
Saison: Wollitz legt sich fest: „Rangelov muss spielen“
Claus-Dieter Wollitz, in zwei Wochen startet die 2. Bundesliga in die neue Saison. Wo steht Energie Cottbus im Moment?
Wir befinden uns in der Phase der Selbstfindung. Uns fehlt noch die Selbstverständlichkeit in den taktischen Abläufen. Das muss man sich immer wieder neu erarbeiten. Gerade dann, wenn es in der vergangenen Saison gut geklappt hat.
Wie meinen Sie das?
Wir haben das letzte Spiel gegen Oberhausen gewonnen. Meine Erfahrung ist: Mannschaften, welche die Saison gut abgeschlossen haben, tun sich in der nächsten Saisonvorbereitung immer etwas schwerer. Manche glauben, dass es einfach so weitergeht. Das muss der eine oder andere Spieler auch bei uns erst erkennen.
Wie viel Zeit benötigt der Prozess der Selbstfindung?
Das ist schwer zu sagen. Diesen Prozess können wir aber durch Anfangserfolge forcieren. Das war in der vergangenen Saison auch so. Da hatten wir das Highlight mit dem Sieg im letzten Testspiel gegen den Hamburger SV. Wir sind danach mit einer ganz anderen Überzeugung in die Saison gegangen. Ein Aha-Effekt - und wir sind da! Davon bin ich überzeugt.
Energie lieferte im letzten Spiel beim 1:0 gegen Manisaspor die beste Leistung ab. War dieser Sieg ein Aha-Effekt?
Ja, das Auftreten des Teams gegen den wirklich starken türkischen Erstligisten könnte solch ein Ausrufezeichen gewesen sein. Diese Leistung war in vielerlei Hinsicht ein Hinweis darauf, wozu diese Mannschaft in der Lage ist - wenn sie kompakt auftritt, alles investiert und ihre Stärken im Spiel nach vorn einbringt.
Hat Sie diese Leistung nach den Remis gegen Aalen (2:2) und Unterhaching (0:0) überrascht?
Ich hatte insgeheim darauf gehofft, dass sich unser Team die Messlatte selbst so hoch legt. Der Erfolg gegen Manisaspor, vor allem aber die Art und Weise gibt den Jungs noch mal einen Schub. Dessen bin ich mir sicher.
Welche Rolle spielt Rückkehrer Dimitar Rangelov in diesen Planungen?
Er ist ein Spieler, der eine gute Körpersprache und eine Ausstrahlung besitzt. Das hat man bereits in der ersten Trainingseinheit gesehen. Er hat einfach Bock auf Fußball. Das zieht eine Mannschaft mit. Trotzdem dürfen wir nicht erwarten, dass er gleich am ersten Spieltag bei einhundert Prozent ist.
Rangelov laboriert an Zahn Beschwerden, er muss am Montag operiert werden. Wie realistisch ist sein Einsatz im ersten Spiel gegen Dresden am 15. Juli?
Wenn er sein Zahn-Problem in den Griff bekommt und zehn Tage trainieren kann, muss er in der Startformation stehen und spielen. Dieses Signal ist ganz wichtig. Wenn ich als Trainer dieses Signal nicht gebe, braucht der Verein sich doch nicht anzustrengen und solche Transfers machen. Ich bin sicher, jeder hätte Verständnis, wenn wir ihn nach 60 oder 70 Minuten erschöpft auswechseln.
Wo sehen Sie Rangelov in der taktischen Formation?
Er wird nicht links oder rechts spielen, sondern im Sturmzentrum. Wir müssen jetzt den passenden Mitspieler für ihn finden. Wir haben mit Nils Petersen und Emil Jula zwei Stürmer verloren, die ideal zueinandergepasst haben. Aber auch sie brauchten eine gewisse Zeit, ehe sie in Cottbus endgültig angekommen sind.
Der Kader ist mit 30 Spielern derzeit sehr groß. Wird es noch Änderungen geben?
Wenn Sie die vier Torhüter abziehen, sind es nur noch 26. Außerdem haben wir mit Leonardo Bittencourt und Martin Kobylanski zwei Jugendspieler dabei. Zudem haben wir etliche Spieler im Kader, die noch nicht konstant auf diesem Zweitliga-Niveau gespielt haben, zum Beispiel Velimir Jovanovic. Wenn man es differenziert, haben wir aktuell etwa 18 Leute mit der Qualität, 2. Liga zu spielen.
Wollen Sie trotzdem Spieler abgeben, zum Beispiel als Leihgabe?
Das ist sicher denkbar. Nehmen Sie Philipp Lahm: Er hat sich von München nach Stuttgart ausleihen lassen und ist dort zu einem Topspieler gereift. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass sich ein Kolja Afriyie für ein Jahr ausleihen lässt und neues Selbstvertrauen tankt, um dann gestärkt zu uns zurückzukehren.
Manch einer empfindet das als Rückschritt.
Das ist kein Rückschritt, sondern die Vorbereitung auf den nächsten Karriere-Schritt. Wir würden diese Spieler doch nicht aus den Augen verlieren, sondern weiter positiv begleiten. Auch deswegen haben wir mit Michael Lüken einen neuen Scout eingestellt. Es geht bei der Ausleihe nicht darum, einen Spieler loszuwerden, sondern ihn weiterzuentwickeln, damit der Verein Energie Cottbus davon profitiert. Das setzt allerdings immer die Bereitschaft und die Selbsterkenntnis der Spieler voraus.
Wie planen Sie den Rest der Vorbereitung bis zum Saisonstart?
Das Augenmerk liegt auf dem letzten Vorbereitungsspiel am Samstag gegen Dukla Prag. Bis dahin müssen wir eine Formation gefunden haben, die schon relativ gut geordnet ist. Dann können wir mit ruhigem Gewissen gegen Dresden in die Saison starten. Also mit dem guten Gefühl, alles getan zu haben.