Relegation 2023: Robert Müller analysiert Cottbus und Unterhaching – „Nordosten stärker“
Robert Müller ist mit insgesamt 348 Einsätzen nicht nur der Rekordspieler der 3. Fußball-Liga. Er kennt auch Energie Cottbus und die SpVgg Unterhaching sehr genau: Müller hat für beide Clubs gespielt.
Für lr.de analysiert Robert Müller die Chancen des FC Energie und Unterhaching in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga. Das erste Spiel findet am Mittwoch im Stadion der Freundschaft in Cottbus statt (20.30 Uhr).
Robert Müller, vorab die Frage: Wie stellt man sich als Spieler darauf ein, dass nach der Meisterschaft und dem Pokalgewinn jetzt erst die beiden alles entscheidenden Spiele der Saison kommen?
Man muss sich bewusstmachen: Du kannst einerseits jetzt endlich dein großes Ziel erreichen. Es kann anderseits aber auch alles, wofür du in dieser Saison hart gearbeitet hast, den Bach heruntergehen. Das ist nicht so einfach für den Kopf. Du musst als Spieler die richtige Mischung aus Anspannung und Abgeklärtheit hinkriegen. Es gilt, in diesen beiden Spielen deine bestmögliche Qualität auf den Platz zu bekommen.
Wie ist Energie Cottbus aus Ihrer Sicht für die Aufstiegsspiele gerüstet?
Energie hat nach der Meisterschaft jetzt auch den Landespokal geholt – das wird der Mannschaft einen weiteren Push geben. Cottbus hatte in der Liga den zweitbesten Sturm und die zweitbeste Defensive. Sie besitzen eine enorme Wucht nach vorn. Ich sehe Energie sehr gut gerüstet. Dazu kommt die Unterstützung durch die Fans.
Kann ein volles Stadion der Freundschaft zu einem entscheidenden Faktor werden?
Wenn sich Energie dadurch nicht verunsichern lässt, auf jeden Fall. Eine solche Kulisse kennt Unterhaching aus der Regionalliga Bayern nicht. Wenn dich 20.000 Leute nach vorn schreien, dann kriegst du die zweite oder dritte Luft. Die Fans in Cottbus machen einen echt geilen Job. Aber die Spieler müssen natürlich auch einen geilen Job machen und mit dem Säbel zwischen den Zähnen rauskommen. Sonst funktioniert es nicht.
Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen von Unterhaching?
Die Stärke der Mannschaft, in der ich auch noch viele Freunde habe, liegt zweifellos in der Offensive. Der Sturm hat viel Power und oft die Spiele entschieden. Die Abwehr ist aus meiner Sicht dagegen nicht ganz so sattelfest und auch nicht so kombinationssicher im Aufbauspiel. Trotzdem hat auch Unterhaching eine sehr gute Qualität und ist völlig zu Recht Meister geworden. Aber sie haben einen Nachteil – sie spielen in der Regionalliga Bayern.
Wie fällt ganz konkret Ihr Vergleich zwischen der Regionalliga Nordost und der Regionalliga Bayern aus?
Die Nordost-Liga ist deutlich stärker. Hier wirst du von der Intensität her Woche für Woche viel mehr gefordert als in Bayern. Neben Cottbus, Jena und Erfurt gibt es noch Teams wie Lok Leipzig, BFC Dynamo oder Altglienicke. Da reden wir von der Breite über eine ganz andere Qualität. In Bayern gibt es Unterhaching, Würzburger Kickers und Bayern München II. Dahinter klafft eine große Lücke zum sehr breiten Mittelfeld.
Energie Cottbus geht mit einem Durchschnittsalter von rund 24 Jahren in dieses Duell. Unterhaching liegt bei etwa 30 Jahren. Bedeutet jünger automatisch auch hungriger auf den Aufstieg?
Nein, das sehe ich nicht so. Ob alt oder jung – mir war das in meiner Karriere immer völlig egal. Es gibt nur gute Spieler und nicht so gute Spieler. Dazu kommt, dass du als Fußballer sowieso immer gewinnen willst. Ich betone: immer! Beide Mannschaften wollen unbedingt hoch in die 3. Liga – auch Unterhaching. Das weiß ich aus vielen Gesprächen. Entscheidend wird sein, wer sich besser fokussieren kann. Denn solche Aufstiegsspiele sind für fast alle Spieler absolutes Neuland.
Was erwarten Sie vom Trainerduell Claus-Dieter Wollitz gegen Sandro Wagner?
Ich erwarte in jedem Fall ein sehr emotionsreiches Duell an der Seitenlinie. Ich habe ja selbst unter Pele Wollitz gespielt und weiß, wie er tickt. Er wird seine Mannschaft bis an die Grenze des Möglichen pushen. Mittwochabend, Flutlicht, dazu die Fans – für Unterhaching wird das ein ganz anderes Spiel als sie es bisher aus der Regionalliga Bayern kennen.
Zum Schluss – ihr Tipp?
Bitte nicht. Ich möchte nicht tippen, weil ich in beiden Teams gute Freunde habe. Am Ende wird das Team gewinnen, das die bessere Ordnung hat, effizienter auftritt und vor allem seine Nerven im Griff hat.
Das ist Rekordspieler Robert Müller
Robert Müller (36) ist mit insgesamt 348 Einsätzen der Rekordspieler der 3. Liga. Von Januar 2019 bis Juni 2020 spielte er für Energie Cottbus in der 3. Liga und in der Regionalliga Nordost. Danach wechselte der gebürtige Schweriner zur SpVgg Unterhaching. 2020/21 stieg er mit Unterhaching aus der 3. Liga ab. Von 2021 bis 2023 stand Robert Müller beim Greifswalder FC unter Vertrag.
Nach dieser Saison wird der Abwehrspieler seine aktive Karriere beenden. „Ich möchte weiter im Fußball bleiben und bin bereit für neue Aufgaben“, sagt Müller. Zunächst wird er die B-Lizenz als Trainer machen.



