Energie Cottbus tritt am Samstag zum Testspiel beim Oberligisten Hertha Zehlendorf (hier geht es zum Rundschau-Liveticker) an – und sucht gleichzeitig nach einem weiteren Testspiel-Gegner. Bis Freitagnachmittag hatte man sich bei Energie Cottbus voll auf den Punktspiel-Auftakt am 1. Februar beim FC Rot-Weiß Erfurt fokussiert. Doch spätestens als die Meldungen aus Thüringen kamen, dass der Traditionsverein sich wohl am Montag vom Spielbetrieb abmelden werde, begann in der Lausitz das Umdenken. Der Fan-Beauftragte Jens Petereins teilte via Facebook mit, dass die bestellten Busse für die Fahrt zum Auswärtsspiel abbestellt worden seien. Und beim FCE wurde die Suche nach einem möglichen Gegner für ein weiteres Testspiel intensiviert.

Trainer Sebastian Abt hatte schon zuvor bekundet: „Wir bereiten uns ganz gezielt auf Erfurt vor und gehen davon aus, dass gespielt wird. Wir haben aber auch einen Plan B im Kopf.“ Plan B ist gar nicht so einfach zu erfüllen, weil die meisten Teams ihren Testsspielkalender schon komplett gefüllt haben. Für Abt wäre eine weitere Partie allerdings sehr wichtig, weil Energie schließlich am 8. Februar gleich gegen den wohl ärgsten Regionalliga-Rivalen Lok Leipzig antreten muss.

Das Aus der Erfurter hatte sich lange angekündigt, am Montag wird es nun wohl traurige Gewissheit: Insolvenzverwalter Volker Reinhardt informierte darüber am Freitag Mannschaft und Trainer, klammerte sich aber noch an einen letzten Strohhalm. „Wenn sich bis einschließlich Sonntag keine Lösung abzeichnet, muss ich die Reißleine ziehen“, sagte Reinhardt: „Wir wollen den Spielern unbedingt die Möglichkeit erhalten, zu einem anderen Verein zu wechseln.“

Heißt konkret: RWE meldet seine Mannschaft vom Spielbetrieb ab, steht als erster Absteiger der Regionalliga Nordost fest. Alle Spiele des früheren Zweitligisten werden annulliert. Im Halbfinale des Thüringer Landespokals wird Erfurt auch nicht mehr antreten.

In der kommenden Saison soll es einen Neustart in der Oberliga geben. „Hierfür gibt es bereits Interessenten. Wir sind im Gespräch“, sagte Reinhardt. Dem Anwalt war es nicht gelungen, einen neuen Investor zu finden, nachdem der bisherige Hauptinvestor seine Zahlungen eingestellt hatte.

Am vergangenen Donnerstag hatte Reinhardt darüber informiert, dass der Club die Spielergehälter vom Dezember nicht mehr zahlen konnte, weil der Hauptinvestor Zahlungen blockiere. Zudem meldete der Insolvenzverwalter Masseunzulänglichkeit an, da aktuell auflaufende Rechnungen nicht beglichen werden konnten. Zuletzt hatte Reinhardt mit interessierten Investoren aus der Schweiz verhandelt.

Noch am Freitag hatte Reinhardt einen juristischen Erfolg verbuchen können. Das Amtsgericht Erfurt verweigerte die vom Hauptinvestor geforderte Absetzung des Insolvenzverwalters.

Dennoch liegt der Club nun völlig am Boden. Einst rühmte man sich, Gründungsmitglied der 3. Liga zu sein. Doch mit riskanten wirtschaftlichen Manövern, um die Rückkehr in die 2. Bundesliga zu schaffen, begann der Abstieg. Am 14. März 2018 wurde der Insolvenzantrag eingereicht, wenige Wochen später stand der Abstieg in die Regionalliga fest. Zwei Jahre später geht es nun noch eine Liga tiefer.