
Hertha: Unentschieden im Derby ist zu wenig für Energie
In den ersten 45 Minuten sahen die Zuschauer ein trotz Minustemperaturen flottes Spiel. Beide Abwehrreihen machten es den Angreifern allerdings auch einfach, Tore zu erzielen. Bereits nach einer Viertelstunde sah die Cottbuser Verteidigung ganz alt aus, als sich Abwehrchef Markus Brzenska und Torhüter Thorsten Kirschbaum nicht einigen konnten, wer zuerst zum Ball geht. Letztendlich war es der Herthaner Pierre-Michel Lasogga, der den Pass mit der Fußspitze ins Netz lenkte.
Die Cottbuser wirkten aber nur kurz geschockt und schlugen in der 26. Minute zurück. Daniel Adlung nutzte die Unordnung in der Berliner Abwehr nach einer Ecke und hämmerte die Kugel aus zehn Metern in die Maschen. In der 31. Minute hat Jiayi Shao die Führung schon fast auf dem Fuß. Der über die gesamte Spielzeit unsicher wirkende Hertha-Schlussmann Maikel Aerts kann den tückischen Freistoßaufsetzer des Chinesen aber noch zur Seite lenken.
Fünf Minuten später sah aber auch Aerts alt aus: Wieder Ecke Kruska, wieder Unordnung bei Hertha. Aerts kann den Ball nicht aus dem Getümmel fausten und Uwe Hünemeier nickt zum 1:2 für Energie ein. Hertha-Trainer Markus Babbel fand nach der Partie klare Worte für die Leistung seines Torwarts: „Maikel hat heute nicht sicher gewirkt. Das war sicher nicht sein bester Tag. So eine Phase muss man aber mal erleben, um daraus gestärkt heraus zu kommen.“
Die Cottbuser Fans können sich aber nicht allzu lange über die Führung freuen. Auf der Gegenseite segelt in der 40. Minute FCE-Keeper Kirschbaum durch den Strafraum und kann einen langen Freistoß nicht entscheidend klären. Roman Hubnik steht goldrichtig und drückt den Abpraller über die Cottbuser Torlinie. Energies Coach Pele Wollitz sagte dazu: „Nach der Führung waren wir zu gierig. Wenn der Torwart da auf der Linie bleibt, bekommen wir den Ausgleich nicht.“
Nach der Pause übernimmt Energie mehr und mehr die Kontrolle über die Partie. In der 62. Minute hat erst Nils Petersen die Chance per Direktabnahme nach einem schönen Spielzug über Jula, der von Links flankt auf Shao, der den Ball über einen Berliner Verteidiger auf den dahinter lauernden Petersen lenkt. Aber dessen Schuss aus 20 Metern fliegt knapp über die Querlatte. Zwei Minuten später versucht es Emil Jula ebenfalls mit einem Direktschuss nach einem langen Pass von FCE-Kapitän Marc-André Kruska in den Rücken der Berliner Abwehr. Aber dieses Mal geht der Ball knapp links vorbei.
Hertha findet in der 2. Hälfte fast nicht mehr statt. So sah es auch Trainer Babbel: „Ich bin zufrieden mit dem Punkt. Wir haben heute kein gutes Spiel gezeigt. Wir hatten eine unglaublich hohe Fehlpassquote, haben uns nicht gut bewegt mit sehr vielen Abspielfehlern.“ Cottbus liegt am Ende nach Torschüssen klar mit 17:8 vorne - alleine der dritte Treffer fehlt. Der Punkt reicht nicht, um wesentlich näher wieder an die Aufstiegsplätze heranzurücken. Mit 36 Punkten bleiben sie auf Platz sieben - sieben Punkte hinter dem Relegationsplatz. Hertha steht mit 46 Punkten weiter an der Tabellenspitze. Trotzdem hat FCE-Trainer Wollitz die Spitzenplätze weiter im Auge: „Wir sind zu ehrgeizig um uns mit einem Mittelfeldplatz abzufinden. Wenn wir noch mal rankommen wollen, brauchen wir jetzt aber Dreier - und am besten gleich eine Serie. Das ist noch möglich, wenn alle in Topform sind und wir auch das Quäntchen Glück wieder haben.“