagt sie liebevoll dankbar mit Blick auf Katrin und Wolfgnag Heyne. Das Paar umsorgt sie.

Oma ist leidenschaftlicher Fan von Energie Cottbus

Die Jubilarin hält sich auch zum Fußball auf dem Laufenden. Sie ist leidenschaftlicher Fan des FC Energie Cottbus.

In hundert Jahren hat das Leben mehrfach hart zugeschlagen. Ilse Gollasch hat ihren Sohn verloren, auch ihr zweiter Ehemann ist bereits Anfang der 80er-Jahre verstorben. Allein ist die couragierte Frau trotzdem nie geblieben. Stütze und Freude der lebensbejahrenden Dame ist Familie Heyne aus Klein Gaglow. Als 1999 der Wohnblock in Cottbus, in dem Ilse Gollasch wohnte, saniert wurde, da ist sie zu den Heynes gezogen. „ Wir wollten nicht, dass sie ins Heim muss. Deshalb ist Oma bei uns eingezogen. Sie hat unsere Söhne mit groß gezogen“, erzählt Katrin Heyne. Die ganze Familie kümmert sich um Oma.

Wolfgang Heyne arbeitet bei der Berufsfeuerwehr. Noch leben die beiden Heyne-Söhne mit im Elternhaus. Die Familie leistet Schichtdienst. Ilse Gollasch war immer für sie da, jetzt sind sie es für die betagte Dame. „Wir hängen am Oma“, sagt Max Heyne. „Sie hat uns mit zu anständigen Menschen erzogen und sich auch für unseren Feuerwehrsport interessiert. Sie war sogar einmal beim Wettkampf in Schwarze Pumpe dabei“, ergänzt Rick Heyne. Beide kämpfen im Feuerwehr-Team Lausitz.

Dass Rick sich mit leckeren Nudeln auch selbst gut über Wasser halten kann, verdankt er Ilse Gollasch, die eine begnadete Köchin ist. Über die legendären Hefeklöße hinaus.

Omas Stuhlhussen sind legendär in Kolkwitz

Sie mag das Meer. Einmal im Jahr geht es immer an die Ostsee. Ilse Gollasch hat aber auch andere Länder gesehen: Österreich und die Schweiz, Polen und Tschechien, Kroatien und Thailand. Lange Zeit hat sie sich mit Gymnastik fit gehalten. In Klein Gaglow hat sie für viele Leute genäht. Viele schwärmen noch heute von Oma Ilses Stuhlhussen. Denn wenn ein Kind im Kindergarten seinen Geburtstag feierte, bekam es den von Oma genähten königlichen Stuhlüberzug.

Der erste Gratulant zum 100. ist übrigens ihr Hund Eddy gewesen. Das Tier ist der liebste Begleiter von Ilse Gollasch.