LR+LR+Nils Petersen
: Wie Energie-Angreifer Nils Petersen mit dem Interesse des FC Bayern München umgeht

Ein Thema beherrscht den FC Energie und seine Fans: Will der FC Bayern tatsächlich Nils Petersen verpflichten? Nachdem durch das 1:1 gegen den FC Augsburg die letzte Aufstiegschance weg ist, hat nun der Poker um den Torjäger begonnen.
Von
Gastautor
Cottbus
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Wie leicht es sich Emil Jula doch machte. Er sagte „So ist halt Fußball“ und verschwand in der Kabine. Dabei hätte es das Thema des Abends sein können, dass ausgerechnet der Rumäne das 1:1 gegen Augsburg geschossen hatte. Jener Jula, der bei den Fans in Ungnade gefallen ist, weil er wegen eines höheren Gehalts zum Liga-Konkurrenten MSV Duisburg wechselt. Doch von Jula sprach am Montagabend kaum jemand – stattdessen wollten alle wissen, was dran ist am heißesten Gerücht des Tages: Bayern München will Nils Petersen, so machte es im Stadion der Freundschaft die Runde.

Das Fachblatt „Kicker“ hatte berichtet, dass der Rekordmeister den Torjäger beobachte. Dass die Reporter vom Fernsehsender Sky am Abend von einem Angebot des FC Bayern sprachen, zeigte, wie schnell eine simple Spielerbeobachtung zu einem konkreten Vertragsangebot aufgebauscht werden kann. Und dass der ProSieben-Videotext gar fälschlicherweise vermeldete, Bayern sei an „Torwart Petersen“ interessiert, bewies, dass Kompetenz kein Kriterium dafür ist, ob man in der Gerüchteküche mitrühren darf.

Den Brei auslöffeln musste am Montag erst einmal Petersen („Es war schwer, sich nur aufs Spiel zu konzentrieren.“). Nach dem Abpfiff waren alle Mikrofone auf ihn gerichtet. Was sagt man, wenn der große FC Bayern interessiert sein soll? Petersen beließ es dabei, zu erklären, dass dies natürlich verlockend und eine große Ehre sei. Zudem betonte der Angreifer, dass er ja gar nicht wisse, ob die Meldung stimme. Vielleicht eine Ente? Nein. Während der FC Bayern sich auf RUNDSCHAU-Nachfrage nicht zur Personalie Petersen äußerte, bestätigte dessen Berater Lars-Wilhelm Baumgarten, dass die Münchner den Angreifer intensiv beobachten. Diese Information ist nicht sonderlich überraschend, schließlich schaut jeder Erstligist genauer hin, wenn ein deutscher Stürmer in der 2. Liga 24 Tore erzielt. Eine Quote, die zuletzt ein junger Mann namens Lukas Podolski im Unterhaus aufweisen konnte – der Werdegang ist bekannt.

Ob Petersen jedoch tatsächlich mit dem Nationalspieler zu vergleichen ist, bleibt abzuwarten. FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz – von Petersen am Dienstag über den aktuellen Stand der Dinge informiert – warnt jedenfalls, dass der Schritt in die 1. Liga zu früh für den 22-Jährigen käme. Wollitz hofft darauf, dass Petersens Vernunft ihn in Cottbus hält: „Er ist noch nicht so weit. Es gibt in Deutschland größere Talente als ihn, aber Nils ist ein schlauer Spieler.“

Wie schlau Petersen tatsächlich ist, kann er in den kommenden Tagen nachweisen. Denn ein Angebot von Bayern München setzt so einen jungen Profi natürlich auch unter Druck. Einerseits bekommt man so eine Chance im Fußballerleben nicht zu oft. Andererseits ist die Gefahr, im Münchner Millionenensemble unterzugehen, riesig. Da fällt eine Entscheidung schwer. Berater Baumgarten betont jedoch: „Langfristige Entwicklungen sind wichtiger als kurzfristiges Geld. Ich berate seit elf Jahren Fußballprofis und habe schon bei zwei Spielern, die der FC Bayern haben wollte, abgesagt.“ Ein Szenario, dass man sich durchaus auch bei Petersen vorstellen könnte.

Der Angreifer, der unlängst im RUNDSCHAU-Interview keinen Hehl daraus gemacht hatte, sich seine Zukunft gut bei Energie Cottbus vorstellen zu können, gibt sich jedenfalls erstaunlich abgeklärt. Am Dienstag betontet er erneut: „Die Perspektive mus stimmen, ich möchte auf meine Einsatzzeiten kommen.“ Mit dieser Maßgabe geht er in die anstehenden Gespräche. Und die werden nicht nur mit dem FC Bayern geführt. Nach RUNDSCHAU-Informationen haben auch Schalke, Wolfsburg, Hannover, Hoffenheim, Kaiserslautern und Freiburg ihre Anfragen hinterlegt. So leicht wie Jula wird Petersen es sich dabei bestimmt nicht machen.