Von Frank Noack

Natürlich kann, will und darf Claus-Dieter Wollitz „nicht vorgreifen“, wie es der Trainer von Energie Cottbus klar und unmissverständlich formuliert. Denn sämtliche Zukunftsplanungen beim FCE stehen eben unter diesem einen, so enorm wichtigen Vorbehalt: dem Klassenerhalt in der 3. Fußball-­Liga.

An diesem Samstag geht es gegen Tabellenführer VfL Osnabrück. Die Partie im Stadion der Freundschaft beginnt um 14 Uhr (LR-Liveticker, rbb-Fernsehen live). „Wir müssen liefern, damit wir unsere Ziele er­reichen“, betont Wollitz. Auch und gerade gegen den Tabellen­führer und frisch gebackenen Zweit­liga-Aufsteiger.

Wollitz setzt dabei nicht zuletzt auf das Heim-Publikum. „Jetzt gilt es, als Energie Cottbus hier zu ­Hause auch mal den Tabellen­führer zu schlagen. Dafür stand Cottbus ­viele Jahre lang – selbst gegen Bayern München. Wenn ein Gegner kam, der schier unbesiegbar war, dann ist Energie Cottbus mit dem Publikum über sich hinausge­wachsen.“

Der Verein hofft auf eine fünf­stellige Kulisse. Aus Osnabrück werden etwa 1000 Fans erwartet.

Auch wenn es auf den ersten Blick sehr ambitioniert aussieht: ­Ausgerechnet den Tabellenführer sieht Claus-Dieter Wollitz als Vorbild für die künftige Entwicklung seiner eigenen Mannschaft. Dabei hat der VfL Osnabrück in den bisherigen 34 Spielen schon 73 Punkte erkämpft und feierte am vergangenen Wochenende vorzeitig den Aufstieg. Energie hat dagegen erst 38 Punkte auf dem Konto und steht auf einem Abstiegsrang. Der Cottbuser Coach lobt ausdrücklich seinen Ex-Verein: „Gratulation an den VfL Osnabrück. Man muss den sportlich Verantwortlichen ein Riesenkompliment machen für die Zusammenstellung der Mannschaft. Sie haben erkannt, auf welche Faktoren es in der 3. Liga ankommt: Konstanz, Geschlossenheit und ein breiter Kader.“

In der Tat wurden an der ­Bremer Brücke viele Dinge neu geordnet. Nach der verkorksten ­Saison 2017/18 baute Trainer ­Daniel Thioune  gemeinsam mit Sportdirektor Benjamin Schmedes im vergangenen Sommer ein neues Team auf. 16 Spieler wurden weggeschickt, 14 Neue dazugeholt. Der neu entstandene Teamgeist und die Bereitschaft, in fast jedem Spiel an die Grenze zu gehen, waren die ­Basis für den Aufschwung.

Einen Umbau des Kaders hatte auch Wollitz schon im vergangenen Sommer nach dem Aufstieg geplant. Er scheiterte jedoch aus finanziellen Gründen. Erst im Januar wurde mit den vier Neuzugängen ­um Mittelfeld-Chef Jürgen Gjasula die sport­liche Substanz erhöht.

Übrigens: Auch Osnabrück stand in der vergangenen Saison ganz nah am Abgrund. Mit 37 Punkten belegten die Niedersachsen am Ende Rang 17 und blieben nur in der Liga, weil es damals noch drei statt vier Absteiger gab. „Sie haben ihre Fehler korrigiert. Das könnten wir auch“, ist Wollitz fest überzeugt. Das bedeute zwar nicht, dass Energie Cottbus genau wie Osnabrück sofort an die Spitze marschiere, aber: „Wir könnten definitiv eine bessere ­Rolle spielen.“

Damit diese Zukunftsplanungen auch wirklich Realität werden ­können, muss der FCE aber jetzt erst einmal den Klassenerhalt ­schaffen. Ein Heimsieg gegen das Vorbild aus Osnabrück wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rettung.

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