An diesem Freitag beginnt die neue Saison der Regionalliga Nordost – in der Auftaktpartie treffen am Abend mit Lok Leipzig und Hertha BSC II (19.30 Uhr) gleich zwei vermeintliche Spitzenteams aufeinander. Für viele Fans im Fußball-Osten startet der größte Meisterschaftsfavorit allerdings erst am Samstag: Energie Cottbus empfängt dann zum Auftakt im Stadion der Freundschaft die VSG Altglienicke (13.30 Uhr) – und alle Konkurrenten haben den FCE weit oben auf dem Tippzettel.

Beim Blick auf die neue Regionalliga-Landkarte benannte Thomas Brdaric, Trainer von Rot-Weiß Erfurt, mit Wacker Nordhausen, dem Berliner AK und eben Energie seine drei Favoriten. Leipzigs Teamchef Björn Joppe sieht Energie und Nordhausen ganz vorn. Und Nordhausens Coach Heiko Scholz prognostizierte im „MDR“: „Die Berliner Truppen mit BAK und Viktoria haben jedes Jahr spielerisch gute Mannschaften. Energie Cottbus will auch nicht lange in der Regionalliga bleiben. Und dann hast du immer so Überraschungsmannschaften wie Hertha II oder Lok Leipzig, die in die 3. Liga müssen.“

Die Auswahl erscheint also besonders groß, aber alle haben Energie auf dem Zettel. Allerdings: Cottbus startet nach dem Abstieg und dem darauf resultierenden Umbruch mit einem Mini-Kader. 20 Spieler haben den Verein verlassen. Weil Abwehrchef Robert Müller weiter ausfällt, stehen Trainer Claus-Dieter Wollitz am Samstag gegen Altglienicke nur 15 Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung. Der FCE-Coach fragte deshalb: „Was zählt eigentlich im Fußball – die Vergangenheit oder das Hier und Jetzt?“

Keine Frage: Als ehemaliger Erstligist – nur Lok-Vorgänger VfB Leipzig hat ebenfalls mal in der Fußball-Bundesliga gespielt – trägt Energie Cottbus wohl den größten Rucksack der Erwartungen. Trainer Wollitz nimmt es positiv und versucht, die Favoritenfrage klein zu halten. Er betonte: „Eine Erwartungshaltung kann auch etwas positives sein – ich bin da realistisch und habe auch keine Angst vor Niederlagen.“

Wollitz legt vorerst den Augenmerk nur auf das Auftaktspiel: „Wir wissen: Der Kader reicht noch nicht für 34 Spiele aus – aber für dieses eine Spiel reicht er aus. Das hat aber nichts mit Altglienicke als Gegner zu tun. Selbst wenn Nordhausen kommen würde, in diesem einen Spiel können wir 150 Prozent geben.“ Ein Sieg mit viel Mentalität und Willen zum Auftakt, das ist der Wunsch des Trainers. Wollitz fügt an: „Dann geht es darum, Spieler zu gewinnen, die unsere Qualität erhöhen.“

Die Transferperiode endet erst am 31. August, der Kräfteverhältnisse in der Liga können sich also noch verschieben. Angesichts der Fülle von gut besetzten Mannschaften, könnte dabei die Hoffnung von Nordhausens Coach Scholz in Erfüllung gehen. Der sagte im „MDR“: „Ich würde mir wünschen, dass nicht wieder eine Mannschaft mit 15 Punkten vornweg ist, damit es bis zum Ende spannend bleibt."

Darauf setzt auch Miroslav Jagatic, der Trainer von Aufsteiger Chemie Leipzig. Er prognostizierte: „Ich glaube, die kleinen Mannschaften werden in diesem Jahr den Staffelsieg entscheiden, indem sie für Überraschungen gegen die großen Favoriten sorgen." Dass am Ende Cottbus oben stehen wird, davon ist jedoch auch er überzeugt. Jagatic sagte im „MDR“: „Im Umfeld von Cottbus gibt es zwar kritische Stimmen, ich zweifle aber nicht an Cottbus und ,Pele‘ Wollitz. Er kennt die Liga, ist ein erfahrener und guter Trainer. Ihm traue ich in jedem Fall zu, dass er es packen kann.“

Viel Vorschusslorbeer für den Cottbuser Mini-Kader. Trainer Wollitz wiegelt es rigoros ab: “Was der eine oder andere in seiner Erwartungshaltung von sich gibt, ist zu weit weg und interessiert mich nicht.“

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