Dürfen türkische Fußballspieler die Syrien-Offensive ihres Landes mit einem militärischen Gruß feiern? Darüber wird im deutschen Fußball derzeit heftig diskutiert – und nicht nur bei den Profis, sondern speziell im Amateurfußball. Während der Nordostdeutsche Fußballverband NOFV in einer Mitteilung klargestellt hat, das Nachahmer des Salut-Jubels der türkischen Nationalmannschaft „mit sportrechtlichen Konsequenzen rechnen“, müssten, kündigte beispielsweise Präsident Ali Han vom Regionalligisten Berliner AK an, seinen Spielern den Militärgruß am Samstag beim Punktspiel bei ZFC Meuselwitz nicht ausdrücklich zu verbieten. Er betonte gegenüber dem Sport-Informationsdient: „Das ist Meinungsfreiheit. Jeder soll entscheiden, ob er es macht oder nicht.“ Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz erklärte am Freitag indes: „Ich kann nur jedem Spieler von uns empfehlen: Das sollte keiner machen, das hat schlimme Konsequenzen.“

NOFV kündigt Anzeige an

Also: Meinungsfreiheit oder „Provokation“? So nennt es der Verband in seiner Mitteilung und betont, dass „der NOFV ein solches Verhalten in seinen Spielklassen nicht tolerieren und Vorfälle dieser Art zur Anzeige vor dem Sportgericht bringen wird“.

Verhaltensweisen wie der Salut-Jubel seien „Formen unsportlichen und grob unsportlichen Ver­haltens“ heißt es weiter und abschließend teilt der NOFV mit: „Der Fußball darf nicht für Provokationen, Diskriminierungen, politische Aussagen und menschen­verachtende Verhaltensweisen missbraucht werden. Fußball steht für Fair-Play, Respekt und Integrität des sportlichen Wettbewerbes.“

FCE-Trainer Wollitz distanziert sich deutlich

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz ist ähnlicher Meinung. Im Bewusstsein, dass er beispielsweise mit Berkan Taz oder Orhan Yildirim auch türkischstämmige Spieler im Team hat, sagte Wollitz mit klaren Worten: „Ich distanziere mich deutlich davon, Krieg ist das schwachsinnigste, was es gibt.“

Seine Ansage an die Spieler ist konsequent – und meiner Meinung nach auch richtig. Auch wenn wir uns immer wünschen, dass Fußball-Profis als mündige Bürger auftreten und abseits des Rasen ihren großen Bekanntheitsgrad für demokratische Werte einsetzen, ist der Fall des türkischen Salut-Jubels für mich keine Form der freien Meinungsäußerung mehr. Hier werden Werte der demokratischen Grundordnung verletzt.

„Amnesty“ berichtet von Kriegsverbrechen

Das jedenfalls empfinde ich beim Lesen des Berichts von „Amnesty International“, der den Türken am Freitag bei ihrem Syrien-Angriff „Kriegsverbrechen, Massentötungen und unrechtmäßige Angriffe“ attestierte. Die international anerkannte Nicht-Regierungs-Organisation habe „erdrückende Beweise für willkürliche Angriffe in Wohngebieten“, teilte sie mit.

Dass die türkischen Spieler dieses Vorgehen in Syrien mit ihrem Jubel feiern, ist für mich deshalb untragbar. Von daher ist es gut vom NOFV und auch von Wollitz, sich vorab schon von diesem Vorgehen zu distanzieren. So wissen jetzt alle Spieler am Wochenende, woran sie sind.

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